Im Schub leiden Patienten mit einer Colitis ulcerosa oder Morbus Crohn oft unter starken krampfartigen Bauchschmerzen. / © Getty Images/Jacob Wackerhausen
Chronisch-entzündliche Darmerkrankungen (CED) umfassen Morbus Crohn, Colitis ulcerosa, die Colitis indeterminata als deren Mischform und gemäß einiger Definitionen auch die mikroskopische Kolitis. Mit 400.000 Betroffenen ist die Colitis ulcerosa in Deutschland die häufigste Form, gefolgt von Morbus Crohn mit 250.000 Betroffenen. Die anderen Formen sind deutlich seltener. Eine CED kann in jedem Alter auftreten – ein Erkrankungsgipfel liegt zwischen 15 und 35 Jahren, ein zweiter bei Über-60-Jährigen. Auch Kinder können erkranken, Mädchen eher an Colitis ulcerosa, Jungen eher an Morbus Crohn.
Wie genau eine CED entsteht, ist unklar. Es scheint ein multifaktorielles Zusammenspiel zu sein: So kann eine genetische Veranlagung vererbt werden – etwa 10 bis 20 Prozent der CED-Erkrankten haben einen Verwandten ersten Grades mit CED. Ein Risikofaktor scheint auch eine häufige Antibiotika-Einnahme in der Kindheit zu sein. Diskutiert wird zudem auch ein suboptimales Mikrobiom, wobei bis heute Standardreferenzwerte für eine optimale Mikrobiomzusammensetzung fehlen. Eine gestörte Darmbarriere (die sogenannten tight junctions zwischen den Darmepithelzellen sind geschädigt) und eine gestörte angeborene Immunität tragen zur Entstehung bei.
Risikofaktoren sind auch Stress, eine fettreiche Ernährung und Bewegungsarmut. NSAR scheinen die Wahrscheinlichkeit für eine CED und für Exazerbationen bei bestehender CED zu erhöhen. Rauchen erhöht das Risiko für Morbus Crohn. Ein Rauchstopp kann den Eintritt in die Ruhephase bei dieser CED-Form fördern.
Die Colitis ulcerosa verläuft meist schubweise in Phasen mit geringen oder fehlenden Beschwerden und in Phasen mit stärkeren oberflächlichen Entzündungen samt Geschwürbildungen der Dickdarmschleimhaut. Diese beginnt im Mastdarm und breitet sich kontinuierlich über den Dickdarm aus, selten bis zum Enddünndarm. Psychische Faktoren können einen Schub einleiten oder verstärken.
Häufige Symptome sind meist blutig-schleimige Durchfälle, quälender Stuhlgang, vor allem im linken Unterbauch Bauchkrämpfe, selten Analschmerz und Inkontinenz. Zudem Fieber, schwere Austrocknung des Körpers (Exsikkose) durch starken Flüssigkeitsverlust, Gewichtsverlust, Müdigkeit, Abgeschlagenheit, Fatigue sowie Blutarmut bei sehr schweren Krankheitsschüben. Extraintestinale Krankheitsausprägungen sind möglich: Gelenkentzündungen, Haut- und Augenentzündungen, chronische Entzündungen der Gallenwege.
Morbus Crohn kann im Gegensatz zur Colitis ulcerosa vom Mund bis zum After alle Abschnitte des Verdauungstraktes betreffen. Die Entzündung findet dort in allen Wandschichten statt, jedoch segmental, das heißt, Abschnitte mit und ohne Entzündung wechseln sich ab. Schübe sind möglich, auch lang anhaltende. Die Erkrankung startet meist im Enddünndarm beziehungsweise im Bereich der Klappe zwischen Dünn- und Dickdarm.
Oft haben Betroffene Durchfälle, jedoch selten blutige, vor allem Bauchschmerzen im rechten Unterbauch, Analschmerzen und anale Sekretionen bei Abszessen oder Fisteln. Fieber, Gewichtsverlust, Müdigkeit, Abgeschlagenheit und Fatigue kommen bei schweren Schüben hinzu. Ist vor allem der Dünndarm betroffen, ist eine Aufnahmestörung der Nährstoffe mit Gewichtsverlust oder eine Resorptionsstörung von Spurenelementen, Mineralstoffen und wichtigen Vitaminen (fettlösliche sowie B12) möglich.