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Darm-Hirn-Achse
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Wie Bauch und Kopf kommunizieren

Eine gute Kommunikation ist nicht nur von Mensch zu Mensch hilfreich, um etwa Fehler bei Arbeitsabläufen zu vermeiden. Im Körper kann die Verständigung zwischen Darm und Gehirn über Gesundheit und Krankheit entscheiden.
AutorKontaktBarbara Döring
Datum 07.07.2026  08:00 Uhr
Wie Bauch und Kopf kommunizieren

Wer ist hier eigentlich der Boss? Das Gehirn, das als zentrale Schaltstelle die Körperfunktionen regelt und über das mentale Befinden bestimmt? Oder ist nicht doch der Bauch der geheime Herrscher über das Wohlbefinden und die Gesundheit? Seit der Darm mit seinem Mikrobiom stärker in den Fokus der Wissenschaft gerückt ist, zeigt sich immer deutlicher, dass im menschlichen Körper nicht nur einer das Sagen hat. Vielmehr sind Darm und Gehirn in ständigem Austausch, wobei sich Signale von oben nach unten auf die Verdauung auswirken und andererseits die Kommunikation vom Darm zum Gehirn die Psyche beeinflusst.

Die Rede ist von der Darm-Hirn-Achse, die mithilfe von neuronaler, hormoneller und immunologischer Signalwege für regelmäßigen Austausch sorgt. Die von Darmbakterien produzierten Stoffwechselprodukte spielen dabei eine wichtige Rolle. Dabei regulieren Gehirn und Darm über ihren Austausch nicht nur die Verdauungstätigkeit und Sättigung. Ihre Kommunikation beeinflusst auch, wie gut der Stoffwechsel reguliert und etwa Stress verarbeitet wird.

Wechselseitiger Austausch

Die Kommunikation funktioniert dabei einerseits über Nerven, die Gehirn und Darm verbinden, sowie Botenstoffe wie kurzkettige Fettsäuren, Darmhormone und Neurotransmitter, die beide Organe über die Blutbahn austauschen. Eine entscheidende Rolle spielt dabei der Vagusnerv, dessen afferente Neuronen Informationen vom Magen-Darm-Trakt zum Gehirn senden. Sie registrieren mechanische Veränderungen wie die Dehnung des Magens und registrieren chemische Signale wie Hormone, die im Darm freigesetzt werden. Dagegen transportieren efferente Neuronen des Vagusnervs Informationen hin zu den Organen.

Untersuchungen zeigen, dass Gehirn und Bauch sich so nicht nur regelmäßig auf dem Laufenden halten, sondern auch gegenseitig beeinflussen. Auf diese Weise sind Darmbakterien offenbar auch für Gefühle und kognitive Fähigkeiten mitverantwortlich. Das funktioniert etwa, indem manche Darmbakterien die Produktion von Serotonin durch Zellen der Darmschleimhaut beeinflussen. Andere Bakterien regen die Darmzellen an, das Hormon Oxytocin zu bilden, das sich positiv auf das Sozialverhalten auswirkt. Bei einer Störung des Mikrobioms können wiederum Bakterien überhandnehmen, die entzündungsfördernde Stoffe bilden, die Depressionen und Ängste fördern können.

Tatsächlich fanden Forschende vom Medical Center in Dallas, dass Patienten mit psychiatrischen Störungen, neurologischen Erkrankungen oder Stoffwechselstörungen im Vergleich zu Gesunden häufiger Unterschiede in der Zusammensetzung und Funktion des Mikrobioms aufweisen. Inzwischen gibt es Hinweise, dass die Zusammensetzung des Mikrobioms auch mit Alzheimer, Parkinson oder Autismus in Verbindung steht. So zeigen Untersuchungen, dass sich die Bakteriengemeinschaft im Darm von Parkinson-Patienten deutlich vom Mikrobiom gesunder Personen unterscheidet.

Zudem konnte gezeigt werden, dass Menschen mit chronischen Erkrankungen des Magen-Darm-Trakts ein höheres Risiko für psychische Erkrankungen haben. Dabei spielt sicherlich die Krankheitslast eine Rolle. Untersuchungen lassen jedoch vermuten, dass es direkte biologische Mechanismen gibt. Menschen mit einer psychischen Erkrankung sind wiederum häufiger von Magen-Darm-Erkrankungen betroffen. Inwieweit es sich dabei um kausale Zusammenhänge handelt, ist noch unklar. Auch beim Reizdarmsyndrom scheint die Kommunikation über die Darm-Hirn-Achse gestört zu sein. Das Mikrobiom könnte daran beteiligt sein. 

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