PTA-Forum online Avoxa
instagram facebook

Lidrandentzündung
-
Demodex-Milbe verschleiert Augensymptome

Brennende, juckende Augen mit Fremdkörpergefühl und verklebten Lidrändern? Das Sicca-Syndrom oder eine Lidrandentzündung liegen weit häufiger als gedacht an einer verstärkten Besiedlung der Wimpernwurzeln mit der Demodex-Milbe. Gängige Therapiemaßnahmen bringen deshalb oft keine dauerhafte Symptomlinderung.
AutorKontaktElke Wolf
Datum 21.09.2026  11:45 Uhr

Demodex-Milben besiedeln natürlicherweise unsere Haut, leben in Haarfollikeln und Talgdrüsen. Vermehren sich die winzigen Spinnentiere jedoch übermäßig stark in Wimpernwurzeln sowie Talg- und Liddrüsen, machen sie recht unangenehm auf sich aufmerksam. Dann lösen sie Symptome eines trockenen Auges oder einer Lidrandentzündung aus: brennende, juckende, gerötete Augen mit verklebten Lidrändern und Sehschwankungen aufgrund der Instabilität des Tränenfilms.

Das komme gar nicht so selten vor, sagte Privatdozentin Dr. Christina Jacobi vom Augen & Haut Zentrum Nürnberg bei einer digitalen Pressekonferenz der Deutschen Ophthalmologischen Gesellschaft (DOG). »Mehr als die Hälfte der Patientinnen und Patienten, die routinemäßig eine Augenarztpraxis aufsuchen, haben aktuellen Untersuchungen zufolge eine krankhafte Überbesiedlung mit Demodex-Milben.« Die Betroffenenzahlen liegen damit weit höher als bislang vermutet.

Laut der Augenärztin steigt das Risiko eines krankhaften Befalls mit dem Lebensalter. »Bei den Über-70-Jährigen lässt sich die Milbe bei fast 100 Prozent nachweisen.« Rosazea-Patienten, Diabetiker und Personen mit gestörter Hautbarriere sowie einer Meibomdrüsen-Dysfunktion seien besonders anfällig für eine Überbesiedlung.

Doch weil der vermehrte Milbenbefall laut der Expertin viel zu selten diagnostiziert werde, werde er häufig mit einem trockenen Auge, einer Rosazea – auch bei dieser entzündlichen Hauterkrankung dominiert die Demodex-Milbe das Hautmikrobiom –, allergischen Reizungen oder einer unspezifischen Lidrandentzündung verwechselt. Jacobi rät deshalb: »Wenn sich trotz Lidrandpflege, Tropfen oder Salben die Symptome nicht bessern, ist auf augenärztlicher Seite gezielt nach den Milben als Ursache zu suchen.«

Für die Diagnose genügt ein genauer Blick durch die Spaltlampe auf den Wimpernansatz. Dort sind dann zylindrische Schuppen festzustellen, »die die Wimpern wie ein kleiner Kragen umschließen. Man spricht auch von Kollaretten«, beschreibt die DOG-Expertin. Um ganz sicherzugehen, kann der behandelnde Arzt einzelne Wimpern entnehmen und unter dem Mikroskop auf Milben hin untersuchen.

Lidrandpflege mit Teebaumöl-Tupfern

Als Mittel der Wahl bezeichnete Jacobi derzeit die tägliche Lidrandpflege mit teebaumölhaltigen Präparaten (wie Blephademodex®, Naviblef®) in Form von Schaum, Gel oder Einmaltüchern. »Enthaltenes Terpinen-4-ol wirkt auf die Milben toxisch«, erklärte sie. Topisch appliziertes Ivermectin oder Metronidazol zeigten zwar auch Wirkung, zählten aber zu den Off-label-Therapien.

Die teebaumölhaltigen Zubereitungen werden auf ein Tuch oder ein Wattestäbchen aufgetragen, damit fährt man vorsichtig am Lidrand beziehungsweise am Wimpernansatz entlang. »Dabei die schuppigen Ablagerungen entfernen und den Wirkstoff nicht abspülen«, beschrieb die Referentin das richtige Vorgehen. Anschließend sollten die Lidränder sanft mit einem Wattetupfer oder sauberen Fingern massiert werden.

Die konsequente Lidrandpflege sei essenziell für den Erfolg der Therapie. »Entscheidend ist die ausreichend lange Behandlung von mindestens vier bis sechs Wochen. Nur so kann der Lebenszyklus der Milben, der 21 Tage beträgt, lückenlos erfasst werden«, betonte Jacobi. Von der Verwendung von reinem, unverdünntem Teebaumöl ist abzusehen – es drohen Augenreizungen. Bezüglich Verträglichkeit und Standardisierung seien teebaumölhaltige Präparate freilich laut der Referentin kontrovers zu sehen.

Große Hoffnungen setze man auf die erste antiparasitäre Augentropfentherapie mit Lotilaner, das vor Kurzem in den USA unter dem Handelsnamen Xdemvy™ zugelassen wurde. Lotilaner hemmt gezielt GABA-chloridabhängige Ionenkanäle der Demodex-Milbe und unterbricht damit deren Lebenszyklus. »Studien zeigen eine deutliche Reduktion von Kollaretten und Milbendichte bei sehr guter Verträglichkeit.« Jacobi hofft auf diese kausale Therapie demnächst auch hierzulande.

TEILEN
Datenschutz
Mehr von Avoxa