Social Media hat ihr geholfen, sich selbst zu reflektieren und wieder Freude am Beruf zu haben: PTA Jessica Werle. / © Monique Hertel
»Manchmal braucht es einen Perspektivwechsel, um die Liebe zum eigenen Beruf wiederzuentdecken. Bei mir waren es der Wechsel der Arbeitsstelle und die völlig neue Instagram-Leidenschaft, die mir die Freude am Beruf wiedergegeben haben«, erzählt Jessica Werle aus dem badischen Forst. Wie geht das überhaupt – durch Instagram den Beruf neu entdecken?
»Ich bin seit rund fünf Jahren auf Instagram aktiv. Damals war meine Motivation, den PTA-Beruf in der Öffentlichkeit bekannter zu machen. Denn es ist ja doch oft so, dass die meisten Menschen mit dem Kürzel PTA nichts bis wenig anfangen können. In meinem Account habe ich dann Erlebnisse aus meinem Berufsalltag dargestellt. Und das hat tatsächlich etwas in mir ausgelöst: Ich habe sozusagen durch meine eigenen Beiträge die Leidenschaft für meinen Beruf wieder zurückgewonnen – weil ich gespiegelt bekam, dass die Sachen, die ich tagtäglich erlebe, gar nicht selbstverständlich, sondern eigentlich wunderschön sind.«
Jessica Werle war beruflich nicht von Anfang an auf Apotheke gepolt. Ursprünglich wollte sie Augenoptikerin werden. »Als Brillenträgerin habe ich mich immer auf die Termine beim Optiker gefreut. Mich hat es fasziniert, wie schnell man allein durch ein neues Brillenmodell eine Typveränderung hervorrufen kann.« Weil sie allerdings auf ihre Bewerbung für einen Ausbildungsplatz keine Zusage bekam, folgte sie dem Rat der Berufsberatung und bewarb sich als PKA in einer Apotheke.
Dort habe sie relativ schnell festgestellt: »Ich will nicht nur hinten sein, sondern nach vorne zu den Kunden. Ich habe den Handverkauf und den Kontakt mit den Kunden immer als eine Art Bühne gesehen – auch wenn es nur ein kleines Publikum ist«, so Werle. Insofern war die zweite Ausbildung zur PTA die logische Konsequenz. »Der Kontakt zu Menschen und ihnen etwas Positives mitzugeben, ist der Hauptgrund, warum ich PTA geworden bin.«
Nach 18 Jahren in der gleichen Apotheke kam dann der Einbruch – in Form von Ernüchterung und der Frage, ob das denn alles gewesen sein kann. »Immer der gleiche Trott: Gefühlt kannte ich jeden Ablauf, wusste, wo die Probleme liegen, und konnte jeden Kunden mit Namen benennen. Ich war müde vom Alltag«, beschreibt sie die damals aufkommenden Zweifel an ihrem Beruf.
Der Alltagsmüdigkeit begegnete sie damals mit dem Wechsel in ein anderes Apothekenteam. So kamen die neuen Herausforderungen ganz allein. »Anfangs hatte ich schon ein mulmiges Gefühl. Denn mit meinen Kolleginnen der alten Arbeitsstätte war ich auch privat sehr eng. Das war für mich schon ein großer Schritt, aus diesem ganzen Team herauszugehen. Aber mir war klar: Wenn ich mich selbst entwickeln möchte, muss ich das Umfeld wechseln.« Es hat sich gelohnt: Die Freude am Beruf ist bei der mittlerweile 42-Jährigen wieder da.
Als eigentlichen Gamechanger wertet sie ihre Aktivitäten bei Instagram, die Möglichkeiten, mit anderen zu kommunizieren und zu netzwerken. »Man tauscht über die Kommentarfunktion oder Direktnachrichten so viel an Erfahrungen aus – auch Dinge, die man im Kollegenkreis nicht unbedingt anspricht. Da ergibt sich eine ganz neue PTA-Community. Und man merkt: Man ist nicht allein; es gibt so viele andere PTA, die den Beruf genauso mögen und ihn für andere spiegeln möchten, wie man selbst. Natürlich besteht bei Instagram der Kampf um Likes. Dennoch finde ich wichtig, dass wir uns als Gruppe sehen und präsentieren. Im Endeffekt wollen wir ja alle das Gleiche.«
Besonderes Highlight sind für sie deshalb Messebesuche wie jetzt die anstehende Expopharm. »Weil man sich dann persönlich trifft.« Über die Jahre sei ein gutes Netzwerk entstanden, zu manchen fast schon freundschaftlich. »So gratulieren wir uns zum Geburtstag oder sprechen uns zum Beispiel mit der Hotelbuchung ab, damit man abends nicht allein ist«, gewährt sie Einblick.
Laut Werle bietet Social Media eine neue Möglichkeit, sich mitzuteilen, auf Probleme innerhalb des Berufs oder des Gesundheitssystems aufmerksam zu machen und dabei selbst als Sprachrohr zu fungieren. »So kann man etwas bewegen. Denn man kommt mit Menschen in Kontakt, die man früher nie erreicht hätte.«