| Verena Schmidt |
| 17.06.2026 16:00 Uhr |
Auch immer mehr stoffwechselgesunde Menschen tracken ihren Blutzuckerspiegel, etwa um Heißhunger zu vermeiden. Experten halten das jedoch für überflüssig. / © Getty Images/JGalione
Eine weit verbreitete Fehlinformation ist etwa die Behauptung, Süßstoffe wie Aspartam oder Sucralose förderten Fettleibigkeit oder schädigten den Stoffwechsel. Laut Dr. Tim Hollstein, Oberarzt an der Klinik für Endokrinologie des Universitätsklinikums Schleswig-Holstein in Kiel, fehlen solide Belege für diese Behauptungen. Er ist selbst in den sozialen Medien aktiv und klärt dort über Stoffwechselthemen auf. Hollstein zufolge müsse man keine gesundheitlichen Nachteile fürchten, wenn Süßstoffe gelegentlich als Zuckerersatz genutzt werden.
Der Mediziner warnte zudem vor der wachsenden Popularität von Ratschlägen rund um Blutzuckerspitzen bei gesunden Menschen, die unter anderem durch die französische Influencerin Jessie Inchauspé, bekannt als »Glucose Goddess«, verbreitet würden. Bei Menschen ohne Diabetes reguliere der Körper Blutzuckerschwankungen nach dem Essen selbstständig und zuverlässig. Eine besondere Essreihenfolge oder ein kontinuierliches Messen des Blutzuckers sei daher medizinisch überflüssig.
Laut Maximilian Huttasch, Arzt und Forscher am DDZ und ebenfalls in den Sozialen Medien aktiv, sei das Ziel vieler Kanäle nicht, über Fakten aufzuklären, sondern Produkte zu verkaufen oder auch einfach Aufmerksamkeit zu generieren. Laut einer Pressemeldung des DDZ bedienen zahlreiche Influencer häufig das Narrativ des unterdrückten Wissens: Ärzteschaft und Pharmaindustrie würden wichtige wissenschaftliche Erkenntnisse bewusst verschweigen, um eigene wirtschaftlichen Interessen zu schützen.
Auf Instagram, TikTok und Co. seien außerdem persönliche Erfahrungsberichte weit verbreitet, diese dienten dann als vermeintlicher Beweis, etwa Heilungsgeschichten ohne wissenschaftliche Belege. Laut DDZ zeigten Untesuchungen, dass drei von vier Menschen in Deutschland keine ausreichende Kompetenz besitzen, solche Informationen kritisch einzuordnen. All das schaffe gezielt Misstrauen gegenüber evidenzbasierter Medizin und senke die Hemmschwelle, unwirksame oder gar gefährliche Mittel zu kaufen und auszuprobieren, so Huttasch.