| Verena Schmidt |
| 16.06.2026 08:00 Uhr |
Die hochansteckende Chronic Wasting Disease befällt vor allem Hirsche, Rentiere und Elche. In Nordamerika ist die Erkrankung bereits seit 1967 bekannt. / © Getty Images/Philip Dumas
Ursache der CWD sind, wie auch bei BSE (Bovine Spongiforme Enzephalopathie, »Rinderwahn«), fehlgefaltete Proteine. Diese sogenannten Prionen zerstören gesunde Proteine im Gehirn. Die Erkrankung wird oral von Tier zu Tier übertragen, etwa durch Einatmen oder Schlucken von infiziertem Blut, Urin, Kot oder Speichel. Für infizierte Tiere endet sie immer tödlich. Fälle wurden bereits in den USA, Kanada, Südkorea, Norwegen und Finnland registriert. Erkrankte Tiere verhalten sich oft apathisch. Sie verlieren ihre natürliche Scheu vor Menschen, speicheln stark und zeigen Koordinationsstörungen. Außerdem nehmen sie stark ab, obwohl sie weiterhin fressen.
Prionenkrankheiten können prinzipiell auch auf den Menschen überspringen. Ein bekanntes Beispiel: In den 1990er- und 2000er-Jahren starben mehr als 200 Menschen an einer Variante der Creutzfeldt-Jakob-Krankheit, mutmaßlich ausgelöst durch den Verzehr von Fleisch von an BSE erkrankten Rindern.
Auch bei der CWD gibt es Hinweise darauf, dass es eine Zoonose sein könnte, also dass der Erreger auch auf den Menschen übertragen werden kann. In den USA waren 2022 zwei Jäger gestorben, nachdem sie Hirschfleisch aus einer von CWD betroffenen Population gegessen hatten. Dennoch haben Experten das Risiko einer Übertragung bislang als gering eingestuft.
In einer aktuellen Studie der kanadischen University of Calgary hat ein Forscherteam nun genauer das zoonotische Potenzial von CWD untersucht. In einer Reihe von Experimenten hatten die Wissenschaftler Makaken Gewebe von infizierten Elchen und Hirschen per Futter oder direkt per Hirnsonde verabreicht. Im Fachjournal »Science Advances« berichten die Forschenden, dass die meisten Makaken zwar symptomfrei blieben, dennoch ließen sich auch noch nach einigen Jahren geringe Prionenkonzentrationen in ihrem Gewebe nachweisen. Insgesamt deuten die Experten aus den Ergebnissen, dass das Risiko einer Übertragung von CWD auf Primaten, und damit auch auf Menschen, zwar gering ist; ausschließen kann man es aber wohl nicht.
Prionen können prinzipiell lange in der Umwelt überleben und sind durch auch übliche Desinfektionsmittel schwer zu beseitigen. Erkrankte Tiere sollen in betroffenen Gebieten mit Alkohol, Formalin, Kaliumpermanganat, Wasserstoffperoxid, Ethylenoxid oder Chlordioxid desinfiziert und anschließend verbrannt werden. Das Fleisch von offensichtlich erkrankten Tieren soll nicht verzehrt werden, Jäger sollten beim Ausweiden Latexhandschuhe tragen und das Messer anschließend mit Chlorbleichlauge (Javelwasser) desinfizieren.