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Orale Rehydratation bei Durchfall
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Welche Osmolarität ist geeignet?

Bei Kindern kann Durchfall aufgrund des Flüssigkeitsverlustes schnell gefährlich werden. Daher sind orale Rehydratationslösungen eine zentrale Therapiemaßnahme. Das Evi-News-Team hat sich die Unterschiede in Osmolarität und Evidenz angesehen.
AutorKontaktDaniela Hüttemann
Datum 20.10.2026  08:00 Uhr

Die S2k-Leitlinie zur Therapie von akuter infektiöser Gastroenteritis im Säuglings-, Kindes- und Jugendalter empfiehlt, eine Glucose-Elektrolyt-Lösung (orale Rehydratationslösung) zu geben, wenn Anzeichen einer Dehydratation vorliegen. Dazu gehören

  • Durst,
  • Bewegungsmangel,
  • trockene Lippen und trockener Mund sowie
  • wenig Harndrang. 

Dann sollten Glucose-Elektrolyt-Lösungen nach den Dosierungsempfehlungen der jeweiligen Präparate angewendet werden, heißt es in der aktuellen Evi-News-Ausgabe.

Solche oralen Rehydratationslösungen fördern die Aufnahme von Wasser und Elektrolyten, indem Natrium und Glucose im Dünndarm gemeinsam über den Natrium-Glucose-Cotransporter (SGLT1) aufgenommen werden. Wichtig ist dabei ein geeignetes Verhältnis von Natrium und Glucose. Es stehen dafür Pulver zum Anmischen wie Oralpädon® und Elotrans® zur Verfügung. Sie unterscheiden sich in ihrer Osmolarität:

  • Oralpädon gilt mit 240 mosm/l als niedrig osmolar;
  • Elotrans hat eine höhere Osmolarität von 311 mosm/l.

Elotrans entspricht damit hinsichtlich der Osmolarität der früheren Standardrezeptur der Weltgesundheitsorganisation WHO. Sie sei von der WHO ursprünglich für alle Formen der akuten Diarrhö, insbesondere aber für Cholera mit hohen Natriumverlusten, eingeführt worden, erklärt Evi-News.

Seit 2003 empfehlen die WHO und UNICEF dagegen eine hypoosmolare Lösung mit 245 mosm/l, unter anderem, da sich so der Bedarf an intravenöser Rehydratation verringern lasse. Sie wird auch für Mitteleuropa empfohlen.

Niedrige versus Standard-Osmolarität

Das Evi-News-Team hat sich nun mit einer Metaanalyse aus dem Jahr 2024 beschäftigt, bei der die Wirksamkeit von niedrig osmolaren oralen Rehydratationslösungen (LORS) mit der Standard-ORS verglichen wurde. Bei den Heilungsraten innerhalb von fünf Tagen bei akutem Durchfall gab es demnach keinen statistisch signifikanten Unterschied. In drei Studien war dagegen die Gesamtdauer der Diarrhö mit LORS signifikant verkürzt. Zudem wurden eine geringere Stuhlausscheidung und eine reduzierte Einnahme von ORS beobachtet. Evi-News stuft die Evidenz aufgrund diverser Einschränkungen als begrenzt ein.

»Für die Apothekenpraxis bedeutet dies, dass niedrig osmolare orale Rehydratationslösungen als geeignete Maßnahme zur Behandlung leichter bis moderater Diarrhö bei Kindern empfohlen werden können und dass diese gegenüber Standard-ORS Vorteile hinsichtlich der Krankheitsdauer und des Flüssigkeitsbedarfs bieten könnten«, lautet das Fazit.

Grenzen der Selbstmedikation beachten

Wichtig für die Beratung sind wie immer die Grenzen der Selbstmedikation. Diese umfassen:

  • mehr als 24 Stunden anhaltende Beschwerden ohne Besserung (Säuglinge und Kleinkinder),
  • mehr als drei bis vier Tage anhaltende Beschwerden ohne Besserung (Erwachsene),
  • Fieber (> 39 °C),
  • Wechsel von Diarrhö und Obstipation,
  • Verdacht auf eine durch Arzneimittel bedingte Diarrhö,
  • Dehydratation mit Gewichtsverlust (> 5 Prozent),
  • immunsuppressive Grunderkrankung,
  • Verdacht auf Intoxikation oder schwere Infektionen durch Bakterien oder Viren beziehungsweise invasive Enteritis,
  • kolikartige Schmerzen, Krämpfe, schleimiger oder blutiger Stuhl sowie
  • Auslandsaufenthalt in einem Risikogebiet.

Dazu kann das Apothekenteam geeignete Verhaltens- und Hygienemaßnahmen empfehlen. Die gewohnte altersgerechte Ernährung sollte fortgeführt werden. Bei Erbrechen sollte die ORS in kleinen Mengen per Löffel oder Spritze oral verabreicht werden.

Ungeeignet zur Rehydratation sind Cola und andere koffeinhaltige Getränke und Limonaden, aber auch Fruchtsäfte. Probiotika werden nicht routinemäßig empfohlen, Gleiches gilt für tannin-, kohle- oder gelatinehaltige Durchfallmittel, da hier die Evidenz fehlt.

»Loperamid soll bei akuter infektiöser Gastroenteritis bei Säuglingen und Kindern aufgrund des schlechten Sicherheitsprofils nicht eingesetzt werden«, heißt es in der Leitlinie. Eine verschreibungspflichtige Alternative ist Racecadotril. Die orale Rehydratation bleibt immer die zentrale Therapiemaßnahme.

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