| Katja Egermeier |
| 11.09.2026 12:00 Uhr |
Jede zweite Frau in den Wechseljahren ist von trockenen Augen betroffen. / © Getty Images/PeopleImages
In den Wechseljahren geraten die Hormone im weiblichen Körper durcheinander – mit den bekannten Folgen für Fruchtbarkeit, Stoffwechsel, Schlaf und Psyche. Weniger Beachtung wird meist der Tatsache geschenkt, dass die hormonellen Veränderungen auch Auswirkungen auf die Augen haben können.
Dabei ist bereits gut untersucht, dass Geschlechtshormone generell einen großen Einfluss auf die Entstehung von trockenen Augen haben. So weiß man der DOG zufolge, dass die Beschwerden im Rhythmus des Menstruationszyklus mit den an- und absteigenden Östrogenspiegeln schwanken, durch die Pille verstärkt werden und während einer Schwangerschaft meist abnehmen.
In den Wechseljahren ist nach Angaben der DOG vor allem ein Rückgang der Androgene für die Entstehung oder Verschlechterung von trockenen Augen bedeutsam. »Der fehlende Androgeneinfluss lässt die sogenannten Meibomdrüsen – modifizierte Talgdrüsen im Lidrand, die den fettigen Anteil des Tränenfilms produzieren – weniger aktiv werden«, erklärt Professor Elisabeth M. Messmer von der Augenklinik der Ludwig-Maximilians-Universität (LMU) München. Der Tränenfilm verdunste daher schneller, was die Symptome des Trockenen Auges und eine schwankende Sehschärfe bei der Arbeit am Bildschirm, beim Lesen oder Autofahren verursache. »Da die Androgene auch für die Produktion des wässrigen Tränenfilms aus der Haupttränendrüse und den kleinen Drüsen in der Bindehaut mitverantwortlich sind, droht mit sinkendem Androgenspiegel zugleich ein Tränenmangel«, so Messmer. Dieses Defizit könne zur Entzündung der Augenoberfläche und zur Schädigung der Hornhaut führen, was die Sehkraft weiter beeinträchtige.
»Der zunächst naheliegende Gedanke, dass eine Hormonersatztherapie in den Wechseljahren auch das Trockene Auge lindern könnte, hat sich jedoch nicht bestätigt«, sagt Messmer. Im Gegenteil sei seit der groß angelegten Women’s Health Study mit über 25.000 Teilnehmerinnen im Jahr 2001 bekannt, dass die Einnahme von Hormonen – vor allem von hochdosierten Östrogenen – die Symptome des Trockenen Auges sogar verstärkten.
Seit einigen Jahren versuchen Mediziner, aus diesen Beobachtungen Therapiemaßnahmen abzuleiten. »In mehreren Studien wurde die Wirkung von Augentropfen untersucht, die etwa Östrogen oder Testosteron direkt ins Auge bringen«, so die DOG-Expertin. Erste Ergebnisse seien zwar ermutigend, allerdings würden noch größere kontrollierte Studien benötigt, um den Effekt zu evaluieren.