Ach, wie entspannend ist Kuscheln mit Mama! Frühzeitiger Haut-Haut-Kontakt stärkt nicht nur die Bindung, sondern auch das Mikrobiom des Neugeborenen. / © Getty Images/FatCamera
Feten haben noch keine eigene Mikrobiota. Das ändert sich mit dem Tag der Geburt: Aus der geschützten Umgebung der Gebärmutter wechselt das Baby in eine Welt, in der es von Bakterien nur so wimmelt. Rasch nach der Geburt besiedeln Mikroorganismen alle Körperoberflächen. Schon nach wenigen Tagen befinden sich im Darm zehnmal so viele Bakterien wie Zellen im ganzen Körper. Dabei sind die Art und Weise, wie das Baby das Licht der Welt erblickt, und die Ernährung in den ersten Lebensmonaten die bedeutendsten Einflussfaktoren auf die Stammzusammensetzung des Darmmikrobioms.
Bei einer vaginalen Entbindung hat das Baby beim Durchtritt durch den Geburtskanal direkten Kontakt mit Bakterien der Vaginal- und Darmflora der Mutter. »Die Babys verschlucken zum einen die Keime und diese landen dann in deren Darm, zum anderen bleiben sie beim Geburtsvorgang an der Haut hängen. Laktobazillen, Bifidobakterien sowie Bakterien der Gattungen Bacteroides und Escherichia sind dann die Erstbesiedler der Haut und des Darms. Das sind sozusagen die perfekten Starterkulturen«, erklärt Professorin Dr. Michaela Axt-Gadermann, Mikrobiomspezialistin an der Hochschule Coburg, im Gespräch mit PTA-Forum.
Kommen Kinder per Kaiserschnitt zur Welt, fehlt der Kontakt zum mütterlichen Vaginal- und Darmmikrobiom. »Das heißt, dass die ersten Mikroorganismen, die auf der Haut und im Darm des Babys landen, zwar vom ersten Hautkontakt mit der Mutter stammen – aber eben auch von Instrumenten und aus der Umwelt. Das sind vor allem Streptococcus, Staphylococcus und Enterobakterien. Das kindliche Mikrobiom entwickelt sich dann nur verzögert und weniger divers, weil es in der Frühphase anders gelenkt wird.«
Diese Unterschiede im Mikrobiom im Vergleich zu vaginal geborenen Kindern ließen sich zwar bis zum dritten Lebensjahr angleichen, weiß die Expertin. Sie gibt jedoch zu bedenken, dass die Grundlagen für die spätere Gesundheit bereits in der Neugeborenen- und Säuglingsphase gelegt werden. Inzwischen gilt als belegt, dass die Zusammensetzung des Darmmikrobioms das Erkrankungsrisiko des Kindes für Asthma, Allergien, Adipositas und Autoimmunerkrankungen mitbestimmt.