Wer gesund altern will, braucht eine starke Muskulatur. Den Best Agers wird deshalb mindestens zweimal wöchentlich gezieltes Krafttraining empfohlen – zusätzlich zur Ausdauer.. / © Getty Images/SelectStock
Die Forschung hat in den vergangenen zwei Jahrzehnten gezeigt, dass die Skelettmuskulatur so viel mehr leistet, als uns eine Silhouette zu verleihen. Sie ist der größte Stoffwechselmotor des Menschen, ein wichtiger Speicher für Aminosäuren und zugleich ein eigenständiges endokrines Organ, das über selbst produzierte Botenstoffe mit nahezu allen anderen wichtigen Organsystemen kommuniziert.
Die systemische Bedeutung wird beim Stoffwechsel besonders deutlich. Der Skelettmuskel macht bei Menschen ohne Adipositas etwa 40 bis 50 Prozent der Körpermasse aus und verbraucht den Großteil der Energie. Selbst im Ruhezustand verbrennen Muskeln deutlich mehr Kalorien als Fettgewebe. Je mehr aktive Muskelmasse, desto effizienter läuft der Stoffwechsel; sie übernimmt den Großteil der postprandialen Glucoseverwertung.
Menschen mit höherer Muskelmasse besitzen eine deutlich verbesserte Insulinsensitivität – unabhängig vom Körpergewicht. Mit jedem Gramm Muskelmasse steigt die Fähigkeit, den Blutzucker zu kontrollieren, Entzündungen zu reduzieren und die Fettverbrennung zu steuern. Es gilt als Fakt, dass körperliche Aktivität die am breitesten wirksame Intervention gegen Alterungsprozesse des Organismus ist.
Gute Körperkraft ist unabdingbar, um lange gesund leben zu können. Die schlechte Nachricht ist jedoch: Mit dem Alter lässt die Muskelkraft sehr deutlich nach. So verliert der Muskel etwa ab 60 Jahren jedes Jahr ein bis drei Prozent seiner Leistungsfähigkeit. Bis zum 80. Lebensjahr können insgesamt 30 bis 50 Prozent der ursprünglichen Muskelmasse verloren gehen, sofern keine Gegenmaßnahmen ergriffen werden.
Muskelkraft hängt nicht allein davon ab, wie viel Muskelgewebe vorhanden ist. Auch die neuromuskuläre Erregbarkeit büßt mit den Jahren an Präzision ein. Mit zunehmendem Alter gehen motorische Einheiten verloren – also die Nerven, die die Muskelfasern aktivieren. Gleichzeitig verschlechtert sich die Kopplung zwischen Erregung und Kontraktion. Ähnliches gilt für die Fähigkeit zur Regeneration. Satellitenzellen fungieren eigentlich als Muskelstammzellen und können nach Verletzungen aktiviert werden, proliferieren und mit Muskelfasern fusionieren. Doch mit dem Alter schrumpft die regenerative Reserve.
»Das spielt sich vor allem in der Körpermitte und in den unteren Extremitäten ab, weil wir zunehmend mehr sitzen. Je weniger eine Struktur beansprucht wird, desto stärker verkümmert sie. Kraft und Ausdauer lassen aufgrund geringerer Trainingsreize nach«, sagt Dr. Nadja Schott, Professorin am Institut für Sport- und Bewegungswissenschaft der Universität Stuttgart im Gespräch mit PTA-Forum. Ein starker Core – wie das Trio aus Bauch, Rücken und Hüfte auch oft genannt wird – ist der Schlüssel zu Gleichgewicht und Stabilität. »Insofern kann ich eigentlich immer empfehlen, Krafttraining zu machen – auch wenn es bei den Älteren ein nicht so gutes Image hat.«