Gewichtszunahme trotz gesunder Ernährung? Es könnte auch an Medikamenten liegen. / © Getty Images/Ian Hooton
Mehr als die Hälfte der Deutschen ist übergewichtig – eine Tatsache, die gesundheitliche Folgen haben kann. Neben ungesunder Ernährung oder Bewegungsmangel kann auch die Einnahme bestimmter Medikamente zu unerwarteten Kilos führen. Besonders häufig betroffen sind Psychopharmaka, Cortisonpräparate, einige Diabetesmedikamente, Betablocker und bestimmte Hormontherapien.
Wer vermutet, durch Medikamente zuzunehmen, sollte keinesfalls die Einnahme eigenmächtig abbrechen. Stattdessen lohnt sich das Gespräch mit Arzt oder Apotheke, um mögliche Alternativen zu prüfen. Der Präsident der Landesapothekerkammer Hessen Dr. Christian Ude erläutert: »Bestimmte Wirkstoffe können den Appetit anregen, den Stoffwechsel und das Hormonsystem beeinflussen, körperliche Trägheit begünstigen oder Flüssigkeitseinlagerungen verursachen.«
Antidepressiva, Antipsychotika und Antiepileptika gehören zu den Medikamenten, die das zentrale Nervensystem beeinflussen – und in vielen Fällen das Gewicht. Antipsychotika wie Olanzapin und Clozapin sowie Antidepressiva können den Hunger steigern und den Kalorienverbrauch senken. Ein positiver Nebeneffekt der Therapie – gesteigerte Lebensfreude – kann ebenfalls zu mehr Appetit führen. Auch Antiepileptika wie Valproinsäure oder Gabapentin können das Gewicht erhöhen.
Nicht alle Mittel dieser Gruppen führen automatisch zu einer Gewichtszunahme. Die individuelle Wirkung hängt von Wirkstoff, Dosierung und persönlicher Veranlagung ab.
Einige ältere Antidiabetika wie Tolbutamid oder Insulinpräparate fördern die Gewichtszunahme, obwohl neue Medikamente wie die sogenannten »Abnehmspritzen« Gegenteiliges bewirken. Auch Betablocker, die gegen Herz-Kreislauf-Erkrankungen eingesetzt werden – etwa Atenolol, Propranolol oder Metoprolol – können den Energieverbrauch senken und körperliche Aktivität erschweren, was eine Gewichtszunahme begünstigen kann. Diese Effekte betreffen vor allem Menschen, die ohnehin mit Übergewicht zu kämpfen haben – hier ist besondere Aufmerksamkeit gefragt.