PTA-Forum online Avoxa
instagram facebook

Ichthyosis
-
Mehr als nur trockene Haut

Unterschiedliche Ursachen, Verläufe und Erscheinungsformen – Ichthyosen sind eine heterogene Gruppe von Verhornungsstörungen, die mit trockener und schuppiger Haut einhergehen.
AutorKontaktCaroline Wendt
Datum 20.05.2026  16:00 Uhr

Berichten Kunden von trockener bis sehr trockener Haut, wird häufig zunächst an banale Ursachen gedacht: ein gestörter Säureschutzmantel durch häufiges Waschen, eine zu geringe Flüssigkeitszufuhr oder an bekannte Hauterkrankungen wie Neurodermitis oder Psoriasis. Doch hinter ausgeprägter, anhaltender Schuppung kann auch eine Ichthyose stecken. Der Name, der für verschiedene Erkrankungen stehen kann, leitet sich vom griechischen Wort »ichthys« für Fisch ab; die Erkrankungen werden daher umgangssprachlich als Fischschuppenkrankheit bezeichnet – auch wenn das Hautbild nur bedingt daran erinnert. Ichthyosen sind eine Gruppe erblich bedingter Verhornungsstörungen. Die meisten Formen sind selten bis sehr selten.

Ichthyosis vulgaris

Eine Ausnahme bildet die Ichthyosis vulgaris, die mit einer Prävalenz von etwa 1:300 vergleichsweise häufig vorkommt und rund 95 Prozent aller Ichthyosen ausmacht. Neugeborene zeigen bei der Geburt meist noch keine auffälligen Hautveränderungen. Erst im Verlauf der ersten Lebensmonate entwickelt sich zunehmend trockene und raue Haut. Typisch sind kleine bis mittelgroße, weißliche bis schmutzig-graue Schuppen, die vor allem an den Streckseiten der Extremitäten auftreten. Typischerweise bleiben die großen Beugefalten – etwa Ellenbeugen, Kniekehlen oder die Leistenregion – ausgespart. Häufig ist zudem die Haut an Handinnenflächen und Fußsohlen verdickt. Charakteristisch ist außerdem eine ausgeprägte Handlinienzeichnung, die als Ichthyose-Hand bezeichnet wird.

Aus dem Takt

Bei der Ichthyosis vulgaris ist der normale Verhornungs- und Abschilferungsprozess der Haut gestört. Ursache ist ein Mangel an Filaggrin – einem Strukturprotein, das für die Ausbildung einer intakten Hautbarriere und die Bindung von Feuchtigkeit wichtig ist. Durch die gestörte Barrierefunktion kann die Hornschicht Wasser nur unzureichend speichern. Die Haut trocknet aus, wird rissig und beginnt sich sichtbar zu schuppen.

Während sich die Hornzellen bei gesunder Haut kontinuierlich und kaum sichtbar einzeln ablösen, haften sie bei Patienten mit Ichthyosis vulgaris stärker zusammen. Dadurch lösen sich größere Zellverbände ab – die typische sichtbare Schuppung entsteht, vergleichbar mit dem Abschälen der Haut nach einem Sonnenbrand.

Viele Patienten zeigen zusätzlich Symptome einer Keratosis pilaris, umgangssprachlich auch Reibeisenhaut genannt. Dabei verstopfen abgestorbene Hautzellen die Haarfollikel. Sichtbar werden kleine raue, hautfarbene oder gerötete Knötchen, meist an Oberarmen oder Oberschenkeln. Die Erkrankung tritt zudem gehäuft gemeinsam mit atopischer Dermatitis (Neurodermitis) auf.

Abgesehen von den sichtbaren Hautveränderungen und möglichen Ekzemen haben Betroffene meist nur geringe Beschwerden. Gelegentlich kommt es infolge der ausgeprägten Hauttrockenheit zu Juckreiz. Die Ausprägung der Symptome ist unterschiedlich: Bei einseitiger Vererbung sind die Symptome meist mild, bei beidseitiger stärker ausgeprägt. Männer und Frauen sind gleichermaßen betroffen.

TEILEN
Datenschutz
Mehr von Avoxa