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Senioren und Immungeschwächte
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Auffrischungsimpfung gegen Corona schon im Herbst?

Jetzt schon an später denken – das fordern Experten mit Blick auf die sich ausbreitende Delta-Variante. Um den Schutz älterer und immungeschwächter Menschen vor Covid-19 sicherzustellen, könnte die erste Auffrischungsimpfung, und damit bei vielen die dritte Corona-Impfung, bereits im zweiten Halbjahr 2021 erforderlich werden. Patientenschützer vermissen Initiativen der Politik.
AutorKontaktdpa
Datum 29.06.2021  14:00 Uhr

Bestehende Impfstoffe nutzen

Für Booster müsste man das Rad wahrscheinlich gar nicht neu erfinden. Sander geht davon aus, dass eine dritte Impfung mit bekannten und hier zugelassenen Impfstoffen einen sehr guten Auffrischungseffekt haben werde. »Es kann sein, dass bestimmte Kombinationen dann noch einmal einen Vorteil bringen.« Vermutlich werde man die Vektorimpfstoffe wie den von Astrazeneca nach zweimaliger Impfung nicht noch ein drittes Mal geben. »Denn es baut sich auch eine sogenannte Vektor-Immunität auf, die die Impfwirkung abschwächt. Ich glaube, dass wir hier dann mit einem mRNA-Impfstoff wie Biontech/Pfizer oder Moderna kommen sollten.« Und auch umgekehrt. Die besten Kombinationen müssten aber noch in Studien gezeigt werden.

Booster-Impfungen kämen häufig auch mit rund der Hälfte der Dosis aus. Drohende JoJo-Effekte in Alten- und Pflegeheimen haben für Sander aber nicht nur mit dem Lebensalter der Bewohner zu tun. Es gehe auch um ihr Umfeld: Sind Pflegepersonal und alle Besucher wirklich komplett durchgeimpft? »Denn das sind meist die Wege, auf denen das Virus in Alten- und Pflegeeinrichtungen gelangt.« Wer über 80 ist, noch allein wohnt und nicht internetaffin, ist möglicherweise auch noch gar nicht geimpft. »Aber da schließen jetzt hoffentlich die Hausärzte die Impflücken«, sagt Sander.

Für eine Update-Impfung ist nach Sanders Kenntnis eine Zulassung bei der europäischen Arzneimittelbehörde EMA notwendig. Dafür reichten aber kleinere Studien, um die bestehende Zulassung für einen Impfstoff zu erweitern. Verteilungskämpfe befürchtet er nicht. »Ich denke, es wird über die Erst- und Zweitimpfungen hinaus im Herbst Impfstoff-Reserven geben. Die Auffrischung würde dann parallel zum Lückenschließen bei den Erst- und Zweitimpfungen laufen.«

Mobile Impfteams könnten helfen

Für Brysch würden massenhafte Auffrischungsimpfungen in Heimen nur mit mobilen Impfteams wie am Anfang des Jahres funktionieren. »Heimleiter und Hausärzte wären damit überfordert«, urteilt er. Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) sieht das ähnlich. Es sei wichtig, dass die mobilen Teams für weitere Impfangebote im Herbst und Winter in Vorbereitung blieben, sagte er am Freitag. Brysch hält auch den Begriff »Kokon-Immunität«, die durch eine durchgeimpfte Umgebung von Heimbewohnern bestehen soll, für ein Märchen. »Nach meiner Kenntnis sind die Impfraten unter pflegenden Angehörigen weitaus höher als die beim Pflegepersonal in Heimen.«

 

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