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Leben mit chronischer Krankheit
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Diabetes bei Kindern

Gesunde Menschen sagen es leicht dahin. »Mit Diabetes lässt es sich doch gut leben«. Sie wissen nicht, dass das Leben mit Typ-1-Diabetes keineswegs immer einfach ist und dass besonders die Kinder, die daran erkranken, echte Helden sind im Umgang mit ihrer lebenslangen Krankheit.
AutorKontaktIsabel Weinert
Datum 30.08.2024  14:30 Uhr

Symptome kennen

Doch wie bemerken Eltern überhaupt, dass ihr Kind an Typ-1-Diabetes erkrankt ist? Die Symptome zu kennen ist für alle Eltern sehr wichtig und PTA können dabei helfen. Diese Symptome zeigen Typ-1-Diabetes bei Kindern/Babys an:

  • Sehr starker Durst
  • Sehr häufiges Wasserlassen / sehr häufig nasse Windeln / Einnässen bei bereits an sich trockenen Kindern
  • Unerklärliche Gewichtsabnahme
  • starke Müdigkeit
  • hartnäckige Windeldermatitis

Bemerken Eltern eines oder mehrere dieser Anzeichen, sollten sie rasch einen Kinderarzt aufsuchen und auch PTA sollten dazu raten, wenn sie derlei Berichte von Eltern hören. Denn ein Typ-1-Diabetes geht nicht von alleine weg. Er wird auch nicht besser, sondern mit jedem Tag ohne Therapie schlimmer. Wegen des Insulinmangels steigt der Blutzucker immer höher, eine Ketoazidose entwickelt sich und kann tödlich enden, zumindest aber mit einer schweren Bewusstlosigkeit. Kinder in diesem Zustand sind Notfälle und müssen unverzüglich in ein Krankenhaus. Seit Jahren liegt die Rate von potenziell lebensgefährlichen Ketoazidosen bei Manifestation eines Typ-1-Diabetes auf einem hohen Niveau, schreiben die Autoren der AWMF-Leitlinie »Diagnostik, Therapie und Verlaufskontrolle des Diabetes mellitus im Kindes- und Jugendalter«.

Früher Beginn

Um Eltern, Babys und Kindern solch eine Entwicklung zu ersparen, setzt Professor Dr. med. Annette-Gabriele Ziegler vom Helmholtz-Zentrum in München seit Jahrzehnten ihre Forschung daran, schon ganz früh herauszufinden, welches Kind ein hohes Risiko für einen Typ-1-Diabetes hat. Ihr Ziel ist es, mit Typ-1-Diabetes-Screenings und Präventionsstudien eine frühe Diagnose schon vor klinischem Ausbruch der Krankheit zu ermöglichen. Auf diese Weise lässt sich auch rechtzeitig behandeln.

Laut Ziegler beginnt der Autoimmunprozess in den ersten beiden Lebensjahren. »Darum ist ein frühes Screening im Vorschulalter und die Möglichkeit, ein erhöhtes Risiko für Typ-1-Diabetes bereits bei der Geburt zu entdecken, sehr wichtig«, so die Wissenschaftlerin in einem Interview mit dem Helmholtz-Zentrum München. In Screenings wird im Blut von Kindern gezielt nach Autoimmunität gesucht. Mit Typ-1-Diabetes assoziierte Autoantikörper lassen sich meist bereits zwischen dem neunten und 24. Lebensmonat eines Kindes finden.

Bricht die Krankheit klinisch aus, dann finden sich meist mehrere verschiedene Autoantikörper, wie ICA, GAD, IA-2, ZnT8. Zeigt sich ein Diabetes bei einem Kind, ohne dass sich Autoantikörper nachweisen lassen, oder aber nur mit Nachweis eines Autoantikörpers, dann sollte das immer Anlass sein, weiter zu untersuchen, denn dann handelt es sich um eine andere Diabetesform. Bislang hilft die Untersuchung von Risikokindern auf Autoantikörper vor Ausbruch der Krankheit nicht, letzteren zu verhindern. Es ließ sich also noch kein Medikament entwickeln, dass das vermag. Allerdings gelingt es mit Teplizumab, das 2022 in den USA für diesen Zweck eine Zulassung bekam, den Beginn des Ausbruchs um etwa drei Jahre hinauszuzögern. Zudem werden unter dieser Therapie nicht alle Inselzellen zerstört.

Der monoklonale Antikörper Teplizumab, eine Art Biologikum, dämmt die Aktivität der T-Lymphozyten ein, die den Oberflächenmarker CD3 tragen. Auf diese Weise werden auch autoreaktive T-Zellen unterdrückt, die Inselzellen attackieren. Der Wirkstoff unterdrückt dabei nicht etwa die körpereigene Abwehr, sondern reguliert sie. Screenings auf Typ-1-Diabetes bei Kindern gehören in Deutschland (noch) nicht zur Regelversorgung. PTA können besorgten Eltern raten, ihren Kinderarzt nach einer entsprechenden Untersuchung zu fragen.

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