Das zunehmende Thromboserisiko schließt manche Verhütungsmittel für Frauen in den Wechseljahren aus. / © Getty Images/Science Photo Library
Die Chancen, jenseits der 40 noch schwanger zu werden, liegen statistisch betrachtet bei nur rund 2 Prozent pro Menstruationszyklus. Dennoch können die Eierstöcke bis zur endgültig letzten Periodenblutung, also der Menopause, befruchtungsfähige Eizellen produzieren. Der Großteil der Embryonen ist allerdings genetisch nicht mehr intakt – was die Fehlgeburtenrate erhöht.
»Mit 55 Jahren sind 95 Prozent der Frauen über die Menopause hinweg. Deshalb ist dieses Alter die gedachte Grenze für eine erforderliche Kontrazeption«, erklärte Professorin Dr. Petra Stute von der Universitätsfrauenklinik Bern bei einem Webcast des gemeinnützigen Vereins Menoqueens, der sich der Aufklärung rund um das Thema Klimakterium widmet. Oder anders ausgedrückt: »Vor dem 50. Lebensjahr braucht man eine zweijährige Amenorrhö, um sicher auf Verhütung verzichten zu können. Nach 50 sollte die Frau ein Jahr amenorrhöisch sein, um keine Verhütung mehr betreiben zu müssen.«
Mit dem Lebensalter der Anwenderin verschiebt sich jedoch das Nutzen-Risiko-Verhältnis besonders für die Hormonpräparate, die sowohl eine Estrogen- als auch eine Gestagenkomponente enthalten, also Pille, Vaginalring und Hormonpflaster. Da das Risiko für Thromboembolien sowohl auf der venösen als auch auf der arteriellen Seite ohnehin ab der Lebensmitte steigt, würde durch die kombinierten Hormongaben ein zusätzlicher Risikofaktor geschaffen.
»Alter per se ist keine Kontraindikation für jegliche Art von hormoneller Verhütung. Kommt allerdings ein weiterer Risikofaktor wie Rauchen, Übergewicht, Hypertonie, eine Fettstoffwechselerkrankung oder eine genetische Blutgerinnungsstörung hinzu, wiegt der Faktor Alter schwerer und es kann daraus schnell eine relative oder absolute Kontraindikation für die Kombipräparate entstehen«, informierte die Gynäkologin. »Dann könnte bereits vor der Perimenopause die Entscheidung sein, etwa zu einem reinen Gestagen-Präparat zu wechseln.«
Vor allem das synthetische Estrogen Ethinylestradiol steht bei der Nutzen-Risiko-Abwägung für ein Verhütungspräparat im Fokus. »Es verändert die Gerinnung im Blut stärker als die bioidentischen Estrogene Estradiol und Estetrol sowie Gelbkörperhormone. Deshalb stellt man die Frau spätestens mit dem 50. Lebensjahr auf ein Ethinylestradiol-freies Verhütungspräparat um oder gleich auf eine Hormonersatztherapie ein. Auch bei einer Frau, die über 40 Jahre alt ist und wieder verhüten möchte, beginnt man nicht mit einer Ethinylestradiol-haltigen Pille.«
Stute berichtete von einer aktuellen Metaanalyse, die die Daten von mehr als 560.000 Frauen beinhaltet. Danach konnten Estradiol-haltige Kombipräparate das Risiko für venöse Thromboembolien allgemein signifikant um 33 Prozent senken, nach Berücksichtigung individueller Risikofaktoren sogar um 49 Prozent im Vergleich zu Ethinylestradiol-haltigen Präparaten.