Patienten, die unter Long-Covid-Beschwerden litten, hatten im Rahmen einer Studie eine andere Mikrobiom-Zusammensetzung in Mund und Atemwegen als Patienten ohne Long-Covid-Beschwerden. / © Getty Images/STEVE GSCHMEISSNER/SCIENCE PHOTO LIBRARY
Forschende aus Großbritannien fanden deutliche Unterschiede zwischen den Mikrobiomen von Menschen mit und ohne ausgeprägte Long-Covid-Beschwerden. Besonders bei stark Betroffenen kamen bestimmte Bakterien häufiger vor, darunter solche, die Milchsäure produzieren.
Die Veränderungen hingen nicht nur mit Atemwegsbeschwerden zusammen. Sie standen auch mit Gedächtnis- und Konzentrationsproblemen sowie Magen-Darm-Beschwerden in Verbindung. Das ist bemerkenswert, weil Long Covid häufig mehrere Organsysteme gleichzeitig betrifft. Die Ergebnisse könnten deshalb neue Hinweise darauf liefern, welche biologischen Vorgänge bei der Erkrankung eine Rolle spielen.
Für die im »European Respiratory Journal« veröffentlichte Studie untersuchten die Forschenden 771 Menschen, die wegen Covid-19 im Krankenhaus behandelt worden waren. Sie analysierten die Bakteriengemeinschaften in Mund und Atemwegen und verglichen diese mit den später anhaltenden Beschwerden.
Die Untersuchung zeigt Zusammenhänge, kann aber nicht klären, was Ursache und was Folge ist. Möglicherweise tragen bestimmte Veränderungen des Mikrobioms zu Long Covid bei. Ebenso ist denkbar, dass die Erkrankung selbst oder andere Faktoren die Zusammensetzung der Bakterien beeinflussen.
Aus den Ergebnissen lassen sich bislang keine konkreten Behandlungsempfehlungen ableiten. Insbesondere ist nicht belegt, dass Probiotika oder Antibiotika die Beschwerden bei Long Covid verbessern, indem sie das Mikrobiom verändern.
Zudem wurden ausschließlich Menschen untersucht, die wegen ihrer akuten Corona-Infektion im Krankenhaus waren. Ob die Ergebnisse auch für Menschen gelten, die nur leicht an Covid-19 erkrankt waren und später Long Covid entwickelten, muss in weiteren Studien untersucht werden.