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Benzos und Z-Substanzen
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Weg vom Schlafmittel

Benzodiazepine und Z-Substanzen helfen gut bei Schlafstörungen, die Gefahr einer Abhängigkeit ist jedoch groß. Und das bereits schon nach relativ kurzer Zeit der Einnahme. Was ist also bei ihrer Anwendung zu beachten und was können alternative Substanzen leisten?
AutorKontaktElke Wolf
Datum 25.04.2024  08:00 Uhr

In kleinen Schritten

Den typisch Betroffenen einer Niedrigdosisabhängigkeit beschrieb Schmidtko als älteren Patienten, oft weiblich, Personen mit Schlaf- oder Angststörungen oder chronischen Schmerzen, die ihre ursprüngliche Symptomatik behandeln wollen. Die Arzneistoffe werden vom Arzt verordnet. Als weitere Substanzen werden wenn überhaupt Alkohol konsumiert. »Ob ein Entzug indiziert ist, ist abhängig von der Abwägung potenzieller Vor- und Nachteile für den Patienten«, ist für Schmidtko die wichtigste Maßgabe. Wenn ein Entzug infrage kommt, gilt zu berücksichtigen: »Ein zu schneller Entzug kann zu heftigen Entzugssymptomen führen, ein zu langsamer senkt die Compliance.«

Schmidtko sprach sich für ein schrittweises Absetzen aus. Als Faustregel gelte eine Dosisreduktion von 10 bis 25 Prozent pro Woche im ambulanten Setting oder 10 Prozent täglich im stationären Rahmen. Anhand von Clonazepam-Tropfen, die jeweils auf vier Tagesdosen aufgeteilt werden, rechnete er die langsame Dosisreduktion vor:

  • Tag 1-3: 20 Tropfen
  • Tag 4-6: 18 Tropfen
  • Tag 7-9: 16 Tropfen
  • entsprechende Dosisreduktion bis Tag 40

»Das Ausschleichen verspricht die meisten Erfolge in Kombination mit einer Psychotherapie. Komorbide Störungen sind zusätzlich zu behandeln«, erklärte Schmidtko.

Low-Dose-Antidepressiva

Vermutlich aufgrund ihres geringen bis nicht vorhandenen Abhängigkeitspotenzials werden zunehmend sedierende Antidepressiva off Label bei Insomnien ohne komorbider Depression eingesetzt, berichtete der Referent. Dabei sei ihre Wirksamkeit bei Schlafstörungen nur in wenigen Studien untersucht und vermutlich seien sie schwächer wirksam als die Benzodiazepine und Z-Substanzen.

Das einzige in Deutschland zur Insomnie-Behandlung zugelassene Antidepressivum ist Schmidtko zufolge Doxepin. Amitriptylin, Mirtazapin, Trazodon oder Trimipramin haben dafür keine Zulassung. »Weil Antidepressiva zur Insomnie-Behandlung in niedrigeren Dosen eingesetzt werden als zur Therapie von Depressionen, sind sie auch besser verträglich.« Bei Doxepin seien für Schlafstörungen 5 bis 50 mg ausreichend, bei einer Depression kämen zwischen 100 bis 300 mg zum Einsatz.

Ob der relativ neue Orexin-Rezeptorantagonist Daridorexant die Hoffnungen in ein ideales Schlafmittel erfüllen kann? Seit rund eineinhalb Jahren ist die neue Substanz in Deutschland auf dem Markt. Schmidtko zeigte sich erst mal zurückhaltend. Zwar verbesserte Daridorexant in klinischen Studien mit chronischen Insomniepatienten den Schlaf sowie die Leistungsfähigkeit am Tag im Vergleich zu Placebo und es gab keine Anzeichen für einen Missbrauch oder eine Abhängigkeit. Aber ob sich die guten Studienergebnisse auch in der Praxis abbilden ließen, bleibe abzuwarten. Seit Anfang des Monats März laufe ein neues Nutzenbewertungsverfahren, die Beschlussfassung sei für August 2024 angekündigt.

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