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Meereskieferextrakt im Check
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Lohnt sich die Einnahme von Pycnogenol?

Venenleiden, Wechseljahre, Arthrose: Nahrungsergänzungsmittel mit Pycnogenol sollen bei vielen verschiedenen Beschwerden helfen. Was ist dran am vermeintlichen pflanzlichen Vielkönner?
AutorKontaktVerena Schmidt
Datum 26.06.2026  08:05 Uhr
Lohnt sich die Einnahme von Pycnogenol?

Pycnogenol® ist ein patentierter Extrakt der Schweizer Firma Horphag Research. Er wird aus der Rinde der französischen Meereskiefer (Pinus pinaster subsp. atlantica) gewonnen. Die Pflanze stammt aus dem westlichen Mittelmeerraum und wird bis zu 300 Jahre alt. Die Rinde wird als Rohstoff bevorzugt, da sie im Gegensatz zu anderen Pflanzenteilen keinen jahreszeitlichen Schwankungen unterliegt und eine gleichbleibende Qualität gewährleistet. Pycnogenol entspricht der Monografie »Maritime Pine Extract« der United States Pharmacopeia (USP).

Pinienrindenextrakte werden bereits seit Jahrhunderten in der traditionellen Medizin eingesetzt. Heute gibt es weltweit zahlreiche Produkte mit dem standardisierten Extrakt Pycnogenol. In Deutschland sind diese als Nahrungsergänzungsmittel (NEM) im Handel. In der Apotheke gibt es Monopräparate (zum Beispiel Dragees von Pharma Nord oder Kapseln von Pure Encapsulations®) und auch verschiedene Kombinationspräparate (zum Beispiel Santurel Pycnogenol® + Acerola, Biotics OPC Plus™).

Der Extrakt wird vor allem wegen seiner antioxidativen und entzündungshemmenden Eigenschaften geschätzt. Verantwortlich dafür sind hauptsächlich oligomere Procyanidine (OPC). Sie gehören zur Klasse der Polyphenole und machen mengenmäßig den größten Teil der Inhaltsstoffe aus. Zudem sind Biflavonoide sowie verschiedene Phenolcarbonsäuren enthalten.

Die für Pycnogenol beworbenen Anwendungsgebiete sind weit gestreut: Am bekanntesten ist wohl der Einsatz im Bereich der Venengesundheit, bei schweren Beinen und zur Durchblutungsförderung. Daneben wird unter anderem mit den Einsatzgebieten Konzentration und Gedächtnis, trockene Haut, Gelenkbeschwerden, Allergien und Wechseljahresbeschwerden geworben. Und die neuesten Studien legen positive Effekte bei Cellulite und Lipödem nahe.

Ein Mittel für alles?

Tatsächlich gibt es recht viele, auch klinische Studien, die die Wirkungen des patentierten Meereskieferextrakts bei den verschiedensten Beschwerden untersucht haben. Eine aktuelle Metaanalyse aus 2024 etwa fasst 39 randomisierte, doppelblinde und placebokontrollierte Studien mit rund 2000 Teilnehmenden zusammen. Demnach hatte eine zweiwöchige bis sechsmonatige Supplementierung mit dem Pycnogenol-Extrakt »positive Effekte auf die Herz-Kreislauf-Gesundheit, chronische Veneninsuffizienz, kognitive Funktionen, Gelenkgesundheit, Hautgesundheit, Augengesundheit, Frauengesundheit, Atemwegsgesundheit und Allergien, Mundgesundheit sowie die sportliche Leistungsfähigkeit« heißt es in der im Fachjournal »Frontiers in Nutrition« veröffentlichten Untersuchung. Mehrere In-vitro-, In-vivo- und klinische Studien hätten gezeigt, dass der Extrakt antioxidative Wirkungen, entzündungshemmende Eigenschaften, positive Auswirkungen auf die Endothelfunktion und stärkende Effekte auf die extrazelluläre Matrix habe.

Wichtig zu wissen ist in diesem Zusammenhang allerdings auch, dass die meisten Studien recht klein sind und in vielen Fällen von dem Herstellerunternehmen Horphag finanziert wurden. Die renommierte Cochrane Collaboration jedenfalls kam in ihrem Review aus dem Jahr 2012 zu dem Schluss, dass die Datenlage nicht ausreicht, um die Verwendung von Pycnogenol zur Behandlung chronischer Erkrankungen – darunter etwa Asthma, kardiovaskuläre Erkrankungen, Diabetes, chronische Venenschwäche, Osteoarthritis und sexuelle Dysfunktion – zu empfehlen.

2020 wurde der Cochrane-Review noch einmal aktualisiert – mit ähnlichem Ergebnis. »Aufgrund der geringen Stichprobengrößen, der begrenzten Anzahl von randomisierten kontrollierten Studien (RCT) pro Indikation, der unterschiedlichen Endpunkte sowie der unzureichenden Berichterstattung über die einbezogenen RCT lassen sich keine endgültigen Schlussfolgerungen hinsichtlich der Wirksamkeit oder Sicherheit von Nahrungsergänzungsmitteln mit Kiefernrindenextrakt ziehen.«

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