| Isabel Weinert |
| 12.02.2026 08:00 Uhr |
Für junge Menschen gibt es in aller Regel keine Indikation, die den Einsatz von Testosteron rechtfertigen würde. / © Adobe Stock/ty
Testosteron ist ein Schlüsselhormon für zahlreiche Stoffwechselprozesse, angefangen bei Libido und Energie hin zu Muskelmasse, Knochendichte, psychischer Balance und einem Schutz vor Entzündungen. Mangelt es einem Mann daran, zeigt sich das in Müdigkeit und fehlendem Antrieb, die Muskelmasse nimmt ab, das Bauchfett zu, die Spermienproduktion lässt nach, ebenso die sexuelle Lust.
Doch es kann nicht nur Männer treffen, auch Frauen brauchen und produzieren das Hormon. Hier sorgen in erster Linie die Wechseljahre dafür, dass Testosteron bei Frauen womöglich zu stark absinkt. Bei Männern unterscheiden Mediziner einen primären von einem sekundären Testosteronmangel, der fachsprachlich Hypogonadismus heißt. Bei der primären Form sorgt ein Tumor in den Hoden oder sorgen Verletzungen dafür, dass zu wenig Testosteron gebildet werden kann. Anders bei der sekundären Variante. Hier resultiert der Mangel aus einer Fehlsteuerung im Gehirn. Ursächlich kommen dann Tumoren und Schädelverletzungen infrage. Weil beides nicht so häufig vorkommt, macht die sekundäre Form lediglich maximal 5 Prozent aller Fälle von Hypogonadismus aus.
Ein unguter Lebensstil führt in vielen Fällen zum sogenannten funktionellen Hypogonadismus. Adipositas, hoher Blutdruck und Typ-2-Diabetes senken die Testosteronproduktion deutlich, verglichen alleine mit der altersbedingten Abnahme. Häufig zeigen sich diese Erkrankungen ab der Lebensmitte. Für sich genommen verursachen sie schon zahlreiche Symptome. Ob einige davon auch durch einen zu geringen Testosteronspiegel bedingt sind, lässt sich mithilfe eines Bluttests feststellen. Dabei liegt der international akzeptierte Normalbereich bei Männern bei einem Gesamttestosteron (tT) von >12,1 nmol/l und von freiem Testosteron (fT) bei 243 pmol/l. Diagnostiziert der Arzt einen ausgeprägten Mangel am Sexualhormon, kann er Testosteron verordnen. Die Rede ist dann von der Testosteronersatztherapie (TRT). Allerdings sollten Werte <8 nmol/l eine weiterführende Diagnostik nach sich ziehen, um andere Erkrankungen auszuschließen.