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COPD
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Richtig essen – besser atmen

Bei der Bewältigung einer chronisch obstruktiven Lungenerkrankung (COPD) denkt man vielleicht erst einmal nicht an die Ernährung. Doch die richtige Speiseauswahl kann den oft mangelernährten Patienten in vielerlei Hinsicht helfen.
AutorKontaktBarbara Döring
Datum 13.07.2026  16:00 Uhr

Als COPD (Chronic Obstructive Pulmonary Disease) werden chronische Lungenerkrankungen bezeichnet, die mit einer dauerhaften Verengung der Atemwege und strukturellen Lungenschäden einhergehen, meist aufgrund einer chronischen Bronchitis bei Rauchern. Die Patienten bekommen im fortgeschrittenen Stadium nur schwer Luft und geraten schon bei leichten Alltagstätigkeiten außer Atem. Eine COPD kann mit einem Lungenemphysem begleitet sein, bei der die Bronchiolen zerstört werden und große Hohlräume entstehen. Dadurch kommt es zu einer unheilbare Überblähung der Lunge. Dauerhafte Atemnot, Untergewicht und eine Mangelernährung sind typische Begleiterscheinungen.

Auch wenn der Einfluss der Ernährung auf die Erkrankung nicht auf den ersten Blick logisch erscheint, wie etwa bei Typ-2-Diabetes, so gilt eine begleitende Ernährungstherapie auch bei COPD als wichtiger Baustein der Behandlung. Denn einerseits wird der Ernährungszustand von der COPD beeinflusst, andererseits kann die Ernährung auch den Zustand des COPD-Patienten verändern.

Gewicht im Blick

Etwa ein Viertel aller COPD-Patienten ist untergewichtig (BMI unter 18,5 kg/m²) beziehungsweise mangelernährt, das heißt, sie nehmen zu wenig Kalorien, Eiweiß, Vitamine und Spurenelemente auf. Die Rede ist von einer pulmonalen Kachexie. Das betrifft vor allem Patienten mit Lungenemphysem. Sie sind mager, haben starke Atemnot. Durch die anstrengende Atmung kann das Gesicht rosig erscheinen. 

Aufgrund der geschädigten Lungenbläschen ist bei den Betroffenen der Sauerstoffpartialdruck im Blut vermindert. Betroffene atmen ineffizient und müssen eine erhöhte Atemarbeit leisten, sodass die Atemmuskulatur mehr Energie verbraucht. Hinzu kommt, dass manche der eingesetzten Medikamente wie β2-Sympathomimetika oder Theophyllin sowie wiederholte Infekte den Grundumsatz steigern. Der Ruheenergieumsatz kann bei COPD-Patienten deshalb erhöht sein. 

Doch auch Übergewicht wirkt sich negativ auf den Krankheitsverlauf aus. Davon sind vor allem Patienten betroffen, bei denen die Lungenobstruktion im Vordergrund steht. Sie haben zunächst zwar kaum Atemnot, sind jedoch zyanotisch, das heißt, ihre Lippen und Nägel sind wegen des Sauerstoffmangels bläulich verfärbt. Auch bei ihnen kann trotz des Übergewichts ein Nährstoffmangel bestehen. Er beeinträchtigt die Abwehrkräfte der Lunge mit der Folge, dass die Makrophagen in den Alveolen weniger aktiv sind und das Risiko für Infektionen steigt.

Da sich die Patienten aufgrund der Atemnot und des Sauerstoffmangels weniger bewegen, geht zudem Muskelmasse verloren, was auch die Atemmuskulatur wie das Zwerchfell betrifft. Die Leistungsfähigkeit wird dadurch weiter eingeschränkt. Bewegungsmangel, Untergewicht sowie eine Medikation mit Cortison können dazu beitragen, dass sich eine Osteoporose entwickelt.

Mangel vermeiden

Ein wichtiges Ziel bei der COPD ist es, eine Mangelernährung und Untergewicht, die mit einer verschlechterten Prognose einhergehen, zu vermeiden. Untergewichtige Patienten sollten mithilfe einer erhöhten Kalorienzufuhr und gegebenenfalls einer Ernährungs-Supplementierung eine Gewichtszunahme erreichen oder zumindest das Gewicht stabilisieren.

Bei COPD-Patienten gilt ein BMI-Wert unter 21 kg/m² als prognostisch ungünstig. Auch starkes Übergewicht mit einem BMI über 30 kg/m² sollte vermieden werden, da übergewichtige Patienten durch die höhere körperliche Belastung mehr Atemarbeit leisten müssen.

Um bei Untergewicht Muskel- und Fettmasse aufzubauen, muss der tägliche Kalorienbedarf des Patienten abgedeckt sein – noch günstiger wäre es, zusätzliche Kalorien zuzuführen. Dafür eignen sich hochkalorische Mahlzeiten, die möglichst in mehreren kleinen Portionen über den Tag verteilt verspeist werden. Das ist günstiger, da der Magen sich weniger weitet und nicht wie bei großen Mahlzeiten auf die Lunge drückt. Als hochkalorisch gelten Lebensmittel mit einer Energiedichte von mehr als 225 kcal pro 100 Gramm. Speisen lassen sich zum Beispiel mit Butter, Sahne, Öl oder Nüssen anreichern. Der Arzt kann zudem Patienten, die ungewollt zu viel Gewicht verloren haben und untergewichtig und schwach sind, eine kalorienreiche Zusatznahrung verordnen. 

Der wichtigste Nährstoff, um Muskeln zu erhalten und aufzubauen, ist Eiweiß. COPD-Patienten wird aufgrund der oft verringerten Muskelmasse eine höhere Eiweißzufuhr empfohlen. Eiweiß ist zudem für die Funktion des Immunsystems wichtig. Fehlt Eiweiß in der Ernährung, holt es sich der Körper aus den Muskeln. Um Muskelmasse zu erhalten und aufzubauen, sind etwa 1,6 g Eiweiß pro Kilogramm Körpergewicht erforderlich. Ein 60 kg schwerer COPD-Patient benötigt demnach etwa 96 g Eiweiß täglich. Dafür sollte in jeder Mahlzeit ein eiweißreiches Lebensmittel vorkommen, etwa mageres Fleisch, Fisch, Eier oder Milchprodukte (bei Untergewicht die fettreiche Variante), Hülsenfrüchte, Nüsse, Kerne, Samen, Vollkornprodukte oder Haferflocken.

Wie gut Eiweiß vom Körper verwertet wird, hängt von der Kombination der Lebensmittel ab. Tierisches Eiweiß hat oft eine höhere biologische Wertigkeit als pflanzliches Eiweiß. Die richtigen pflanzlichen Kombinationen können jedoch die Wertigkeit erhöhen. Ideale Kombinationen, um Muskelmasse aufzubauen, sind Getreide und Milchprodukte (Brot oder Nudeln mit Käse), Getreide und Ei (Pfannkuchen, Getreidebratlinge) sowie Kartoffeln und Ei oder Milchprodukte (Kartoffelpüree mit Rührei, Pellkartoffeln mit Quark).

Nur wenn es schmeckt, wird gut gegessen. Untergewichtige Patienten sollten sich deshalb ruhig häufiger ihre Leibspeise oder den Lieblingssnack gönnen. Leere Kalorien in Form von Fast Food, Süßigkeiten oder Gebäck sollten allerdings die Ausnahme bleiben, denn sie liefern keine wertvollen Nährstoffe und sind nicht zum Muskelaufbau geeignet. Auch Vitamine, Mineralstoffe und Ballaststoffe dürfen bei Mangelernährung nicht zu kurz kommen. Obst und Gemüse liefern davon reichlich, machen aber schnell satt. Sie sollten deshalb immer mit kalorienreichen Lebensmitteln kombiniert werden, zum Beispiel Salat und Käse, Obst und Sahnejoghurt oder Nüsse.

Gegen Entzündung

Omega-3-Fettsäuren wird eine antientzündliche Wirkung zugeschrieben. Einige Untersuchungen weisen darauf hin, dass sie auch bei COPD die Entzündungsmarker im Blut verbessern. Weitere Studien sind nötig, um die ersten Ergebnisse zu bestätigen. Hauptlieferanten für Omega-3-Fettsäuren sind Kaltwasserfische wie Makrele, Lachs oder Hering sowie pflanzliche Öle wie Leinsamen-, Raps-, Walnuss- oder Olivenöl.

Damit untergewichtige Patienten genug essen und nicht zu früh ein Sättigungsgefühl verspüren, kann es sinnvoll sein, vor und während der Mahlzeit nur wenig zu trinken. Erst nach dem Essen sollten Patienten dann schluckweise Flüssigkeit zu sich nehmen. Blähungen können bei Atembeschwerden zusätzlich belasten. Durch die Gasbildung erhöht sich der Druck auf das Zwerchfell und auf die Lunge. Doch nicht alle gasbildenden Lebensmittel verursachen zwangsläufig Beschwerden. Wer sie nicht verträgt, sollte sie jedoch besser meiden. Dazu zählen Kohlgemüse, Zwiebelgewächse, Hülsenfrüchte und Trockenobst. Hastiges Essen sowie kohlensäurehaltige Getränke können ebenfalls Blähungen verursachen.

Bei manchen Patienten kommt es aufgrund eingeschränkter Beweglichkeit häufiger zu Verstopfung. Abführmittel können kurzfristig helfen, sollten aber nicht dauerhaft genutzt werden. Zu empfehlen sind ballaststoffreiche Lebensmittel, die Zufuhr von pulverförmigen Ballaststoffen und eine erhöhte Trinkmenge. Im Rahmen ihrer Möglichkeiten sollten sich Patienten zudem mehr bewegen, um dem Darm auf die Sprünge zu helfen.

Die bei COPD-Patienten oft ausgeprägte Atemnot kann auch die Nahrungsaufnahme beeinträchtigen. Die Deutsche Atemwegsliga rät, vor der Mahlzeit zu ruhen, gegebenenfalls einen Bronchodilatator zu verwenden und störendes Sekret abzuhusten. Patienten sollten sich zudem genügend Zeit lassen und langsam essen, möglichst im Kutschersitz, also in vorgebeugter Haltung und bei etwa schulterbreitem Stand der Füße. Das Besteck wird beim Kauen am besten zur Seite gelegt, um die Arme aufstützen zu können. Das Atmen wird so erleichtert. Zwischen den einzelnen Bissen hilft die Lippenbremse, besser Luft zu bekommen. Dabei wird tief durch die Nase eingeatmet und über den Mund durch den Widerstand der locker aufeinandergelegten Lippen langsam und gleichmäßig ausgeatmet. Auch während des Essens zu sprechen, kann Atemnot verstärken.

Patienten mit COPD macht mitunter Müdigkeit zu schaffen, welche die Nahrungsaufnahme beeinträchtigen kann. Auch dann kann es helfen, vor dem Essen zu ruhen. Ist die Müdigkeit gerade weniger stark ausgeprägt, kann es sinnvoll sein, etwas größere Portionen zu verzehren. Für Phasen, in denen sich die Erkrankung verschlimmert oder die Erschöpfung ausgeprägter ist, sollten Fertiggerichte griffbereit sein. Von einer COPD sind vorwiegend ältere Menschen betroffen. Bei ihnen können Zahnprobleme die Nahrungsaufnahme zusätzlich erschweren. Weiche Speisen mit hoher Kaloriendichte erleichtern dann die Ernährung.

Schleimlöser Wasser

Die Empfehlung, ausreichend zu trinken, gilt für COPD-Patienten in besonderem Maße. Wasser hat in der Lunge eine Schutzfunktion, denn die Schleimhäute der Lunge bilden einen wässrigen Schleim, der die Lunge feucht hält und die Reinigung der Atemwege unterstützt. Gelangen vermehrt Schmutzpartikel in die Lunge, etwa durch Rauchen, funktionieren die Flimmerhärchen der Schleimhäute nicht mehr und das Husten übernimmt die Reinigungsfunktion. Um das Abhusten zu erleichtern, produziert der Körper mehr wässrigen Schleim. Eine ausreichende Flüssigkeitszufuhr sorgt dafür, dass der Schleim dünnflüssiger wird und besser abgehustet werden kann. Das erleichtert die Atmung und spart Energie.

Für eine gute Schleimlösung wird COPD-Patienten empfohlen, täglich 1,5 bis 2 l Flüssigkeit zu sich zu nehmen, sofern keine medizinische Einschränkungen bestehen. Geeignet sind stilles oder kohlensäurearmes Wasser, Saftschorlen (drei Teile Wasser, ein Teil Saft), ungesüßter Tee oder Kaffee. Alkohol ist nicht geeignet, da er Entzündungen in den Atemwegen fördern kann.

COPD-Patienten sollten im Idealfall eine zertifizierte Ernährungsberatung erhalten, die auf die individuellen Gewohnheiten und Begleitbeschwerden wie Appetitmangel eingeht. Wird sie ärztlich verordnet, zahlen Krankenkassen in der Regel einen Teil der Kosten. Die Patientenleitlinie COPD empfiehlt eine Ernährungsberatung für unter- oder übergewichtige COPD-Patienten. Allein durch hochkalorische Ernährung lässt sich Muskelmasse nicht bewahren oder wiederaufbauen. Um die Belastbarkeit und Lebensqualität des Patienten zu erhalten, ist neben der Ernährungsumstellung immer auch eine Bewegungstherapie erforderlich.

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