| Isabel Weinert |
| 05.10.2026 10:00 Uhr |
Hohe Blutzuckerwerte steigern massiv die Harnausscheidung und den Durst. / © Getty Images/Martins Rudzitis
In einer Pressemitteilung schreibt das Helmholtz-Zentrum, dass das im Fachjournal »Diabetologia« veröffentlichte Konsensuspapier aufzeigt, in welchem Alter jedes Kind untersucht werden sollte und wie durch aufeinanderfolgende Tests schrittweise eine sichere Diagnose möglich sei. Solch ein Vorgehen kann schwere Entgleisungen des Stoffwechsels verhindern und eine frühzeitige Therapie ermöglichen. Damit besteht die Chance auf einen milderen Verlauf der Krankheit. Betroffene müssten zudem nicht zwingend im Krankenhaus mit der Insulintherapie beginnen, wenn diese rechtzeitig einsetzt und die Familien vorab bereits gut geschult werden konnten. Dann ist sogar ein ambulanter Therapiestart möglich.
Weil die Annahme, Typ-1-Diabetes sei in allererster Linie erblich, falsch ist und die Krankheit im Gegenteil sogar in 85 Prozent der Fälle bei Menschen ohne familiäre Vorbelastung ausbricht, reicht es aus Sicht der Forschenden nicht, nur in Risikofamilien zu screenen.
Das Screening soll laut Konsensuspapier zwischen dem 2. und 4. Lebensjahr beginnen. Findet man dabei keine Autoantikörper gegen die insulinproduzierenden Zellen der Bauchspeicheldrüse, wird es zwischen dem 6. und 8. sowie dem 10. bis 15. Lebensjahr wiederholt. Die Zeiträume sind nicht zufällig gewählt, sondern beruhen auf der Erkenntnis, dass Inselautoantikörper besonders dann häufig auftreten.
Ein positiver Screeningtest zieht hochspezifische Second-Line-Tests und eine zweite Blutprobe nach sich. Die Direktorin des Instituts für Diabetesforschung bei Helmholtz Munich und Erstautorin des Konsensuspapiers sagt in der Pressemitteilung: »Mit dem internationalen Konsensus haben wir eine gemeinsame Grundlage dafür geschaffen, wie ein bevölkerungsweites Screening auf Typ-1-Diabetes praktisch umgesetzt werden kann. Die konkrete Ausgestaltung des Screenings sollte an die jeweiligen Gesundheitssysteme angepasst und möglichst mit bestehenden Screeningangeboten verknüpft werden.« Die ausgearbeiteten Empfehlungen treffen international auf breite Unterstützung.