| Isabel Weinert |
| 13.05.2026 14:00 Uhr |
Ketamin führt in höheren Dosierungen zu Halluzinationen und dissoziativen Effekten bis hin zu Nahtoderlebnissen. Aufgrund dessen wird es als Rauschdroge missbraucht – nicht ohne Risiken. / © Adobe Stock/ pjjaruwan
Während Ketamin off-label bei therapieresistenten Depressionen zum Einsatz gebracht wird, hat Esketamin als Nasenspray (Spravato®) eine Zulassung zur Behandlung therapieresistenter Depressionen, wenn mindestens zwei verschiedene Antidepressiva nicht gewirkt haben. Kombiniert wird es mit einem Serotonin-Wiederaufnahmehemmer (SSRI) oder einem Serotonin-Noradrenalin-Wiederaufnahmehemmer (SNRI). Ketamin und Esketamin wirken sehr schnell antidepressiv und antisuizidal. Frankreich hat deshalb im März dieses Jahres als erstes eine nationale Zulassung für intravenöses Ketamin speziell zur Behandlung akuter suizidaler Krisen erteilt.
Darüber hinaus wenden Psychiater vor allem Ketamin off-label an, etwa bei Posttraumatischer Belastungsstörung (PTBS), Zwangsstörungen (OCD für »Obsessive-Compulsive Disorder«), Angststörungen, Suchterkrankungen und Schizophrenie.
Warum? Ketamin und Esketamin blockieren NMDA-Rezeptoren. Dadurch steigt die Konzentration von Glutamat im synaptischen Spalt. Das wiederum aktiviert vermehrt AMPA-Rezeptoren, neue Synapsen entstehen. Mediziner sprechen von Neuroplastizität. Die damit verbundene teilweise Umstrukturierung des Gehirns erleichtert, negative Erfahrungen durch neue, positive zu ersetzen, verkrustete Muster aufzubrechen, neue Erfahrungen und Bewertungen zu machen.
Diese möglichen Wirkungen von Ketamin könnten der Grund dafür gewesen sein, dass der Schauspieler Jan Josef Liefers den Wirkstoff in Form einer Infusion ärztlich begleitet und auf eigenen Wunsch erhalten hat. Mit den psychedelischen Wirkungen erlebte er eine tiefgreifende Erfahrung der Verbundenheit mit allem, schildert Liefers in einem Podcast-Interview.
Ketamin und Esketamin können auch Nebenwirkungen mit sich bringen. Dazu gehören etwa Albträume, Angst und Panikattacken, ein Blutdruckanstieg, schnellerer Herzschlag, Schwindel, Übelkeit und Erbrechen. Die Substanzen bergen nicht nur Missbrauchspotenzial, sie werden auch missbräuchlich eingesetzt. Daraus ergeben sich weitere Gefahren wie Gedächtnisprobleme und die sogenannte Ketaminblase, eine schwere, chronische Schädigung des Harntrakts.