| Juliane Brüggen |
| 09.06.2026 12:00 Uhr |
Bei Vorhofflimmern ist es neben anderen Therapiestrategien wie Rhythmus- und Frequenzkontrolle wichtig, eine wirksame Schlaganfallprophylaxe zu implementieren. / © Adobe Stock/peterschreiber.media
An welchen Arzneimitteln erkennt die beratende Person, dass der Patient wahrscheinlich von Vorhofflimmern betroffen ist? »Das Auffälligste ist wahrscheinlich ein direktes orales Antikoagulans – abgekürzt DOAK«, sagt Göbel. »Wenn dann noch ein Betablocker oder ein Antiarrhythmikum wie Amiodaron hinzukommt, ist man bei einer sehr hohen Wahrscheinlichkeit. Typisch ist auch ein höheres Lebensalter.« Oft liegen gleichzeitig Erkrankungen wie Herzinsuffizienz, Hypertonie, Diabetes oder Koronare Herzkrankheit vor – was die Medikationsliste verlängert.
Bei einem erhöhten Schlaganfallrisiko – wie bei Vorhofflimmern oft der Fall – sind Antikoagulanzien ein zentraler Therapiebaustein. Während Vitamin-K-Antagonisten wie Phenprocoumon die Synthese bestimmter Gerinnungsfaktoren hemmen, greifen DOAK direkt in die Gerinnungskaskade ein und hemmen bestimmte Gerinnungsfaktoren. Die Wirkstoffe mit »xa« im Namen – Rivaroxaban, Apixaban und Edoxaban – hemmen den Faktor Xa. Dabigatran hemmt Thrombin (Faktor IIa).
Das Risiko sowie die Indikation zur Antikoagulation beurteilen Ärzte anhand des sogenannten CHA2DS2-VA-Scores, der das Alter und Begleiterkrankungen einbezieht. Laut Göbel werden Cumarine mittlerweile nur noch selten eingesetzt, weil sie schlechter steuerbar sind als DOAK, eine enge therapeutische Breite haben und die Kontrolle mittels INR-Wertes erfordern. Bei DOAK braucht es keine INR-Kontrolle, die Dosis wird an Parameter wie Nierenfunktion, Alter und Gewicht angepasst. Gut zu wissen: Details zu Dosierung, Interaktionen sowie eine Einschätzung des Schlaganfall- und Blutungsrisikos gibt es unter www.easydoac.de.
Besser steuerbar sind DOAK durch ihren schnellen Wirkeintritt innerhalb von Stunden. Bei Vitamin-K-Antagonisten kann die Latenzzeit zwischen 36 und 72 Stunden betragen. Vor Operationen ist bei DOAK – anders als bei Cumarinen – kein Heparin-Bridging erforderlich. Eine bevorzugte Empfehlung für die direkten oralen Antikoagulanzien gibt es in der deutschen S3-Leitlinie zu Vorhofflimmern (2025) allerdings nicht: Ärzte sollen gemeinsam mit dem Patienten entscheiden, welches Antikoagulans geeignet ist.