Blutsauger-Abwehr |
| 20.06.2016 10:28 Uhr |
Von Elke Wolf / Eine Expositionsprophylaxe mit einem Repellent sollte sich je nach Ort und Person unterscheiden. Geht es darum, hierzulande lästige Insektenstiche abzuwehren, muss das Repellent in erster Linie unbedenklich sein. Zum Schutz vor Malaria oder Dengue-Fieber braucht man dagegen vor allem eine hohe Wirksamkeit und lange Wirkdauer.
Repellentien (lat. repellere: abhalten, zurücktreiben) sind Substanzen, die Insekten und/oder Zecken von der Haut fernhalten. Insektizide töten Insekten im Gegensatz dazu durch direkten Kontakt ab. Repellentien bilden durch Verdampfen auf der Haut eine wenige Millimeter dicke Schutzhülle. Diese stört den Geruchssinn der Tiere beziehungsweise maskiert den Eigengeruch des potenziellen Wirts, damit die Blutsauger das Zielobjekt nicht mehr orten können. Allerdings bietet der Duftmantel nur Schutz auf Zeit, da er sich nach und nach verflüchtigt.
Schutz auf Zeit
Die verschiedenen Präparate wehren Insekten je nach Inhaltsstoff und Dosis unterschiedlich lange ab. In der Regel wirken sie länger gegen Mücken als gegen Zecken. Allerdings kann die postulierte Wirkdauer individuell variieren und stellt nur einen Anhaltspunkt dar. Da jeder Mensch Körpergerüche in unterschiedlicher Konzentration und Zusammensetzung aussendet, ist die Wirksamkeit eines Repellents von Mensch zu Mensch unterschiedlich. Auch machen starkes Schwitzen, hohe Luftfeuchtigkeit oder Abrieb das Repellent schneller unwirksam. Erneutes Auftragen hält die Schutzwirkung aufrecht.
Repellentien enthalten entweder chemisch definierte Substanzen oder Pflanzenextrakte mit ätherischen Ölen beziehungsweise Kokosöle. Eine Sonderstellung nehmen Pyrethroide wie Permethrin und Allethrin ein. Diese Insektizide mit neurotoxischem Wirkmechanismus haben auch eine gewisse Repellentwirkung. Auch Neemöl, gewonnen aus den Früchten des Neem-Baumes, wirkt gleichzeitig repellierend und insektizid.
Zahlreiche ätherische Öle aus Pflanzen unterschiedlicher Familien haben eine abwehrende Wirkung auf Insekten, etwa die Öle aus Zitroneneukalyptus, Nelken, Teebaum oder Zitronellagras. Der Ölextrakt Citriodiol® aus den Blättern des Zitroneneukalyptus beziehungsweise die auch synthetisch hergestellte Wirksubstanz PMD (Para-Methan-3,8-diol, wie in Soventol® Protect, Anti Brumm® Naturel, Taoasis® Mückenstopp) scheint die beste Wirksamkeit zu haben. PMD gilt als eines der wirksamsten natürlichen Mittel. Es erzielt eine etwa gleiche gute Schutzwirkung gegen Insekten wie hohe Konzentrationen von DEET.
Ansonsten gilt: Natürliche Repellentien wirken nur kurz (manchmal weniger als eine Stunde) und haben ein eingeschränktes Wirkspektrum, so sind sie etwa machtlos gegen Zecken oder Anopheles-Mücken. Die Präparate mit pflanzlichen Wirkstoffen sind auch nicht besser verträglich als synthetische Zubereitungen. Einige ätherische Öle haben ein allergenes Potenzial, manche können die Haut lichtempfindlich machen – erst recht in Kombination mit Sonnenlicht – oder die Schleimhäute reizen. Pflanzliche Repellents dienen deshalb allenfalls als kurzfristige Alternative zu den chemischen Substanzen.
Synthetischin den Tropen
Der Gesundheitsdienst des Auswärtigen Amtes sowie die Deutsche Gesellschaft für Tropenmedizin empfehlen Reisenden in tropische Länder synthetische Mittel, allen voran DEET (Diethyltoluamid) und Icaridin. Ethylbutylacetylaminopropionat (EBAAP, Insect Repellent (IR) 3535) sowie DMP (Dimethylphthalat, oft in Kombination mit DEET) sind schwächer und kürzer wirksam als die beiden erstgenannten Substanzen.
Reisende sollten sich erkundigen, welche Repellentien am Urlaubsort empfohlen werden. Häufig sind andere Substanzen dort wirksamer. Zum Beispiel sprechen DEET und Icaridin kaum auf die Sandfliegen in Neuseeland oder die Mücken in Schweden an.
DEET (wie in Anti Brumm® forte, Nobite® Hautspray, Azaron® before, Jaico®) ist Mittel der Wahl für den Einsatz in den Tropen und wird von der Weltgesundheitsorganisation WHO als Goldstandard empfohlen. Es wehrt Mücken, Moskitos und Bremsen zuverlässig ab. Die Schutzwirkung gegen Zecken ist dagegen unbefriedigend, weil sie nur zwei bis vier Stunden anhält. Gegen Bienen, Wespen, Hummeln und Hornissen wirkt DEET schwach bis gar nicht.
Die Wirksamkeit DEET-haltiger Mittel ist stark von ihrer Konzentration abhängig. So schützen sie in einer Konzentration von 5 Prozent etwa zwei Stunden, bei 15 Prozent rund fünf Stunden und bei 30 Prozent maximal sechs Stunden vor Stechmücken. Die maximale Wirksamkeit wird bei etwa 50 Prozent erreicht. Höhere Konzentrationen sind deshalb nicht sinnvoll. Vielmehr kommen dann unerwünschte Eigenschaften zum Tragen, wie lokale Haut- und Schleimhautreaktionen sowie selten neurotoxische Effekte.
Daher sollte man DEET-haltige Präparate nicht großflächig auftragen. Auch sollte es weder in der Schwangerschaft und Stillzeit noch bei Säuglingen und Kleinkindern zum Einsatz kommen. Ab einem Alter von drei Jahren kann es eingesetzt werden, sollte aber sparsam dosiert werden. Die vom Hersteller empfohlenen Altersangaben für Kinder variieren bei den verschiedenen Präparaten aufgrund unterschiedlicher Konzentrationen. Zu beachten ist, dass die Substanz Kunststoffe wie in Sonnenbrillen, Handys oder Uhren angreift. Vorsicht auch bei gleichzeitiger Anwendung eines Sonnenschutzmittels: Dann steigt die Resorption von DEET deutlich an, während der Schutz gegen UV-Strahlung abnimmt. Von einer fixen Kombination aus DEET und eines Lichtschutzfaktors ist deshalb abzuraten.
Der zweite von der WHO empfohlene Wirkstoff ist Icaridin (Bayrepel®, wie in Autan® Protection Plus Pumpspray, Anti Brumm® sensitive, Nobite® sensitive, Parazeet® Spray). Hinsichtlich Wirkspektrum und -dauer ist es mit DEET vergleichbar, bei einigen Ektoparasiten sogar wirksamer, so gegen Zecken. 20-prozentige Zubereitungen schützen zuverlässig bis zu acht Stunden vor Blutsaugern. Icaridin ist besser verträglich als DEET, außerdem greift es keine Kunststoffe an. Toxikologische Untersuchungen haben keine Vorbehalte gegen seine Anwendung in Schwangerschaft und Stillzeit ergeben. Es kann schon bei Kindern ab zwei Jahren verwendet werden.
Möglichst lückenlos
Repellentien gibt es in unterschiedlichen Darreichungsformen. Sprays und Aerosole lassen sich gut an schwer zugänglichen Stellen auftragen, sollten aber nicht in geschlossenen Räumen angewandt werden. Lotionen, Cremes und Gele lassen sich zwar gut über eine größere Körperoberfläche verteilen, aber da sie mit der Hand aufgebracht werden, besteht die Gefahr, dass Augen oder Schleimhäute mit dem Wirkstoff in Berührung kommen. Diesen Nachteil umgeht man mit Stiften, die jedoch nicht für größere Flächen geeignet sind.
Mückenbänder fürs Handgelenk, die mit Repellentien imprägniert sind, bieten keinen flächendeckenden Schutz. Auch die Wirkung von Geräten, die UV-Licht oder Ultraschallwellen aussenden, sowie von Gartenfackeln oder Repellent-Lampen ist anzuzweifeln.
Eine sinnvolle zusätzliche Schutzmaßnahme in den Tropen ist die Verwendung von Insektiziden in Form von Sprays, Räucherspiralen oder Verdampfern. Sie enthalten meist Pyrethroide. Um effektiv sein zu können, muss sich in der Raumluft erst eine wirksame Konzentration aufbauen, was bis zu einer Stunde dauern kann. Bei sachgerechter Anwendung sollen für den Menschen keine gesundheitsschädigenden Konzentrationen in der Raumluft entstehen. Dennoch könnten sie bei empfindlichen Personen die Atemwege, Schleimhäute und Haut reizen. /