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Blutgefäße im Stress
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Warum Hitze das Schlaganfallrisiko erhöht

Heiße Tage und tropische Nächte sind für unser Blutgefäßsystem eine erhebliche Belastungsprobe. Hitze ist ein eigenständiger Risikofaktor für Herzinfarkt und Schlaganfall. Wie man vor allem ältere Personen besser schützen könne, erklärt ein Experte von der Deutschen Gesellschaft für Gefäßchirurgie und Gefäßmedizin.
AutorKontaktElke Wolf
Datum 17.06.2026  12:00 Uhr
Warum Hitze das Schlaganfallrisiko erhöht

Hitze erhöht das Risiko für kardiovaskuläre Ereignisse wie Herzinfarkt, Schlaganfall oder eine Beinvenenthrombose. »Schon ein Anstieg der Umgebungstemperatur um 1 °C erhöht die Sterblichkeit durch Herzinfarkt und Schlaganfall um mehr als 2 Prozent«, verdeutlichte Professor Dr. Alexander Oberhuber bei einer digitalen Pressekonferenz der Deutschen Gesellschaft für Gefäßchirurgie und Gefäßmedizin (DGG). »9 von 1000 Todesfällen aufgrund eines Schlaganfalls werden durch Hitze verursacht.« Besonders gefährdet sind ältere Menschen, da ihre körpereigenen Kompensationsmechanismen nur noch eingeschränkt funktionieren.

Es sei nicht nur die Erhöhung der Durchschnittstemperatur, sondern mehr noch Hitzespitzen mit tropischen Nächten, die die Bedrohung real machten, sensibilisierte der Direktor der Klinik für Vaskuläre und Endovaskuläre Chirurgie am Universitätsklinikum Münster. »Wenn sich der Körper nachts nicht ausreichend erholen kann, bleibt die Belastung für das Herz-Kreislauf-System bestehen – das erhöht nachweislich das Risiko für Schlaganfälle.« Eine aktuelle Studie des Helmholtz-Zentrums München zeigt, dass extreme nächtliche Hitze das Schlaganfallrisiko um 7 Prozent erhöht.

Bei hohen Temperaturen versucht der Körper, Wärme über Haut und Schweiß abzugeben. »Wer dann nicht genügend trinkt, dehydriert. Zudem kann es zu einer Hämokonzentration kommen – das Blut wird durch den Verlust flüssiger Anteile und damit einer relativen Zunahme der zellulären Anteile dickflüssiger«, erklärte Oberhuber die verstärkte Neigung zu Blutgerinnseln.

Endothel reagiert auf Hitze

Und noch mehr Triggerfaktoren, die auf subzellulärer Ebene ablaufen, führte der Gefäßspezialist ins Feld. »Bei sehr hohen Temperaturen kann es zur Schädigung oder Funktionsstörung des Endothels kommen.« Durch Entzündungsprozesse im gesamten Butgefäßsystem, etwa durch vermehrte Freisetzung von Endotoxinen aus dem Darm, komme es zu Mikroverletzungen der Gefäßinnenwand – was sich zu Mikrothrombosen und dann zu einem Thrombus aufsummieren könnte.

Vor allem ältere Menschen reagieren empfindlich auf Hitze, weil mit dem Lebensalter körpereigene Regulationsmechanismen nachlassen. Hinzu kommen häufig Bluthochdruck, Diabetes oder andere chronische Erkrankungen, die Herz und Gefäße belasten. »Verschärft wird das Problem durch die verringerte Fähigkeit, Temperaturen richtig wahrzunehmen – das Durstgefühl geht im Alter verloren«, so Oberhuber. Ob hohe Temperaturen das Herz-Kreislauf-Risiko speziell für Frauen erhöhen, sei nicht eindeutig geklärt. Diskutiert würden in diesem Zusammenhang Faktoren wie kleinere Gefäße, hormonelle Einflüsse und Schlafstörungen. Fakt sei zumindest, dass Frauen durch einen Schlaganfall häufiger versterben als Männer.

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