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Wenn es nicht mehr rutscht
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Was tun bei Schluckbeschwerden?

Schlucken ist ein hochkomplexer Vorgang, bei dem mehr als 25 Muskelpaare beteiligt sind. Ein gesunder Mensch schluckt bis zu 2000-mal am Tag, ohne sich dessen bewusst zu sein. Bei manchen Menschen ist diese Funktion jedoch gestört. Über Ursachen, Folgen und Therapiemöglichkeiten einer in der Fachsprache Dysphagie genannten Schluckstörung berichtet die Apothekerkammer Hessen.
AutorKontaktLandesapothekerkammer Hessen/PTA-Forum
Datum 05.07.2023  15:45 Uhr

Nahrung besser schluckbar machen

Bei einer ausgeprägten Schluckstörung empfiehlt es sich, Nahrung in pürierter Form einzunehmen. Nicht nur Erbsen und Kartoffeln, auch andere Gemüsesorten und Fleisch können zerkleinert werden. Da das Auge bekanntlich mitisst, sollte die pürierte Nahrung appetitlich angerichtet werden. Daneben gibt es flexible Löffel, die das Schlucken unterstützen, da der Nahrungsbrei seitlich in die Mundhöhle gelangt, wenn der Löffel durch die Zunge an den Gaumen gedrückt wird.

Ein schmackhafter Trick ist Zitronensaft im Essen. Er regt den Speichelfluss an und löst den Schluckreflex aus. Flüssigkeiten können angedickt und mit speziellen Dysphagie-Tassen angeboten werden. Im Handel gibt es zudem Dysphagie-Trinknahrung in verschiedenen Geschmacksrichtungen, die durch ihre Konsistenz leicht zu schlucken ist.

Sonderfall Arzneimittel

Schluckstörungen machen auch vor der Einnahme von Arzneimitteln nicht halt, aber auch hierbei gibt es Möglichkeiten, die Patienten zu unterstützen. So sind einige Medikamente nicht nur als Tabletten erhältlich, sondern auch in flüssiger Form, manchmal auch als Salbe oder als Pflaster zur Anwendung auf der Haut.

Längliche Tabletten sind in der Regel leichter zu schlucken als ovale oder runde. Hier können PTA und Apotheker helfen und beraten. Es gibt außerdem einen gelartigen Film, der über raue oder bittere Tabletten gezogen werden kann, um sie leichter schluckbar zu machen.

Müssen Tabletten nüchtern eingenommen werden, kann man vorher den Mund mit Wasser, speziellen Sprays, Feuchtigkeitsgelen oder Spüllösungen anfeuchten. Darf das Medikament zum Essen eingenommen werden, machen Lebensmittel wie Bananensaft, Apfelmus, Joghurt, Marmelade, Kartoffelbrei oder Honig die Tabletten leichter schluckbar. Zu berücksichtigen sind dabei unbedingt mögliche Interaktionen zwischen Nahrung und Arzneimitteln. Milch und Milchprodukte schwächen die Wirkung einiger Antibiotika, während Grapefruitsaft den Effekt einer Vielzahl von Medikamenten beeinflussen kann.

Medikamente nicht zerkleinern

Die Zerkleinerung von Tabletten erscheint zwar logisch, um sie leichter schluckbar zu machen, aber nicht alle Medikamente eignen sich dafür. Manche Wirkstoffe sollen erst im Darm freigesetzt werden, daher haben sie einen magensaftresistenten Überzug. Wird dieser durch Teilung oder Zerstoßen der Tabletten zerstört, kann nicht nur die Wirkung beeinträchtigt, sondern auch die Magenschleimhaut gereizt werden. Auch Tabletten mit verzögerter Wirkstofffreisetzung (Retardtabletten) können nicht immer geteilt oder gemörsert werden, hier besteht die Gefahr, dass der Wirkstoff komplett freigesetzt wird und nicht wie vorgesehen allmählich.

Zudem machen raue Bruchkanten die Einnahme nicht unbedingt einfacher. Manche Tabletten haben eine Kerbe zur einfachen Teilung, andere hingegen besitzen lediglich eine Schmuckkerbe. Diese Kerben sind für den Laien nicht leicht zu unterscheiden, weshalb es der Expertise des Apothekenpersonals bedarf.

Patienten sollten feste Arzneimittel wie Tabletten und Kapseln möglichst bei aufrechter Körperhaltung – am besten im Stehen – einnehmen. Besonders wichtig ist dies bei sauren Wirkstoffen wie Tetracyclinen, einer Gruppe von Antibiotika. Diese können bei falscher Einnahme die Speiseröhre reizen. Nach dem Schlucken sollten Patienten sich für einige Zeit aufrecht halten und nicht hinlegen.

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