| Barbara Döring |
| 27.04.2026 12:00 Uhr |
Erhöhte Temperatur oder Bauchschmerzen? Manche Hausmittel helfen schon Babys, dort Vorsicht ist geboten. / © Getty Images/Smitt
Ein kühlender Wadenwickel bei Fieber kann angenehme Linderung verschaffen. Doch was Erwachsenen oder auch größeren Kindern hilft, kann mitunter für Babys gefährlich werden. Gerade altbewährte Hausmittel haben den Ruf, mild und harmlos zu sein. Doch wenn es um Beschwerden bei den Kleinsten geht, sollten Eltern Empfehlungen etwa aus den sozialen Medien kritisch hinterfragen.
Viele Hausmittel sind zwar traditionell beliebt, ihre Wirksamkeit und Sicherheit sind jedoch selten wissenschaftlich erforscht oder es gibt nur wenige gute Studien, sodass die Evidenz gering ist. Gerade die ersten sechs Monate sind Babys besonders sensibel. Später können manche Hausmittel an sich zwar hilfreich sein, bei unsachgemäßer Anwendung dennoch Gefahren bergen. Bei Babys und Kleinkindern sollten Eltern im Zweifel den Kinderarzt fragen, welche Mittel und Maßnahmen unbedenklich sind.
Zeigen sie nicht die erwünschte Wirkung oder hat das Kind starke Beschwerden, sollten Eltern immer ärztlichen Rat einholen. Haben Babys unter drei Monaten Fieber mit Temperaturen ab 38 °C, sollten Eltern immer sofort den Arzt aufsuchen oder den Notdienst rufen. Bei älteren Babys und Kleinkindern bis zwei Jahren ist in der Regel ab 38,5 °C die Rede. Ärztliche Hilfe ist bei ihnen gefragt, wenn das Fieber länger als einen Tag anhält oder bei älteren Kindern länger als drei Tage.
Kühlende Wickel sind ein wirksames Hausmittel bei Fieber, akuten Halsschmerzen oder Prellungen. Sie lindern die Beschwerden meist recht schnell. Allerdings sind sie erst für Kinder ab sechs Monaten geeignet, da sie bei den Kleinsten den Kreislauf zu stark belasten oder zu Unterkühlung führen könnten.
Eltern sollten sie prinzipiell nur so temperieren, dass die Kälte das Kind nicht »schockt« oder es zu frieren beginnt. Von kühlen Wickeln oder Auflagen ist abzuraten, wenn das Kind die Kälte als unangenehm empfindet. Die Anwendung ist zudem nur an warmen Körperstellen geeignet und wenn das Kind keinen Schüttelfrost hat.
In der Naturheilkunde werden Wickel und Umschläge oft mit zerkleinerten Pflanzenteilen, Extrakten oder Ölen ausgewählter Heilpflanzen bestrichen, um Fieber zu senken oder Erkältungssymptome zu lindern. So kann ein Wickel mit Senfmehl bei Kindern ab etwa sechs Jahren festsitzenden Schleim bei einem Atemwegsinfekt lösen.
Für Babys und Kleinkinder ist dieses Hausmittel nicht geeignet, da es bei längerem Kontakt mit der Haut Verätzungen verursachen kann. Das Gleiche gilt für Wickel mit Pfeffer, Walnussschalen, Rosmarin, Echtem Lorbeer, Hahnenfuß oder Kuhschellen, wie die Österreichische Gesellschaft für Kinder- und Jugendheilkunde in einer Pressemeldung mitteilt.
Besondere Vorsicht ist geboten, wenn es um ätherische Öle geht. Die Anwendung ist bei Säuglingen und Kindern unter drei Jahren tabu. Unverdünnt sind vor allem Kampfer, Menthol (Pfefferminzöl) und Eukalyptus giftig. Auch verdünnt, etwa in Erkältungsmitteln, können sie vor allem für Babys und Kleinkinder gefährlich werden.
Beim Einatmen der Öldämpfe besteht die Gefahr eines Stimmritzenkrampfs mit akuter Atemnot, bei der das Kind blau anläuft. Dann ist umgehend der ärztliche Notdienst 112 zu rufen. Auch auf die Haut aufgebracht oder verschluckt lösen ätherische Öle mitunter starke Reaktionen und Erbrechen aus. Gelangen Spritzer auf Haut oder Augen, sollten sie sofort mit fließendem Wasser abgespült werden. Gerade bei Erkältungspräparaten sollte immer geprüft werden, ob sie speziell für Kinder beziehungsweise Babys ausgewiesen sind.
Essigsöckchen als Fiebersenker? Dieses vermeintliche Hausmittel taucht immer mal wieder in den sozialen Medien auf. Für Säuglinge und Kinder ist es in jedem Fall tabu.
So berichteten bereits mehrere Kliniken von Verätzungen bei Kindern, bei denen über längere Zeit mit Essig getränkte Socken an der Haut belassen wurden. Dabei kam zum Teil hochkonzentrierte Essigessenz mit bis zu 25 Prozent Säuregehalt zum Einsatz. Doch auch schon milder Apfelessig mit etwa 5 Prozent Säure kann vor allem bei Säuglingen und Kleinkindern zu schweren Hautirritationen führen, die mitunter bleibende Narben hinterlassen.
Betroffen waren vor allem die Bereiche, an denen die Bündchen anliegen, in einem Fall auch der Windelbereich, weil der Wickel der Windel beigelegt wurde. Mediziner weisen darauf hin, Wickel für Kinder keinesfalls mit Essigwasser, Essigessenz oder Apfelessig zu tränken.
Auch Zwiebelsöckchen, für die eine leicht erwärmte Zwiebelscheibe auf die Fußsohlen – nicht jedoch auf die Zehen – gelegt und mit einer Socke fixiert wird, sind erst für Babys ab sechs Monaten geeignet.
Arzneitees zur kurzfristigen Anwendung bei Erkältungen oder Magen-Darm-Beschwerden können ab dem vierten oder sechsten Lebensmonat gegeben werden. In der Regel wird für gestillte Babys jedoch erst zusätzliche Flüssigkeit empfohlen, wenn der dritte Brei eingeführt ist.
Besonders Kamille ist ein bewährter Klassiker bei Blähungen und Bauchschmerzen. Der einstmals beliebte Fencheltee, der Magen-Darm-Beschwerden und Husten lindern soll, wird für Säuglinge und Kinder unter vier Jahren inzwischen nicht mehr empfohlen.
Im Jahr 2023 bestätigte die Europäische Arzneimittelagentur die krebserregende Wirkung des enthaltenen natürlichen Aromastoffs Estragol bei Mäusen. Da der Estragol-Gehalt von Fencheltee stark schwanken kann, nehmen Säuglinge und Kleinkinder mit geringem Körpergewicht unter Umständen schnell relativ große Mengen davon auf.
Bei Kindern bis elf Jahren sollten Eltern den Tee sehr zurückhaltend und nur in kleinen Mengen geben. Stillende Frauen sollten ebenfalls vollständig darauf verzichten.
Kratzt es im Hals oder ist Husten produktiv, schwört so mancher auf eine Tasse heiße Milch mit Honig. Für Babys unter zwölf Monaten ist Honig jedoch tabu, da er Spuren des Bakteriums Clostridium botulinum enthalten kann und eine lebensgefährliche Muskellähmung, den Säuglingsbotulismus, auslösen kann. Nach dem ersten Geburtstag ist der Darm weit genug entwickelt, sodass Honig in der Regel unbedenklich ist.
Manch ein Hausmittel ist tatsächlich milde genug, um auch den empfindlichen Atemwegen und der sensiblen Haut von Babys schon im ersten halben Jahr sanfte Linderung zu verschaffen.