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Herpesviren
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Die Dos and Don’ts bei Lippenbläschen

Lippenpflege mit Lichtschutzfaktor ist im Sommer ein Muss für Menschen, die immer wieder unter schmerzhaften Herpesbläschen an den Lippen leiden. UV-Strahlung gilt als einer der häufigsten Reaktivatoren der Herpes-simplex-Viren. Was man sonst noch dagegen tun kann und was man besser lässt.
AutorKontaktElke Wolf
Datum 01.06.2026  12:00 Uhr

Die Erreger, Herpes-simplex-(HSV-)1 und (seltener) HSV-2, persistieren in bestimmten Nervenbahnen und nutzen es aus, wenn das Immunsystem schwächelt: bei Sonneneinstrahlung – im Sommer, aber auch beim Skifahren im Winter –, bei fiebrigen Infekten, der Menstruation, Stress und Zeiten seelischer Belastung.

Die Lokaltherapie verspricht den besten Erfolg, wenn die Topika möglichst früh, also im Prodromalstadium, aufgetragen werden. Aciclovir (wie Zovirax®, auch in Kombination mit Hydrocortison) und Penciclovir (wie Pencivir®) sollten fünf- bis sechsmal täglich alle vier Stunden dünn auf betroffene und angrenzende Hautstellen aufgetragen werden, um die Virus-DNA-Synthese und damit die Virenvermehrung in den infizierten Zellen unterbinden zu können.

Das erklärt, warum es so wichtig ist, das Präparat bereits beim allerersten Kribbeln einzusetzen: Zu diesem Zeitpunkt ist die Zahl der Viren noch gering – und die Wahrscheinlichkeit, den Lippenherpes in seiner vollen Blüte zu verhindern und Schmerzen zu lindern, am größten. Sobald die Verkrustungsphase erreicht ist, ist eine Behandlung mit Virustatika nicht mehr sinnvoll – dann kann nur noch die Abheilung unterstützt werden.

In klinischen Studien konnten Aciclovir und Co. die Krankheitsdauer um etwa einen halben bis ganzen Tag verkürzen; ihr Effekt ist eher als moderat zu bezeichnen. Auch der Zusatz von Hydrocortison, Zink oder Lysin kann die Krankheitsdauer nicht weiter verkürzen. Penciclovir gibt es auch in Form einer hautfarbenen Creme.

Beratungstipp: Gemäß einer älteren Vergleichsstudie von elf verschiedenen Aciclovir-haltigen Topika ist die Permeation des Arzneistoffs in die Haut vom Propylenglykol-Gehalt der Zubereitung abhängig. Es ist deshalb sinnvoll, ein Präparat mit möglichst hoher Konzentration an Propylenglykol zu empfehlen.

Für die Anwendung im Mund könnten nach einem Beschluss des Sachverständigenausschusses für Verschreibungspflicht bald Aciclovir-haltige Buccaltabletten hinzukommen. Bislang gibt es allerdings noch kein entsprechendes Präparat auf dem deutschen Markt.

Mikroalgen und Melisse

Einen etwas anderen Wirkmechanismus haben tetrapodales Zinkoxid (Afinovir® Wundschutzgel) und ein Mikroalgen-Extrakt aus Spirulina platensis (Ilon® Lippencreme HS, transparent): Beide sollen – wenn auch auf unterschiedliche Weise -die Herpesviren deaktivieren können, sodass sie nicht mehr in der Lage sind, Zellen zu infiltrieren. Die spezielle Oberflächenstruktur von tetrapodalem Zinkoxid - selbst antiseptisch - ermöglicht es, Herpesviren physikalisch zu binden. Die Hydrogel-Formulierung bildet darüber hinaus eine Schutzbarriere gegen die Viren und fördert die Abheilung.

Beim Mikroalgen-Extrakt verhindert ein Zuckermolekül das Anheften und Eindringen der Herpesvirens in die Keratinozyten des Wirts, indem es sich als eine Art Film über die Zellen legt. Das hilft, benachbarte, nicht infizierte Zellen zu schützen, und kurbelt gleichzeitig die Zellregeneration an. Der zusätzlich in der Ilon-Formulierung enthaltene Lichtschutzfaktor 10 unterstützt die protektive Wirkung.

Als weitere pflanzliche Option steht ein wässriger Melissenextrakt (wie Lomaherpan® Lippenpflegecreme) zur Verfügung. In kleinen klinischen und In-vitro-Studien wurden eine virostatische Wirkung und eine Linderung der Beschwerden gezeigt. Anders als bei Nukleosid-Analoga wurde bisher keine Resistenzbildung beobachtet. Auch für Melissenextrakt gilt: Er sollte so früh wie möglich angewendet werden. Als pflegende Option gibt es den Extrakt außerdem als Lippenpflegestift mit LSF 30 (Lomaprotect®). Andere Kosmetika können über dem Stift verwendet werden.

Wundsekret aufnehmen und eine mechanische Barriere zum betroffenen Hautareal bilden: Herpespflaster (wie Compeed® Herpes Patch) haben mehrere Effekte. Durch Abdeckung der betroffenen Hautpartie verhindern sie die Gefahr der Verbreitung von Viren. Außerdem unterstützen die Hydrokolloid-Pflaster die Wundheilung nach dem Prinzip der feuchten Wundversorgung. Die Barriere schützt die Wunde außerdem vor Sekundärinfektionen. Theoretisch können die Patches überschminkt und die unschönen Bläschen somit kaschiert werden.

Hygiene großgeschrieben

Unabhängig von der gewählten Therapie gilt: Die Bläschen sollten möglichst nicht berührt werden – auch Wundschorf nicht entfernen –, um die Herpesviren nicht in andere Bereiche des Gesichtes oder auf Kontaktpersonen zu übertragen. Das gilt sowohl für die Finger als auch für Gegenstände. Die lokalen Zubereitungen kommen daher am besten per Wattestäbchen auf die lädierten und angrenzenden Hautpartien.

Ansonsten ist auf eine intensive Hygiene zu achten. Händewaschen reicht zur Inaktivierung aus, da HSV-1 und HSV-2 behüllte Viren sind. Für unterwegs sind geeignete Händedesinfektionsmittel praktisch. Zudem ist es ratsam, Essbesteck, Gläser oder Ähnliches nicht mit anderen Personen zu teilen und Handtücher bei mindestens 60 °C zu waschen.

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