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Raus aus der Alkoholsucht
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Keine Frage der Disziplin

Typisch für eine Abhängigkeit ist, dass Betroffene ihren Konsum herunterspielen – und nach Gründen suchen, die beweisen, dass das Verhalten nicht problematisch ist. Doch das ist kontraproduktiv, wie ein Experte erklärt. 
AutorKontaktdpa
Datum 26.06.2026  12:00 Uhr

Wichtig ist, die Abhängigkeit anzuerkennen, um einen Weg aus der Sucht herauszufinden. »Der erste Schritt ist, sich einzugestehen, dass man süchtig ist«, sagt Bajram Vuthaj, Facharzt für Neurologie, Psychiatrie und Psychotherapie sowie Chefarzt an der Median Rhein-Haardt-Klinik in Bad Dürkheim.

Es gibt eine klare Definition, wann eine Alkoholabhängigkeit vorliegt – mindestens drei der folgenden sechs Kriterien müssen in den letzten zwölf Monaten erfüllt sein:

  • Es besteht ein sehr starkes, unbezwingbares Verlangen nach Alkohol.
  • Es wird mehr getrunken als geplant – es kommt zum regelmäßigen Kontrollverlust.
  • Immer größere Mengen werden benötigt, um dieselbe Wirkung zu spüren – es gibt eine Toleranzentwicklung.
  • Ohne Alkohol treten Entzugserscheinungen auf – etwa Symptome wie Zittern, Schwitzen, Unruhe oder Schlafstörungen.
  • Im Alltag geht es nur noch darum, Alkohol zu beschaffen und zu konsumieren – Interessen und Freunde werden vernachlässigt.
  • Obwohl der Konsum gesundheitliche, berufliche oder familiäre Probleme hervorruft, wird weitergetrunken.

Man muss also weder harten Alkohol noch jeden Tag trinken, damit eine Alkoholsucht vorliegt. Entscheidend ist, welche Auswirkungen der Konsum auf den Körper und auf das Leben hat.

Professionelle Hilfe in Anspruch nehmen

Eine Sucht zu überwinden, sei keine Frage der Disziplin, so Bajram Vuthaj. Vielmehr erfordert dies professionelle Hilfe. Psychosomatische Fachkliniken bieten ihm zufolge spezialisierte Programme an, die Betroffenen helfen, die Ursachen hinter der Sucht zu verstehen und neue Bewältigungsstrategien zu finden.

In der Regel übernehmen Rentenversicherungsträger oder Krankenkassen die Kosten für eine solche Therapie – der Arbeitsplatz bleibt dem Facharzt zufolge währenddessen gesetzlich geschützt.

Zudem können Gespräche in Selbsthilfegruppen helfen. Die Teilnehme ist kostenlos, schreibt die Deutsche Hauptstelle für Suchtfragen auf ihrer Website zur Präventionskampagne Aktionswoche Alkohol. Der Fokus kann auf unterschiedlichen Zielgruppen liegen – etwa auf Angehörigen, Betroffenen, Jugendlichen oder nur auf Frauen oder Männern – und so auf die Bedürfnisse der Teilnehmerinnen und Teilnehmer eingehen.

Adressen in der Nähe findet man bei den Sucht-Selbsthilfeverbänden – hier eine kleine Auswahl:

  • Anonyme Alkoholiker
  • Deutscher Frauenbund für alkoholfreie Kultur
  • Bundesverband der Elternkreise suchtgefährdeter und suchtkranker Söhne und Töchter (BVEK)
  • Deutsches Rotes Kreuz
  • Blaues Kreuz in Deutschland (BKD)
  • Narcotics Anonymous
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