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Bioverfügbarkeit von Nahrungsergänzungsmitteln
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Was wirklich im Körper ankommt

Einige Hersteller von Nahrungsergänzungsmitteln werben mit einer besonders guten Bioverfügbarkeit ihrer Produkte. Das muss allerdings nicht immer von Vorteil sein. PTA-Forum erklärt, worauf es ankommt.
AutorKontaktNicole Schuster
Datum 17.03.2026  08:00 Uhr

Bioverfügbarkeit ist in der Pharmazie wichtig, wenn es um die Dosierung von Arzneimitteln geht. Doch auch bei Mikronährstoffen gerät der Begriff zunehmende in den Fokus. Einige Nahrungsergänzungsmittel (NEM) sollen besonders schnell, effektiv oder besonders vollständig aufgenommen werden. Für viele Kunden mag die proklamierte hohe Bioverfügbarkeit wie ein Qualitätsmerkmal klingen. Allerdings lohnt sich ein differenzierter Blick.

Unter Bioverfügbarkeit versteht man grundsätzlich den Anteil eines Stoffes, der nach der Einnahme unverändert im systemischen Kreislauf ankommt und dem Körper für seine physiologischen Funktionen zur Verfügung steht. Das Konzept der Bioverfügbarkeit erkennt an, dass zwischen Einnahme und Wirkung mehrere physiologische Schritte liegen: Der Nährstoff muss aus seiner Matrix freigesetzt, im Magen-Darm-Trakt gelöst, durch die Darmschleimhaut transportiert und gegebenenfalls in der Leber oder im Gewebe umgewandelt werden. An jeder dieser Stationen können Verluste auftreten. Entscheidend ist also nicht die deklarierte Menge auf der Packung, sondern der Anteil, der tatsächlich wirksam wird.

Wovon die Aufnahme abhängt

Die Bioverfügbarkeit von Mikronährstoffen wird von der chemischen Struktur, der Zusammensetzung der Mahlzeit, dem individuellen Ernährungsstatus und möglichen Wechselwirkungen beeinflusst. Fettlösliche Vitamine wie A, D, E und K benötigen beispielsweise Nahrungsfett für eine optimale Aufnahme. Vitamin C verbessert die Eisenresorption, während Kaffee, Tee oder phytatreiche Lebensmittel sie hemmen können.

Auch bei der gemeinsamen Einnahme von Arzneimitteln und Mikronährstoffen kann es Probleme geben. Zweiwertige Kationen wie Magnesium, Calcium oder Eisen können beispielsweise die Resorption bestimmter Antibiotika oder Schilddrüsenhormone vermindern. Vielen Anwendern sind diese Zusammenhänge nicht bewusst. Hersteller von NEM weisen auf der Verpackung in der Regel auch nicht auf diese Wechselwirkungen hin. Umso wichtiger ist die Frage in der Apotheke bei der Abgabe betroffener Arzneimittel, ob und welche NEM der Patient regelmäßig einnimmt.

Wichtig ist es auch, zu vermitteln, dass der Körper regulierende Mechanismen besitzt, wenn es um die Aufnahme von Mikronährstoffen geht. Viele Mineralstoffe und Vitamine werden abhängig vom Bedarf für den Körper verfügbar. Bei guter Versorgung sinkt die Resorptionsrate, bei Mangel steigt sie. Eine besonders hohe Bioverfügbarkeit bedeutet daher nicht automatisch einen zusätzlichen Nutzen. In manchen Fällen kann sie sogar dazu führen, dass Schutzmechanismen des Körpers umgangen werden.

Empfohlene Referenzwerte etwa von der Deutschen Gesellschaft für Ernährung (DGE) berücksichtigen außerdem bereits, dass Nährstoffe aus der Nahrung nicht vollständig aufgenommen werden. Wird zusätzlich ein hoch dosiertes Präparat eingenommen, kann die tatsächlich im Körper ankommende Menge den Bedarf überschreiten. Das Prinzip »Viel hilft viel« gilt in der Mikronährstoffversorgung nicht. Im Gegenteil, es drohen Nebenwirkungen und Intoxikationen. Bei einer zu hohen Dosis Magnesium bemerken Patienten beispielsweise Magen-Darm-Probleme wie Durchfall infolge osmotischer Effekte.

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