Am bekanntesten sind Streptokokken als Auslöser von Scharlach. Sie können jedoch noch weit mehr Schaden anrichten. / © Getty Images/Dr_Microbe
Kaum eine Bakteriengattung begegnet uns im Alltag so häufig wie Streptokokken. Einerseits verursachen sie ein breites Spektrum von Erkrankungen – von der banalen Halsentzündung bis zu einer lebensbedrohlichen Blutvergiftung. Andererseits gehören sie bei den meisten Menschen zur normalen Schleimhautflora. Und obwohl die Gattung weit über 100 Arten umfasst, ist es oft ein und dieselbe Spezies, die gleichzeitig harmloser Mitbewohner und ernstzunehmender Infektionserreger sein kann.
Allen Streptokokken-Arten gemein ist das äußere Erscheinungsbild, das sich unter dem Mikroskop offenbart: Es handelt sich um kugelige Bakterien, die sich typischerweise in Ketten oder Paaren anordnen. Daher auch der Name: Das altgriechische »Streptos« bedeutet kettenförmig, »Kokkus« Körnchen oder Kugel. Zur Klassifizierung nutzen Mikrobiologen unter anderem die Fähigkeit der Bakterien, rote Blutkörperchen aufzulösen. Sichtbar wird das bei der Anzucht auf Blutagarplatten.
Viele wichtige Krankheitserreger finden sich in der Gruppe der beta-hämolysierenden Streptokokken, die Hämoglobin vollständig abbauen und helle Höfe im Blutagar bilden. Alpha-hämolysierende Streptokokken können den Blutfarbstoff nur in eine andere, meist grünlich gefärbte Form umwandeln. Dazu gehören beispielsweise Erreger von Lungenentzündungen oder Karies. Streptokokken, die nicht zur Hämolyse fähig sind, bezeichnen Fachleute als gamma-hämolysierend. Sie sind in der Regel harmlos.
Als medizinisch bedeutendster Vertreter der Gattung gilt Streptococcus (S.) pyogenes. Eine andere Bezeichnung für die beta-hämolysierende Art lautet A-Streptokokken. Dies geht auf die sogenannte Lancefield-Klassifizierung zurück, die nach spezifischen Antigenen in der Zellwand unterscheidet (Gruppe A-H und K-V). Ob die Spezies zum Krankheitserreger wird, hängt maßgeblich von sogenannten Virulenzgenen in ihrem Erbmaterial ab. Diese bestimmen einerseits, wie leicht das Bakterium in gesundes Gewebe eindringen kann und beeinflussen andererseits die körpereigene Immunreaktion auf die Angreifer. Einige produzieren beispielsweise eine Art Tarnkappe aus Hyaluronsäure, die sie für die Abwehrzellen quasi unsichtbar macht.
Pharyngitis (Rachenentzündung, auch Angina genannt) zählt zu den häufigsten bakteriellen Erkrankungen von Kindern. / © Adobe Stock/ajlatan
Ein weiterer wichtiger Virulenzfaktor ist das sogenannte M-Protein in der Zellwand, das in mindestens 100 Varianten vorkommt. Es verhindert, dass sich die Fresszellen des Immunsystems das Bakterium einverleiben (Phagozytose). Einige A-Streptokokken schütten darüber hinaus Toxine aus, die Gewebe zerstören oder übermäßig starke Entzündungsreaktionen auslösen können.
Die durch S. pyogenes ausgelöste Pharyngitis (Rachenentzündung, auch Angina genannt) zählt zu den häufigsten bakteriellen Erkrankungen von Kindern. Sie tritt meist im Alter zwischen sechs und zwölf Jahren und vor allem in den Wintermonaten auf. Typische Symptome sind Halsschmerzen, Schluckbeschwerden, Fieber und geschwollene Halslymphknoten. Manchmal sind auch die Mandeln entzündet und eitrig belegt (Tonsillitis).