Als großen Vorteil von Dosieraerosolen nannte der Referent den geringen Strömungswiderstand der Devices und dass die Patienten nur einen geringen maximalen inspiratorischen Druck erzeugen können müssen – was geriatrischen Patienten entgegenkommt. Die Auslösung der Inhalation erfolgt zu Beginn beziehungsweise kurz nach Beginn des langsamen und tiefen Einatmens.
Genau das sei aber der häufigste Anwendungsfehler überhaupt, den Patienten bei der Verwendung von Inhalationsdevices machen: »Wird erst ausgelöst und dann eingeatmet, bleibt zu viel Infiltrat im Rachen hängen. Wenn der Patient diese korrekte Koordination nicht schafft, ist ein Spacer vonnöten. Das betrifft vor allem Kinder und geriatrische Patienten.«
Letzteren kann es auch Schwierigkeiten bereiten, den Atem für fünf bis zehn Sekunden anzuhalten. Kircher empfahl, nach Erleichterungen für die Patienten zu suchen, indem die Stoffeigenschaften des Arzneistoffs berücksichtigt werden. Will heißen: Bei hydrophilen Arzneistoffen wie Salbutamol sei es ausreichend, drei bis fünf Sekunden die Luft anzuhalten. Weil Glucocorticoide lipophil sind, sollte dagegen die Atempause besser zehn Sekunden andauern, um ein Maximum an Wirkung zu erzielen. »Mit unserem pharmazeutischen Wissen können wir die Schulung individuell auf den Patienten zurechtschneiden.«
Nach dem Einsprühen in einen Spacer rät der Apotheker, umgehend zu inhalieren und nicht nach dem Sprühen eine Pause zu machen, wie es zuweilen vor allem für Kinder in der Packungsbeilage steht. Der Grund für diesen Anwendungstipp: Kleine Partikel sedimentieren im Spacer und eine zeitliche Verzögerung von nur zehn Sekunden verringert die aufgenommene Dosis um bis zu 50 Prozent.
Sind mehrere Hübe pro Anwendung nötig, sind sie getrennt zu inhalieren. Das bedeutet: Es ist ratsam, einen Hub einzusprühen und ihn gleich zu inhalieren. Dann erst die zweite Dosis einsprühen und sie wieder wegatmen. Das ist nötig, weil der zweite Sprühstoß im Spacer bereits vorhandene lungengängige Partikel laut Kircher in Turbulenzen versetzt und sie an die Kammerwand deponiert. Dadurch inhaliert der Patient in der Folge zu wenig Wirkstoff. »Weil die korrekte Reihenfolge umständlicher ist, machen es die Patienten nicht gern. Sie sollten deshalb darauf hingewiesen werden, dass es eine massive Dosisreduktion bewirkt.«
Ein weiteres Hilfsmittel kann therapierelevante Probleme bereiten: die Inhalationsmaske bei elektrischen Verneblern. Besonders bei unruhigen Kindern ist laut Kircher darauf zu achten, dass sie möglichst fest und dicht auf dem Gesicht aufliegen sollte. »Ein Abstand von nur einem Zentimeter kann die inhalierte Arzneistoffmenge auf etwa die Hälfte der Dosis bei eng anliegender Maske verringern«, erklärte der Referent den Umstand, dass durch den undichten Sitz der Maske Aerosol verloren geht und Außenluft eingeatmet wird. Überdies könnten undichte Stellen auch zu einer Wirkstoffdeposition in den Augen und damit zu Reizungen führen. Auch wenn die kleinen Patienten weinen oder schreien, reduziere sich die Wirkstoffdeposition deutlich.