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Neueinführung
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Neues Mittel gegen Hirntumoren

Mitte Mai kam der neue Wirkstoff Tovorafenib (Ojemda® 100 mg Filmtabletten und 25 mg/ml Pulver zur Herstellung einer Suspension zum Einnehmen, Ipsen Pharma) auf den deutschen Markt. Er kommt bei bestimmten Hirntumoren zum Einsatz. 
AutorKontaktSven Siebenand
Datum 21.05.2026  08:00 Uhr

Tovorafenib wird beim pädiatrischen niedrig gradigem Gliom, dem häufigsten Hirntumor bei Kindern, angewendet. Voraussetzung ist, dass der Tumor bestimmte Änderungen im BRAF-Gen aufweist. Ojemda darf als Monotherapie für die Behandlung von Patienten ab sechs Monaten mit einer BRAF-Fusion oder -Umlagerung oder einer BRAF-V600-Mutation, die nach einer oder mehreren systemischen Therapien progredient sind, zum Einsatz kommen.

Tovorafenib ist ein Kinasehemmer. Ganz genau gehört es zu den Typ-II-RAF-Kinase-Inhibitoren. Er führt letztlich dazu, dass die Aktivierung des sogenannten MAPK-Signalweges gehemmt wird, wodurch das Tumorwachstum gebremst wird.

Die empfohlene Dosis ist 380 mg/m2 einmal wöchentlich auf Grundlage der Körperoberfläche (KOF). Die maximal empfohlene Dosis ist 600 mg einmal wöchentlich. Patienten können den Wirkstoff entweder als schnell freisetzende Tablette oder als Suspension einnehmen. Kommt es unmittelbar nach der Gabe zum Erbrechen, sollten sie die Einnahme der Dosis wiederholen. Zur Kontrolle von Nebenwirkungen können eine Dosisreduktion, eine Unterbrechung oder ein Abbruch der Behandlung erforderlich sein.

In der Fachinformation sind verschiedene Warnhinweise zu finden. So wurden bei mit Tovorafenib behandelten Patienten intratumorale Blutungen und hämorrhagische Ereignisse sehr häufig berichtet. Patienten und Betreuungspersonen sollten über das Risiko einer möglichen Blutung während der Behandlung aufgeklärt werden.

Andere Warnhinweise beziehen sich auf eine verringerte Wachstumsgeschwindigkeit, auf leberbezogene Ereignisse und auf Hauttoxizität. Patienten und Betreuungspersonen sollen über das Risiko von Hautausschlag und Lichtempfindlichkeit während der Behandlung aufgeklärt werden. Es wird empfohlen, unter Tovorafenib Vorsichtsmaßnahmen gegen UV-Strahlung zu treffen, etwa Sonnenschutzmittel (LSF ≥ 50), Sonnenbrille und/oder Schutzkleidung einzusetzen.

Die gleichzeitige Anwendung des Kinasehemmers mit einem starken oder moderaten CYP2C8-Inhibitor oder -Induktor sollte vermieden werden. Erstgenannte erhöhen das Nebenwirkungsrisiko von Tovorafenib, die anderen gefährden die Wirksamkeit des neuen Arzneistoffs. Zu den häufigsten Nebenwirkungen zählen unter anderem Veränderungen der Haarfarbe, Müdigkeit, Anämie, Erbrechen, niedrige Phosphatspiegel, Kopfschmerzen, Hautausschlag, Fieber, Wachstumsverzögerung und trockene Haut.

Frauen im gebärfähigen Alter müssen während der Therapie und für 28 Tage nach der letzten Dosis eine wirksame nicht hormonelle Verhütungsmethode verwenden. Männliche Patienten mit Partnerinnen im gebärfähigen Alter müssen während der Behandlung und für zwei Wochen nach der letzten Dosis wirksam verhüten.

Tovorafenib sollte Schwangeren nur gegeben werden, wenn der potenzielle Nutzen für die Mutter das mögliche Risiko für den Fötus überwiegt. Während der Behandlung und für zwei Wochen nach der letzten Dosis soll nicht gestillt werden.

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