| Caroline Wendt |
| 20.05.2026 16:00 Uhr |
Entgegen der verbreiteten Annahme, dass trockene Haut möglichst wenig mit Wasser in Kontakt kommen sollte, kann regelmäßiges Baden bei Ichthyosis den Hautzustand verbessern. Die S1-Leitlinie empfiehlt regelmäßige lauwarme Bäder oder Duschen sogar als Bestandteil der Basistherapie: Durch das Einweichen der Hornschicht werden die Schuppen aufgeweicht und lassen sich anschließend leichter entfernen. Gleichzeitig werden Rückstände von Pflegeprodukten und Schuppenmaterial reduziert.
Badezusätze wie Kochsalz oder Natriumhydrogencarbonat werden traditionell eingesetzt und können das Aufweichen der Schuppen unterstützen. Ölbäder können die Haut zusätzlich rückfetten, sind jedoch hinsichtlich der Schuppenlösung weniger effektiv. Im Anschluss an das Bad kann die Haut vorsichtig mechanisch mit weichen Schwämmen von gelockerten Schuppen befreit werden. Bei Kindern ist dabei besonders auf eine sanfte Vorgehensweise zu achten. Bei stärker ausgeprägten Verläufen kann das feucht-warme Klima eines Dampfbades subjektiv als angenehm empfunden werden, sollte jedoch individuell verträglich sein.
Des Weiteren können PTA Betroffenen und Eltern von Kindern mit Ichthyose den Kontakt zur Selbsthilfe Ichthyose ans Herz legen. Der Austausch kann neben nützlichen (Alltags-)Tipps bei psychosozialen Problemen entlasten.
Neben der Ichthyosis vulgaris und der X-chromosomalen Ichthyose existieren zahlreiche seltene bis sehr seltene Ichthyose-Formen, die in der Regel durch spezialisierte Ärzte oder Kliniken betreut werden. Als schwerste Verlaufsform gilt die Harlekin-Ichthyose, die bereits bei der Geburt mit massiven Verhornungsstörungen einhergeht und eine sofortige intensivmedizinische Versorgung erfordert.
Ein besonderer Übergangszustand ist das sogenannte Kollodiumbaby, bei dem Neugeborene von einer straffen, pergamentartigen Membran überzogen sind. Dahinter verbirgt sich häufig eine kongenitale autosomal-rezessive Ichthyose (ARCI), eine seltene Gruppe genetischer Ichthyosen. Bei diesen schweren Verlaufsformen ist die Schweißfunktion oft deutlich eingeschränkt. Besonders bei Fieber oder hohen Außentemperaturen besteht dann die Gefahr eines Wärmestaus.
Zu den seltenen Ichthyosen zählen auch syndromale Formen, bei denen neben der Haut weitere Organsysteme betroffen sein können. Zudem gibt es in seltenen Fällen auch erworbene Ichthyosen, die im Zusammenhang mit anderen Erkrankungen auftreten können.