| Caroline Wendt |
| 18.08.2026 16:00 Uhr |
Zum Thema Schilddrüse haben viele Kunden Fragen – gut, wenn PTA die richtigen Antworten direkt parat haben. / © Shutterstock/PeopleImages
Kann meine Müdigkeit von der Schilddrüse kommen?
Ja, eine Schilddrüsenunterfunktion kann Müdigkeit verursachen. Da Müdigkeit prinzipiell jedoch viele Ursachen haben kann, sollten die Beschwerden ärztlich abgeklärt werden.
Bei einem Mangel an Schilddrüsenhormonen laufen zahlreiche Stoffwechselprozesse verlangsamt ab. Die Folge können Müdigkeit, verminderte Leistungsfähigkeit oder Antriebslosigkeit sein. Auch Konzentrationsstörungen oder depressive Verstimmungen können auf eine Schilddrüsenunterfunktion hinweisen. Da diese sich häufig schleichend entwickelt – etwa im Rahmen einer Hashimoto-Thyreoiditis –, werden die Beschwerden anfangs oft übersehen. Nach Beginn oder Anpassung einer Therapie mit Schilddrüsenhormonen bessern sich die Symptome meist innerhalb einiger Wochen.
Fallen meine Haare wegen einer Schilddrüsenfehlfunktion aus?
Ja, sowohl eine Schilddrüsenunterfunktion als auch eine -überfunktion können das Haarwachstum beeinträchtigen und zu diffusem Haarausfall führen. Im Rahmen einer Behandlung normalisiert sich das Haarwachstum in der Regel wieder. Bis sich der Haarausfall bessert, können jedoch mehrere Monate vergehen.
Muss ich L-Thyroxin nüchtern einnehmen?
L-Thyroxin sollte nüchtern, mindestens 30 Minuten vor dem Frühstück, mit einem Glas Leitungswasser eingenommen werden. Das empfehlen die aktuelle S2k-Leitlinie »Erhöhter TSH-Wert in der Hausarztpraxis« der Deutschen Gesellschaft für Allgemeinmedizin und Familienmedizin (DEGAM) sowie die Fach- und Gebrauchsinformationen. So sollen eine möglichst gleichbleibende Resorption und Bioverfügbarkeit gewährleistet werden.
Eine aktuelle Studie deutet zwar darauf hin, dass auch eine Einnahme zum Frühstück möglich sein könnte, wenn die L-Thyroxin-Dosis entsprechend angepasst wird. Da die Datenlage bislang begrenzt ist, empfehlen Leitlinien weiterhin die nüchterne Einnahme. Wichtig: Patienten sollten Dosis und Einnahmezeitpunkt nicht eigenmächtig verändern, sondern dies mit ihrem behandelnden Arzt besprechen.
Darf ich nach der L-Thyroxin-Tablette Kaffee trinken?
L-Thyroxin sollte nicht mit Kaffee eingenommen werden. Kaffee vermindert die Aufnahme des Wirkstoffs im Darm. Verantwortlich dafür sind verschiedene Inhaltsstoffe des Kaffees. Wird Milch zugesetzt, kann zusätzlich das enthaltene Calcium die Resorption beeinträchtigen, indem es mit L-Thyroxin schwer lösliche Komplexe bildet. Deshalb sollte zwischen der Einnahme von L-Thyroxin und der ersten Tasse Kaffee der empfohlene zeitliche Abstand eingehalten werden.
Darf ich L-Thyroxin abends einnehmen?
Ja, die DEGAM-Leitlinie nennt die Einnahme vor dem Schlafengehen als Alternative zur morgendlichen Einnahme. Entscheidend ist, dass L-Thyroxin nüchtern und möglichst täglich unter denselben Bedingungen eingenommen wird. Internationale Leitlinien empfehlen bei einer abendlichen Einnahme einen Abstand von mindestens drei Stunden zur letzten Mahlzeit. Patienten sollten den Einnahmezeitpunkt jedoch nicht eigenmächtig wechseln, sondern dies mit ihrem behandelnden Arzt besprechen.
Welche Wechselwirkungen gibt es mit L-Thyroxin?
Kurz gesagt: einige. Zu den klassischen Wechselwirkungen gehört die Bildung schwer löslicher Komplexe mit zwei- und dreiwertigen Kationen wie Calcium, Magnesium, Aluminium oder Eisen. Arzneimittel, die solche Ionen enthalten (etwa Antazida), sowie Nahrungsergänzungsmittel mit entsprechenden Mineralstoffen sollten deshalb zeitversetzt eingenommen werden. Je nach Präparat werden Abstände von mindestens zwei bis vier Stunden empfohlen. Bei Ionenaustauscherharzen wie Colestyramin sollte ein Abstand von mindestens vier Stunden eingehalten werden.
Auch Protonenpumpenhemmer wie Pantoprazol können die Resorption von L-Thyroxin verringern, vermutlich indem sie den pH-Wert im Magen erhöhen.
Umgekehrt kann L-Thyroxin die Wirkung anderer Arzneimittel beeinflussen: So kann es die Wirkung von Vitamin-K-Antagonisten wie Phenprocoumon verstärken. Außerdem kann es die blutzuckersenkende Wirkung von Antidiabetika wie Metformin, Glimepirid oder Insulin abschwächen.
Warum können Sie mein Schilddrüsenhormonpräparat nicht einfach austauschen?
Präparate mit L-Thyroxin sowie die Fixkombination aus Levothyroxin und Kaliumjodid stehen auf der Substitutionsausschlussliste des Gemeinsamen Bundesausschusses (G-BA). Das bedeutet: In der Apotheke darf das verordnete Präparat nicht durch ein wirkstoffgleiches anderes Präparat ersetzt werden. Ein Aut-idem-Kreuzchen ist dafür nicht notwendig. Verordnet der Arzt lediglich den Wirkstoff, darf das Rezept nicht beliefert werden.
Der Grund dafür ist, dass bereits relativ kleine Unterschiede in der Bioverfügbarkeit, etwa durch unterschiedliche Hilfsstoffe in der Tablette, dazu führen können, dass sich die Schilddrüseneinstellung verändert.
Sind Thyreostatika genauso streng geregelt wie L-Thyroxin?
Nein, Thyreostatika wie Thiamazol stehen nicht auf der Substitutionsausschlussliste. Ein Austausch gegen ein wirkstoffgleiches Präparat ist daher grundsätzlich möglich. Auch bei der Einnahme unterscheiden sich Thyreostatika von L-Thyroxin: Sie müssen nicht nüchtern eingenommen werden, sondern in der Regel morgens nach dem Frühstück – möglichst immer zur gleichen Zeit. Bei höheren Dosierungen kann die Tagesdosis auf mehrere Einnahmezeitpunkte verteilt werden.
Was mache ich, wenn ich die Einnahme meiner Schilddrüsentablette vergessen habe?
Sowohl bei Schilddrüsenhormonen als auch bei Thyreostatika gilt: Eine einmal vergessene Tablette sollte nicht durch eine doppelte Dosis ausgeglichen werden. Die Einnahme wird zum nächsten vorgesehenen Zeitpunkt in der verordneten Dosierung fortgesetzt.
Haben Herzmedikamente Einfluss auf die Schilddrüse?
Ja, verschiedene Arzneimittel können die Funktion der Schilddrüse beeinflussen. Allen voran: Amiodaron. Dieses Antiarrhythmikum enthält große Mengen Jod und kann sowohl eine Schilddrüsenüberfunktion als auch eine -unterfunktion auslösen. Bei einer bereits bestehenden Hyperthyreose kann Amiodaron die Überfunktion verstärken und gegebenenfalls eine thyreotoxische Krise begünstigen.
Doch auch andere Herzmedikamente spielen bei der Beratung eine Rolle. Betablocker können beispielsweise typische Beschwerden einer Schilddrüsenüberfunktion wie Herzrasen oder Zittern abschwächen und dadurch die Symptome verschleiern. Umgekehrt kann auch eine zu hohe Dosierung von L-Thyroxin das Herz-Kreislauf-System belasten: Eine gesteigerte Herzfrequenz, erhöhte Herzwanddicke und stärkere Herzkontraktilität können Angina pectoris oder Herzrhythmusstörungen begünstigen.
Ich bin schwanger – schadet L-Thyroxin meinem Kind?
Nein, die Einnahme von L-Thyroxin schadet dem ungeborenen Kind nicht – im Gegenteil: Eine ausreichende Versorgung mit Schilddrüsenhormonen ist für die Entwicklung des Kindes besonders wichtig. In der frühen Schwangerschaft ist der Fötus auf die Schilddrüsenhormone der Mutter angewiesen; die eigene Schilddrüse des Kindes entwickelt sich erst im Verlauf der Schwangerschaft vollständig. Zudem steigt der Bedarf an L-Thyroxin während der Schwangerschaft häufig an.
Eine unbehandelte Schilddrüsenunterfunktion kann zu schweren geistigen und körperlichen Schäden beim Fötus führen (Kretinismus) und das Risiko für Fehl- oder Frühgeburten erhöhen. Deshalb sind eine gute Einstellung der Schilddrüsenwerte und regelmäßige ärztliche Kontrollen in der Schwangerschaft besonders wichtig.