PTA-Forum online Avoxa
instagram facebook

pDL Inhalationstherapie
-
Schulung braucht besonderen Dreh

Die Inhalationstherapie von Atemwegserkrankungen ist nicht trivial. Selbst bei Patienten, die ihr Device laut Eigenaussage gut kennen, schleichen sich immer wieder Fehler ein. Dann kommt es auf die geeignete Ansprache an, um sie vom Nutzen regelmäßiger Schulungen zu überzeugen.
AutorKontaktElke Wolf
Datum 25.03.2026  08:00 Uhr

»Der Patient muss verstehen, warum er etwas tun soll. So sollte man immer erklären, warum er beispielsweise das Dosieraerosol vorher gut schütteln muss oder nach dem inhalativen Corticosteroid den Mund spülen soll. Verständnis für die einzelnen Schritte erhöhen die Chance, dass sich der Patient beim Ausüben daran erinnert«, sagte der niedergelassene Apotheker Dr. Philipp Kircher bei einer virtuellen Fortbildungsveranstaltung der Landesapothekerkammer Brandenburg. In seinem Vortrag stellte er viele gute Anwendungstipps vor, die »in keiner Packungsbeilage zu finden sind«.

In spielerischen Elementen – Neudeutsch »Gamifikation« genannt – sieht er eine große Chance, um Patientinnen und Patienten zur richtigen Anwendung zu motivieren. »Wecken Sie die Neugierde, seien Sie ein bisschen frotzelig oder schließen Sie kleine Wetten ab«, empfahl Kircher aus dem bayerischen Peißenberg. Es lohne sich auch, mit Schaubildern zu arbeiten, die illustrieren, inwieweit der Ort und das Ausmaß der Wirkstoffdeposition von der richtigen Inhalationstechnik abhängig sind. »Den Unterschied sieht auch der medizinische Laie, dass bei fehlerhafter Anwendung der Großteil des Wirkstoffs im Rachen hängen geblieben ist und gar nicht in der Lunge ankommt.«

Der Fachapotheker für Arzneimittelinformation riet, nach der Demonstration des Inhalationsgerätes in jedem Fall den Patienten selbst die Inhalation vornehmen zu lassen. Selbst bei langjährigen Anwendern würden sich bei der Handhabung immer wieder Fehler einschleichen. Um beispielsweise zu veranschaulichen, dass die meisten zu kräftig inhalieren, setzt Kircher gerne den »In Check Dial-16« ein - ein Messgerät, das die Inhalationsgeschwindigkeit bestimmt. Ist der Atemfluss zu stark, schlägt die Anzeige nach rot aus. »Dann sieht der Patient mit eigenen Augen, dass das mit einem Dosieraerosol, das langsam und kontinuierlich inhaliert werden muss, nicht zusammenpasst. Dieses Tool eignet sich wunderbar auch als Opener, um die pDL-Schulung schmackhaft zu machen.«

Den richtigen Dreh müsse man in der Beratung vor allem bei geriatrischen Patienten draufhaben. Kindergesicherte Schraubverschlüsse verlangten etwa einen erheblichen Kraftaufwand. Und in Spiriva® Respimat® sieht Kircher »die schwierigste Arzneiform, die wir bei Atemwegserkrankungen zur Handhabung öffnen können sollen«. 80 Newton seien nötig, um die Kartusche in den Sprühvernebler einzuführen. Zum Vergleich: 40 Newton sind nötig, um ein dickes Skript zu lochen.

Das gehe nur, wenn man sich in aufrechter Haltung mit dem vollen Körpergewicht daraufstütze – was für Senioren nicht ohne Weiteres umzusetzen ist. »Bieten Sie deshalb Ihren geriatrischen Patienten an, für sie die Packung zu öffnen. Das ist für sie eine erhebliche Erleichterung – und eine kleine, feine Dienstleistung, die kein Versandhändler der Welt bietet.«

TEILEN
Datenschutz

Mehr von Avoxa