| Juliane Brüggen |
| 07.11.2026 09:00 Uhr |
Die Grapefruit ist eine Frucht mit Interaktionspotenzial. / © Getty Images/Yulia Reznikov
Die Grapefruit ist eine Frucht mit Interaktionspotenzial: So hemmen einige Inhaltsstoffe der Zitrusfrucht das Enzym CYP3A4. Neben dem Flavanon Naringenin und dem Glykosid Naringin wurden vor allem bestimmte Furanocumarine als verantwortliche Substanzen identifiziert, zum Beispiel Bergamottin. Letztere rufen eine irreversible Enzymhemmung hervor, die mehrere Tage anhalten kann.
Zu beachten ist, dass bei üblicher Verzehrmenge in erster Linie das intestinale CYP3A4-System gehemmt wird, während die Enzymaktivität in der Leber in der Regel unbeeinflusst bleibt. Die in der Darmschleimhaut lokalisierten CYP-Enzyme metabolisieren bestimmte Arzneistoffe bereits, bevor sie in den systemischen Kreislauf gelangen. Dieser Vorgang wird als präsystemische Metabolisierung oder intestinaler First-Pass-Metabolismus bezeichnet.
Die Hemmung des Enzyms kann sich dementsprechend auf die Bioverfügbarkeit von Arzneimitteln auswirken, die normalerweise über intestinales CYP3A4 metabolisiert werden. Häufig kommt es dadurch zu erhöhten Plasmaspiegeln und beispielsweise einem erhöhten Nebenwirkungsrisiko. In einigen Fällen kann die Arzneimittelwirkung aber auch vermindert sein, zum Beispiel, wenn intestinales CYP3A4 an der Bildung eines aktiven Metaboliten beteiligt ist.
Wichtig: Neben der CYP3A4-Hemmung können Grapefruit-Inhaltsstoffe auch die Aktivität von intestinalen Transportproteinen wie dem Efflux-Transporter P-Glykoprotein (P-gp) und dem Influx-Transporter OATP1A2 beeinflussen, was ebenfalls Interaktionen hervorrufen kann.
Von der Interaktion müssen nicht alle Wirkstoffe einer Arzneistoffklasse betroffen sein. Während beispielsweise die drei oben genannten Statine mit Grapefruit interagieren, ist dies bei Fluvastatin, Pravastatin oder Rosuvastatin nicht der Fall.
Studien weisen darauf hin, dass Grapefruit-Inhaltsstoffe neben CYP3A4 unter anderem auch CYP2C19 hemmen können (Tassaneeyakul 2000, Aurinsalo 2025). Für Clopidogrel, ein Prodrug, das über verschiedene CYP-Systeme, insbesondere CYP2C19, in den aktiven Metaboliten umgewandelt wird, konnte die Wechselwirkung mit Grapefruitsaft bei gesunden Probanden bestätigt werden: Bei wiederholtem Konsum war die Bildung des aktiven Metaboliten vermindert (Holmberg 2014, doi: 10.1038/clpt.2013.192). Vor diesem Hintergrund erscheint es sinnvoll, dass betroffene Patienten vorsichtshalber auf Grapefruitprodukte verzichten. In den Fachinformationen ist ein expliziter Hinweis auf die potenzielle Interaktion bisher nicht zu finden.
Die Wechselwirkung wurde erstmals 1989 als Zufallsbefund entdeckt (Bailey 1989). Die Forschenden wollten untersuchen, wie Ethanol die Pharmakokinetik von Felodipin, einem Calciumantagonisten, beeinflusst, und verwendeten dabei Grapefruitsaft als Vehikel. Dabei stießen sie unerwartet auf die pharmakokinetische Interaktion und konnten diese in Folgestudien bestätigen (zum Beispiel Bailey 1991).
Für Interaktionen mit Pomelo, einem Kreuzungsprodukt aus Grapefruit und Pampelmuse, ist die Datenlage zwar begrenzt, doch ist es aufgrund des ähnlichen Spektrums an Inhaltsstoffen plausibel, dass vergleichbare Interaktionen auftreten können.
Ist bei einem Arzneimittel eine relevante Grapefruit-Interaktion bekannt oder rät die Fachinformation vom gleichzeitigen Verzehr ab, sollte im Beratungsgespräch darauf hingewiesen werden, dass Grapefruit und Grapefruitprodukte sowie Pomelo komplett zu meiden sind.
Quellen: Weitschies/Mehnert, Arzneimittelwechselwirkungen mit der Nahrung, 2014; Smollich/Podlogar, Wechselwirkungen zwischen Arzneimitteln und Lebensmitteln, 2020