Besagtes Magnesium zählt zu den meistverkauften Mineralstoffen in deutschen Apotheken. Einige Kunden wünschen explizit die »beste« Verbindung. Tatsächlich gibt es eine Vielzahl an Magnesiumsalzen, wobei zwischen anorganischen Formen wie Magnesiumoxid oder -chlorid und organischen Formen wie Magnesiumcitrat oder -aspartat zu unterscheiden ist. Organische Verbindungen sind besser wasserlöslich. Da die intestinale Resorption nur für freie Magnesiumionen möglich ist, liegt zunächst die Annahme nahe, dass anorganische Verbindungen gegenüber organischen Salzen im Nachteil sein könnten.
Tierexperimentelle Daten zeigen jedoch, dass sich im Dünndarm der überwiegende Anteil oral zugeführter Magnesiumverbindungen in gelöster Form befindet. Im sauren Milieu des Magens dissoziieren also praktisch alle Magnesiumsalze. Organische Verbindungen könnten allerdings in bestimmten Konstellationen, etwa bei einem erhöhten Magen-pH-Wert, von Vorteil sein.
Die meisten Studien zeigen, dass sich die langfristig im Körper verfügbare Magnesium-Menge zwischen den einzelnen Verbindungen nicht stark unterscheidet. Das bedeutet für einen normoabsorptiven Menschen mit leichtem bis moderatem Magnesiummangel, dass die Unterschiede zwischen den einzelnen Verbindungen klinisch gering sind und das Marketing rund um die »überlegene« Salzform für den gesunden Menschen irrelevant ist. Entscheidend sind vielmehr eine ausreichende Gesamtzufuhr, gastrointestinale Verträglichkeit, mögliche Interaktionen und der Einnahmezeitpunkt. Ein gut verträgliches Präparat, das regelmäßig eingenommen wird, ist wertvoller als ein theoretisch überlegenes, das wegen Nebenwirkungen abgesetzt wird.
Die PTA kann auch gleich mit einem weiteren Mythos aufräumen: Es ist falsch, dass bestimmte Magnesiumsalze primär in bestimmten Organen wirken. Magnesiumtaurat geht nicht direkt ins Herz und die Glycinat-Verbindung wirkt nicht in erster Linie am Nervensystem. Nach der Dissoziation ist das Anion metabolisch eigenständig und führt das Magnesiumion nicht mehr mit. Mg2+ verteilt sich nach der Resorption über den Blutkreislauf und die intrazelluläre Aufnahme erfolgt nach physiologischen Gradienten und Transportermechanismen, nicht nach der Herkunft des Salzes.