| Sven Siebenand |
| 24.03.2026 12:00 Uhr |
Brustkrebs ist die häufigste Krebsart bei Frauen. Jedes Jahr erkranken in Deutschland rund 75.000 Frauen und 700 Männer neu. Für bestimmte Patientinnen und Patienten gibt es mit Imlunestrant nun eine neue Behandlungsoption. / © Getty Images/D. Giraldez Alonso
Zugelassen ist Imlunestrant als Monotherapie zur Behandlung von Erwachsenen mit Estrogenrezeptor-positivem (ER+), HER2-negativem (HER2-), lokal fortgeschrittenem oder metastasiertem Brustkrebs mit einer aktivierenden ESR1-Mutation, wenn die Erkrankung nach einer vorherigen endokrinen Therapie progredient ist. Bei prä- oder perimenopausalen Frauen sowie Männern ist der Wirkstoff mit einem Luteinisierungshormon-Releasinghormon-(LHRH)-Agonisten zu kombinieren. ESR1-Mutationen sind erworbene Mutationen, die sich als Folge einer endokrinen Therapie entwickeln und oft bei ER+ und HER2-metastasiertem Brustkrebs auftreten.
Imlunestrant ist ein Antagonist des Estrogenrezeptors α (ERα). Der Rezeptor ist damit für die Bindung des natürlichen Liganden blockiert. Zudem führt das Andocken von Imlunestrant dazu, dass die Rezeptordichte herunterreguliert wird. So gelingt es dem neuen Antiestrogen, die Signalübertragung über den Rezeptor auszubremsen und schließlich das Wachstum ERα-positiver Brustkrebszellen zu hemmen. Ganz neu ist dieses Wirkprinzip nicht. Auch die bereits verfügbaren Substanzen Fulvestrant und Elacestrant zählen zur Klasse der sogenannten selektiven Estrogenrezeptor-Degrader (SERD). Fulvestrant wird injiziert, Elacestrant und Imlunestrant werden oral eingenommen.
Der neue Wirkstoff wird einmal täglich verabreicht. Die empfohlene Dosis sind 400 mg, also zwei Filmtabletten mit jeweils 200 mg. Die Tabletten sollen mindestens zwei Stunden vor dem Essen auf nüchternen Magen oder eine Stunde nach dem Essen eingenommen werden. Wenn die Einnahme einer Tagesdosis versäumt wurde, kann sie innerhalb von sechs Stunden nach dem üblichen Einnahmezeitpunkt sofort nachgeholt werden. Einige Nebenwirkungen können eine Dosisunterbrechung und/oder -reduktion erforderlich machen. Details dazu sind in der Fachinformation von Inluriyo zu finden. Wird eine Tagesdosis von 200 mg nicht vertragen, muss die Therapie mit Imlunestrant abgebrochen werden.
Bei mittelschwerer oder schwerer Leberfunktionsstörung ist die einmal tägliche Dosis auf 200 mg zu reduzieren. Bei schwerer Nierenfunktionsstörung ist besondere Vorsicht geboten. Die Behandlung sollte nur unter enger Überwachung auf Anzeichen einer Toxizität erfolgen.
Hinsichtlich Wechselwirkungen ist es gut zu wissen, dass die gleichzeitige Einnahme starker CYP3A-Induktoren und -Inhibitoren zu vermeiden ist. Ist das nicht möglich, dann sollte die Tagesdosis um 200 mg erhöht beziehungsweise reduziert werden.
Kontraindiziert ist Imlunestrant in der Stillzeit. Frauen im gebärfähigen Alter und zeugungsfähige Männer sind darauf hinzuweisen, dass während der Behandlung und mindestens eine Woche nach der letzten Dosis eine hochwirksame Verhütungsmethode anzuwenden ist. Das Vorliegen einer Schwangerschaft ist vor Beginn einer Behandlung auszuschließen.
Zu den sehr häufig beobachteten Nebenwirkungen von Imlunestrant zählen Durchfall, Übelkeit, Gelenkschmerz, Schmerzen des Muskel- und Skelettsystems, Rückenschmerz, Fatigue sowie erhöhte Triglycerid- und Leberenzymwerte.