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Vielseitige Beziehungen
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Leber und Medikamente

Die Leber weist einige Besonderheiten auf: Sie dient gleichermaßen als Produktionsstätte, Speicher sowie als Abbauort. Für die Arzneimitteltherapie spielt sie eine große Rolle, denn sowohl die individuell richtige Dosierung von Wirkstoffen als auch mögliche Wechselwirkungen hängen häufig von der Leber ab.
AutorKontaktAnnette Immel-Sehr
Datum 29.07.2022  15:00 Uhr

Genetische Unterschiede

Bei der Metabolisierung gibt es genetisch bedingt mitunter erhebliche individuelle Unterschiede. Sie sind ein Hauptgrund, warum Menschen auf Medikamente unterschiedlich reagieren: Manche Personen sprechen auf eine Therapie an, andere nicht. Manche vertragen ein Arzneimittel nicht, das bei anderen keinerlei Nebenwirkungen zeigt. Der Grund sind Polymorphismen der Gene. Zum Beispiel gibt es eine große Variabilität bei den Genen, die die Isoenzyme CYP2D6 und CYP2C19 codieren. In der Folge entstehen aktivere beziehungsweise schwächere oder sogar funktionslose Varianten der Enzyme.

Ob ein Arzneistoff schnell oder langsam biotransformiert wird, hat natürlich Einfluss auf den Blutspiegel. Ein relativ langsamer Abbau eines Wirkstoffs kann dazu führen, dass sich das Medikament im Körper anhäuft, was die Nebenwirkungsrate erhöht. Ein extrem schneller Abbau führt hingegen zur Wirkungslosigkeit. In der klinischen Pharmakologie unterscheidet man zwischen schnellen und langsamen Metabolisierern. Um diese Patientengruppen wirksam und sicher behandeln zu können, müssen die Dosierungen angepasst werden.

Ob solche pharmakogenetischen Unterschiede praktisch relevant werden, hängt davon ab, wie stark das betroffene Enzym am Abbau des Arzneistoffs beteiligt und wie groß die therapeutische Breite des Arzneistoffs ist. Auch die Frage, ob aktive Metaboliten gebildet werden, spielt hier eine Rolle. Genetisch bedingte Subformen von Cytochrom-Isoenzymen lassen sich relativ einfach molekulargenetisch in einer Blutprobe bestimmen. Allerdings ist dies noch relativ teuer und wird nur von einem Teil der privaten Krankenkassen und gar nicht von den gesetzlichen Krankenkassen übernommen. Möglicherweise ändert sich dies in Zukunft, wenn solche Tests preiswerter werden. Es wäre ein großer Nutzen für die Wirksamkeit und Sicherheit einer Arzneitherapie, wenn bei Verdacht auf einen Genpolymorphismus geklärt werden könnte, wie die Dosis angepasst werden muss oder welche Arzneistoffe für einen Patienten möglicherweise geeigneter sind. /

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