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Für Angehörige und Betroffene
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Depressionen erkennen und richtig reagieren

Depressionen sind nicht immer auf den ersten Blick zu erkennen. Viele Betroffene verbergen ihre Erkrankung vor ihrem Umfeld – oder wollen sich selbst nicht eingestehen, dass sie betroffen sind. Und selbst wenn sie sich öffnen, stoßen sie nicht selten auf Unsicherheit oder Unverständnis. Woran lässt sich eine Depression bei anderen erkennen – und wie gelingt ein einfühlsamer Umgang damit?
AutorKontaktKatja Egermeier
Datum 12.05.2026  16:00 Uhr

Wer sein von Depressionen geprägtes Gefühlsleben versteckt, hat häufig Angst vor negativen Vorurteilen und davor, wie das Umfeld reagieren könnte. Manche Menschen können oder wollen zudem selbst nicht wahrhaben, dass sie von einer Depression betroffen sind. Aufgrund noch immer bestehender Vorurteile oder Unwissenheit falle es vielen Betroffenen schwer, den Gedanken zuzulassen, dass ihre Symptome auf die Psyche zurückzuführen sein könnten, erklärt die Barmer Krankenkasse in ihrer Broschüre »Depressionen erkennen und handeln«. Mit Aussagen wie »Ich und depressiv? Ich bin doch kein Psycho!« stigmatisierten sie sich in gewisser Weise selbst.

Das Gefühlsleben werde daher häufig nicht thematisiert mit der Folge, dass Betroffene nur von unspezifischen Frühsymptomen wie wie Schlaf- oder Appetitstörungen, Kopfschmerzen oder Kreislaufbeschwerden berichten. Diese gehen zwar häufig einer Depression voraus, können aber auch auf andere Erkrankungen hinweisen. Das macht es selbst für geschultes Personal wie Ärzte, Apotheker und PTA nicht leicht, eine depressive Erkrankung bei ihren Patienten oder Kunden zu erkennen und anzusprechen.

Auf Depressionen ansprechen

Drängt sich jedoch der Verdacht auf, dass eine Person – sei es im privaten Umfeld, in einer Arztpraxis oder der Apotheke – tatsächlich an einer Depression leiden könnte, sollte diese Sorge auch ausgesprochen werden. Häufig hilft hier im ersten Schritt schon das Signal, dass sich der Betroffene an einen wenden kann. Wichtig ist jedoch immer, einfühlsam vorzugehen und einige Regeln zu beachten:

  • Bringen Sie Verständnis für die Situation und die Gefühle des Betroffenen auf. Hören Sie zu und nehmen Sie die Erkrankung ernst, ohne sie zu dramatisieren.
  • Informieren Sie sich, was eine Depression ist und wie sie entstehen kann.
  • Machen Sie der möglicherweise betroffenen Person deutlich, dass eine Depression eine normale Erkrankung und kein Stigma ist.
  • Versuchen Sie zu vermitteln, dass eine Behandlung gut möglich ist und sich die Lage innerhalb einiger Wochen sehr verbessern kann.
  • Machen Sie der kranken Person deutlich, dass sie sich in jedem Fall professionelle Hilfe suchen sollte.
  • Weisen Sie auf leicht zugängliche Hilfsangebote hin:  Angehörige und Freunde können einem offensichtlich depressiven Menschen etwa die Telefonseelsorge nennen, wo man sich täglich rund um die Uhr, kostenfrei und anonym beraten lassen kann (Telefon 0800/1110111 oder 0800/1110222 sowie online im Chat ).

Mit gut gemeinten Ratschlägen zurückhalten

Die »richtigen« Worte für einen depressiv erkrankten Menschen zu finden, ist nicht immer leicht. Zur Zurückhaltung rät die Stiftung Deutsche Depressionshilfe vor allem mit gut gemeinten Ratschlägen. Es sei sinnlos, einem depressiv erkrankten Menschen zu raten, »sich zusammenzureißen« oder einfach mal »den Hintern hochzubekommen«. Ein an einer Depression Erkrankter sei nicht in der Lage, solche Forderungen zu erfüllen, sie verstärkten eher noch die Schuldgefühle. Das gelte auch für Aufmunterungsversuche oder den Rat zu einem Erholungsurlaub. Vor allem eine fremde Umgebung verstöre Betroffene zusätzlich, warnt die Deutsche Depressionshilfe.

Wer helfen will, sollte zudem wissen, dass Betroffene die ihm auf diese Weise dargebotene Hilfe nicht immer annehmen (können), erklärt die Bundesärztekammer in einer Patienteninformation zum Thema Depressionen. Wichtig sei es dann, die Ablehnung nicht auf sich selbst zu beziehen oder gar gekränkt zu reagieren. Dass der andere gerade nicht so leicht in der Lage ist, Vorschläge anzunehmen, sei der Krankheit geschuldet. Besser ist in so einem Fall, die Ablehnung der angebotenen Hilfe zu akzeptieren.

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