Im Hinblick auf die Entwicklung von Impfstoffen gegen verschiedene Ebolavirus-Spezies offenbaren sich Versäumnisse. Es sind keine Impfdosen und Therapeutika für den Bundibugyo-Erreger vorhanden. / © Getty Images/dk_photos
Gegen das Ebolavirus listet das Paul-Ehrlich-Institut (PEI) auf seiner Webseite drei Impfstoffe auf. Das Problem: Sie alle richten sich gegen den sogenannten Ebola-Erreger (EBOV) – ehemals Zaire genannt – der Gattung Ebolavirus. Weitere Impfstoffe, etwa gegen das Sudan-Ebolavirus (SUDV), »befinden sich derzeit in unterschiedlichen Phasen der Entwicklung und werden zum Teil im Rahmen von klinischen Studien eingesetzt«, schreibt das Robert-Koch-Institut (RKI) auf seiner Website.
Allerdings sind laut RKI neben den beiden genannten noch zwei weitere Ebola-Arten bekannt, die für Menschen gefährlich sind: Taï Forest und vor allem der Erreger hinter dem aktuellen Ausbruch, Bundibugyo (BDBV).
Alle Impfstoffe gegen das Bundibugyo-Virus seien noch im präklinischen Stadium, sagt César Muñoz-Fontela vom Hamburger Bernhard-Nocht-Institut für Tropenmedizin (BNITM). Das heißt: Keiner wurde bisher an Menschen erprobt, auch nicht – wie sonst anfangs üblich – in Bezug auf die Sicherheit, also in einer kleineren Phase-1-Studie.
Damit nicht genug: Es gibt auch kein Reservoir an BDBV-Impfstoffdosen, die man nun in Bezug auf Sicherheit und anschließend auch hinsichtlich der Schutzwirkung im Menschen testen könnte. Die Herstellung einer ausreichenden Menge an Impfstoffdosen würde – selbst wenn sie sofort beginnen könnte – Wochen bis Monate dauern, sagt Marylyn Martina Addo vom Hamburger Universitätsklinikum Eppendorf (UKE).
Nach der großen EBOV-Epidemie in Westafrika 2014/2015 mit mehr als 11.000 Toten hatten Fachleute eigentlich darauf gedrängt, Impfstoffe gegen alle gefährlichen Ebola-Arten auf ihre Sicherheit zu testen und dann in ausreichender Menge zu produzieren, um sie bei einer Epidemie einsetzen zu können. »Hätten wir das vor zehn Jahren mit priorisierten finanziellen Ressourcen schon machen können«, sagt Addo, »wären wir jetzt vorbereitet gewesen«.
»Wir müssen Impfdosen und Therapeutika herstellen, die zumindest für klinische Studien bereitstehen«, betont Muñoz-Fontela. »Und diese Strategie muss vor einem Ausbruch umgesetzt werden, nicht erst nach einem Ausbruch.« Doch jenseits von akuten Epidemien gebe es wenig Interesse an solchen Erkrankungen, bemängelt der Experte.