Die Apotheken täten gut daran, bei ihren Kernkompetenzen zu bleiben und den Ärzten die ihrigen zu überlassen, sagte Andreas Gassen beim PZ-Talk. Er plädiere aber durchaus für »sinnvolle Kooperationen« wie ARMIN. / © Sandra Schneider - Spreekind Fotografie
Aktuell sind es vor allem die mit der Apothekenreform beschlossenen erweiterten Kompetenzen, die für Diskussionen zwischen Apotheker- und Ärzteschaft sorgen. Dazu gehören etwa neue Point-of-Care-Testungen und venöse Blutabnahmen in Apotheken, mehr pharmazeutische Dienstleistungen und die begrenzte Abgabe von Rx-Arzneimitteln ohne Rezept. Auch das Impfangebot wird ausgebaut: Zukünftig sollen Apotheken nicht nur Influenza- und Covid-19-Impfungen anbieten können, sondern alle Impfungen mit Totimpfstoffen. Hinzu kommt die Möglichkeit der Delegation: Demnach können zum Beispiel auch PTA die Impfung nach entsprechender Schulung und unter Aufsicht durchführen.
Vor diesem Hintergrund stellte sich der KBV-Chef dem Gespräch mit PZ-Chefredakteur Alexander Müller vor etwa 50 Gästen in der »Fabrik 23« im Berliner Wedding. Warum Apotheken in Deutschland nicht nach entsprechender Schulung regelhaft impfen können sollen, wie es in anderen Ländern längst üblich sei, fragte Müller. Eine »Raketenwissenschaft« sei Impfen tatsächlich nicht, räumte Gassen ein. Es sei aber eine originär ärztliche Leistung, auch wenn sie eher »Barfußmedizin« sei.
»Wir erleben eine Chaotisierung des Gesundheitssystems«, kritisierte Gassen weiter. Er zeigte sich skeptisch gegenüber Impfungen in Apotheken und verglich: Während in Arztpraxen im vergangenen Jahr 10,5 Millionen Impfdosen verabreicht worden seien, seien es in Apotheken nur 100.000 gewesen. Das Angebot sei ja auch noch nicht etabliert, konterte Müller. Gassen wehrte ab. Mit Impfen könnten Apotheken ja auch kein Geld verdienen – und rein altruistisch würden sie dabei sicher nicht handeln.
Neben kontrovers diskutierten Themen wie den neuen Apothekenkompetenzen, einem potenziellen Dispensierrecht für Ärzte und den geplanten Sparmaßnahmen im GKV-System ging es im Gespräch auch um die Zusammenarbeit zwischen Ärzten und Apotheken. Der KBV-Chef befürwortete beispielsweise das heilberufliche Projekt ARMIN. Nicht zuletzt war auch der Mensch Gassen gefragt, wie es für das von Noventi unterstützte Format »Alex’ Doppelte Dosis« üblich ist.
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