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Dicke Luft
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Wie Arzneimittel zur Luftverschmutzung beitragen

Über Millionen Jahre ist die Zusammensetzung der Luft annähernd gleich geblieben. Seit der industriellen Revolution jedoch stören die anthropogenen Einträge von Gasen wie Kohlenstoffdioxid, Fluorchlorkohlenwasserstoffen (FCKW), Schwefel- und Stickstoffoxiden zunehmend das empfindliche Gleichgewicht. Nach reichlich 150 Jahren spürt die Menschheit die Auswirkungen. Wahrscheinlich tragen auch Arzneimittel ihren Teil bei.
AutorKontaktEdith Schettler
Datum 05.09.2022  12:00 Uhr

Hohes Risiko

Die Luftverschmutzung stellt ein hohes Gesundheitsrisiko dar. Die Europäische Umweltagentur schätzt, dass saubere Luft im Jahr 2019 in Europa mindestens 178.000 Menschen das Leben hätte retten können. Die Grenzwerte der Weltgesundheitsorganisation (WHO) für Luftqualität konnte im vergangenen Jahr kein einziges Land einhalten. Lediglich 3,4 Prozent der untersuchten Städte erfüllten die Norm. Die globalen Luftgüteleitlinien der WHO berücksichtigen die klassischen Schadstoffe Feinstaub, Ozon, Stickstoffdioxid, Schwefeldioxid und Kohlenmonoxid.

Jedes industriell produzierte und bis zum Endverbraucher transportierte Arzneimittel trägt mit allen diesen Stoffen zur Luftverschmutzung bei. Diese Emissionen durch Herstellung und Distribution lassen sich natürlich nicht ausschließen. Allerdings ist es nicht unerheblich, in welchem Land die Produktion stattfindet, wie hoch die Umweltstandards dort sind und wie weit der Weg bis zum Patienten ist. Den überwiegenden Teil der in deutschen Apotheken abgegebenen Arzneimittel produzieren Firmen in Indien und China, zumindest aber die Wirkstoffe. Diese werden von Asien nach Europa transportiert, wo sie zu Bulkware verarbeitet werden.

Die Verpackungen für die einzelnen Arzneimittel kommen auch aus Asien oder aus anderen europäischen Ländern. Die Konfektionierung erfolgt dann am nächsten Standort, sodass das Arzneimittel während seiner Herstellung im ungünstigsten Fall mehrmals zwischen Europa und Asien hin- und herpendelt, was mehrere Monate in Anspruch nimmt. Die Endfreigabe muss aus rechtlichen Gründen in Europa erfolgen. Das fertige Medikament hat dann mitunter bereits eine Reise von 10.000 Kilometern hinter sich. Trotzdem ist das Ganze immer noch billiger als die Produktion in Deutschland. Die sogenannte Roland-Berger-Studie aus dem Jahr 2018 hat ergeben, dass die Rückholung der Produktion nach Deutschland durch hohe Kosten für die Errichtung der Produktionsstätten, regulatorische Anforderungen und hohe Arbeitskosten zu enormen finanziellen Verlusten für die Hersteller führen würde.

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