Das gilt besonders, wenn kleine Kinder im Haushalt leben. Laut Märzheuser haben Kinder von null bis vier Jahren noch kein eigenes Gefahrenbewusstsein. »Ein vierjähriges Kind, das aus einem Fenster schaut, kann die Höhe nicht als bedrohlich wahrnehmen, weil das Tiefenschärfe-Sehen dieses Kindes noch nicht so ausgebildet ist, dass es Angst bekommt«, erklärt die Kinderchirurgin. Dann könne es passieren, dass das Kind aus dem Fenster fällt. Ihr Appell: »Gerade im Sommer ist es so wichtig, die Fenster zu sichern.«
Der Sturzunfall sei der häufigste Unfall überhaupt in der Altersgruppe vom Baby- bis zum Teenageralter, so Märzheuser weiter, »und diese Sturzunfälle lassen sich auch in vielen Fällen vorausschauend vermeiden«.
Eltern sollten auch über Erste Hilfe und Notfallmaßnahmen Bescheid wissen und handeln können. In gewissen Maß gilt das ebenso für die Kinder.
Hier ist noch viel Luft nach oben, wie die Umfrage zeigt. Dort wurde gefragt: »Weiß Ihr Kind, was es im Notfall tun soll – z. B. wen es anrufen oder wie es den Notruf erreichen kann?«. Nur 37 Prozent wählten darauf die Antwort: »Ja, wir haben das konkret besprochen und geübt.« Knapp ein Drittel (32 Prozent) gab an: »Ja, ich glaube schon, aber wir haben es nicht explizit geübt«. Der Rest verneinte, wusste es nicht oder gab an, das Kind sei noch zu jung dafür.
Dabei hilft im Ernstfall »kein Hoffen, sondern nur das, was sitzt«, so Anja Käfer-Rohrbach. Daher sollte das Absetzen eines Notrufs nicht nur im Kindergarten Thema sein, sondern auch in der Familie. »Wenn wir mit den Kindern üben, können sie auch lernen, einen Notruf abzusetzen«, so Stefanie Märzheuser. Es gebe immer wieder Beispiele, wo Kinder ihre Eltern oder auch Geschwisterkinder gerettet haben. Auch »simple« Maßnahmen, wie im Notfall einfach laut zu rufen: »Hilfe, hier ist was passiert!« seien wichtig: Bei Ertrinkungsunfällen zum Beispiel habe man so unglaublich wenig Zeit, betont die Expertin.
Etwa 60 Prozent der Unfälle seien laut Märzheuser durch vorausschauendes Denken zu verhindern. »Häufig, wenn Eltern in die Rettungsstelle kommen, dann sagen die: Bei uns passierte das Unvermeidbare. Ich habe eine Sekunde lang nicht aufgepasst.« Es seien immer wieder die gleichen Unfallszenarien, etwa der Sturz vom Wickeltisch: »Das ist ein Unfall, der muss nicht passieren. Und er ist für die Eltern nahezu genauso furchtbar für das Kind.«