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Nebenwirkungen
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Arzneimittel als Lustkiller

Die Erkrankung ist gut eingestellt, doch das Liebesleben bleibt auf der Strecke? PTA Forum gibt einen Überblick, welche Medikamente sexuelle Störungen auslösen können und welche Rolle der Nocebo-Effekt in der Beratung spielt.
AutorKontaktBarbara Döring
Datum 11.05.2026  08:00 Uhr

Der Blutdruck ist endlich gut eingestellt, die depressive Symptomatik hat sich gebessert, doch mit dem Liebesleben will es seitdem nicht mehr so recht klappen. Von verschiedenen Arzneimittelgruppen ist bekannt, dass sie sexuelle Funktionsstörungen wie eine erektile Dysfunktion (ED), verminderte Libido oder ein nicht oder nur verzögert erreichten Orgasmus verursachen können, andere stehen zumindest in Verdacht. Die Gefahr besteht, dass betroffene Patienten ihre Medikation ohne ärztliche Rücksprache absetzen oder die Nebenwirkung hinnehmen, weil sie nicht darüber sprechen wollen. Ein gestörtes Sexualleben kann jedoch für das psychische Wohlbefinden und die Paarbeziehung belastend sein, und es ist wichtig, entsprechende Nebenwirkungen ernst zu nehmen, auch um mögliche zugrunde liegende Erkrankungen zu erkennen.

Antidepressiva

Bis zu 80 Prozent der Patienten, die Antidepressiva einnehmen, berichten über Lustlosigkeit oder Orgasmus-störungen. Ob die Probleme tatsächlich eine Nebenwirkung der Medikation oder auf die Grunderkrankung zurückzuführen sind, lässt sich oft nur schwer beantworten. Bekannt ist, dass serotonerg wirkende Antidepressiva wie selektive Serotonin-Wiederaufnahme-Hemmer (SSRI) und Serotonin-Noradrenalin-Wiederaufnahme-Hemmer (SSNRI) eine erektile Dysfunktion bedingen können. SSRI, SSNRI und trizyklische Antidepressiva (TZA) beeinträchtigen zudem unter Umständen die Libido und die Orgasmusfähigkeit.

Andere Antidepressiva, wie Serotonin-Modulatoren, die den 5-HT2-Rezeptor blockieren, verzögern zudem die Ejakulation. Wird der D2-Rezeptor blockiert, kann die Libido abnehmen. Auch eine Alpha-2-Blockade wirkt sich mitunter auf den Orgasmus aus. Eine antidepressive Therapie kann jedoch auch im Gegenteil zu einem verbesserten sexuellen Erleben beitragen, wenn Patienten mithilfe der Medikation wieder zu mehr Lebensfreude finden. Das Gleiche gilt für Benzodiazepine, die in höherer Dosierung die Lust mindern und Orgasmusstörungen hervorrufen können, niedriger dosiert jedoch angstlösend wirken und mitunter die sexuelle Funktion verbessern.

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