| Barbara Döring |
| 10.03.2026 12:00 Uhr |
In Phasen der hormonellen Umstellung wie der Pubertät verändert sich der Bedarf an Insulin. / © Adobe Stock/Kay Abrahams/peopleimages.com
Manchmal läuft alles rund, dann wieder scheint der Blutzuckerspiegel verrückt zu spielen und lässt sich nur schwer kontrollieren. Vor allem Frauen mit Typ-1-Diabetes sind damit in den verschiedenen Phasen des hormonellen Umbruchs immer mal wieder konfrontiert. Oft geben sie sich für die unzureichende Stoffwechseleinstellung selbst die Schuld, weil sie glauben, die Erkrankung nicht im Griff zu haben. Dass schwankende Konzentrationen der Geschlechtshormone die Ursache sein können, ist zwar schon länger bekannt, wird in der Therapie jedoch nicht immer ausreichend berücksichtigt.
Geschlechtshormone sind nicht nur für die Reproduktion zuständig, sondern auch an der Regulierung der Pankreashormone Insulin und Glucagon und somit an der Stoffwechseleinstellung beteiligt. So gibt es nicht nur auf den Geschlechtsorganen Rezeptoren für Sexualhormone, sondern auch in verschiedenen Bereichen des Gehirns. Der Hypothalamus, die zentrale Steuerungszentrale für den Energiestoffwechsel, ist damit ausgestattet. Auch das Belohnungszentrum, eine wichtige Schnittstelle zwischen Hormonen und Stoffwechsel, reagiert sowohl auf Insulin als auch auf Estrogen und Testosteron.
Der Einfluss der Geschlechtshormone auf den Zuckerstoffwechsel macht sich beim Typ-1-Diabetes besonders in der Pubertät bemerkbar: Wenn der Körper ab dem zehnten Lebensjahr bei Mädchen vermehrt Estrogen und bei Jungen zunehmend Testosteron ausschüttet, verringert sich die Insulinempfindlichkeit und führt zu einem erhöhten Insulinbedarf.
Erschwerend kommt hinzu, dass der Körper die Geschlechtshormone in der Pubertät nicht kontinuierlich ausschüttet, sondern in schwankenden Konzentrationen, also pulsatil. In der Folge kommt es verstärkt zu Blutzuckerschwankungen. Das Basalinsulin kann in Rücksprache mit dem Diabetologen in der Pubertät um wenige Einheiten erhöht werden. Auch das schnell wirksame Bolus- oder Mahlzeiteninsulin muss in der Pubertät eventuell angepasst werden.