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Gerinnungshemmer
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Blutverdünnung als Balanceakt

Es gibt gute Gründe, medikamentös in die Gerinnung einzugreifen: um etwa eine Thrombose zu verhindern oder zu therapieren, Komplikationen in der Schwangerschaft vorzubeugen oder zur Schlaganfall- oder Herzinfarktprophylaxe. Für PTA-Forum der Anlass, die gängigsten Arzneistoffe genauer zu beleuchten.
AutorKontaktCarolin Antropov
Datum 23.04.2021  16:00 Uhr

Eingriff in die Gerinnung

Im Gegensatz dazu greifen Antikoagulanzien nicht an Thrombozyten, sondern in die Gerinnungskaskade ein. Das tun sie, indem sie:

  • direkt die Gerinnungsfaktoren blockieren, wie die modernen direkten oralen Antikoagulanzien (DOAKs/NOAKs)
  • wie Cumarine ihre Synthese unterbinden
  • oder wie Heparine den gerinnungshemmenden Stoff Antithrombin aktivieren.

Heparine sind große, negativ geladene Ketten aus Aminozuckern unterschiedlicher Größe. Entscheidend für ihre Gerinnungshemmung ist ein Pentasaccharid-Grundgerüst. Es beschleunigt die Wirkung vom körpereigenen Antithrombin um das 1000-Fache, sodass Heparin effektiv den Gerinnungsfaktor Xa und je nach Kettenlänge zusätzlich Faktor IIa hemmt. Naives Heparin wird aus Darmmukosa von Schweinen gewonnen. Durch chemische oder enzymatische Spaltung und Fraktionierung entstehen die niedermolekularen Heparine wie Dalteparin (wie Fragmin®), Enoxaparin (wie Clexane®, Hepaxane®) und Certoparin (wie Mono-Embolex®). Fondaparinux (wie Arixtra®) ist ein synthetisches Heparin-Analogon. Das Pentasaccharid hemmt selektiv nur Gerinnungsfaktor Xa.

»Niedermolekulare Heparine haben vor allem vor einer Operation, orthopädischen Verletzungen sowie bei Thrombosen bei Tumoren einen gewissen Stellenwert«, sagt Schwald. Ihr Wirkstoffgehalt wird in Internationalen Einheiten (I.E.) angegeben und sie müssen subkutan gespritzt werden. Gefürchtet wird besonders die sogenannte Heparin-induzierte Thrombozytopenie Typ II. Dabei bilden sich Antikörper gegen einen Heparin/Protein-Komplex, wodurch es zur Thrombenbildung gepaart mit einem starken Abfall der Thrombozyten kommt. Diese Nebenwirkung kann lebensbedrohlich verlaufen.

Oral anwendbar sind hingegen die Cumarine Phenprocoumon (Marcumar®) und Warfarin (Coumadin®). Sie inhibieren die Vitamin-K-Epoxidreduktase und erzeugen einen Vitamin-K-Mangel. »Vitamin-K-Antagonisten hemmen so in der Leber die Bildung der aktivierbaren Gerinnungsfaktoren II, VII, IX und X«, erklärt die Klinikapothekerin. »Sie sind indirekte Inhibitoren, da sie die Faktoren nicht direkt blockieren.« Ehe die Wirkung eintritt, müssen zunächst die noch vorhandenen Gerinnungsfaktoren verbraucht werden. Durch Cumarine stockt auch die Synthese von Protein C und S. Diese wirken gerinnungshemmend, haben mit wenigen Stunden aber eine deutlich kürzere Halbwertszeit als Gerinnungsfaktoren (mehrere Tage). Daher steigt das Thromboserisiko zunächst an und macht bis zum Erreichen der Ziel-INR eine begleitende Heparintherapie erforderlich. Im Notfall kann Vitamin K die Wirkung antagonisieren.

Aber auch Vitamin K-haltige Nahrung, zahlreiche Arzneistoffe und selbst Rauchen beeinflussen die Wirksamkeit. »Die Gerinnungshemmung muss daher regelmäßig mit Hilfe der INR überwacht werden.« Die individuelle Anpassung bietet jedoch auch Vorteile: Selbst stark unter- oder übergewichtige Menschen erhalten so ihre ideale Dosis. Mit CoaguChek® können geschulte Patienten die INR sogar zu Hause bestimmen und sparen sich die Blutabnahme beim Arzt.

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