PTA-Forum online Avoxa
instagram facebook

Neuroathletik
-
Training beginnt im Kopf

Immer mehr Spitzensportler nutzen Neuroathletik, um ihre Leistung zu optimieren. Sportwissenschaftler Professor Ingo Froböse erklärt, wie auch Laien mithilfe der Trainingsmethode ihre Körperwahrnehmung und Bewegungsqualität verbessern können.
AutorKontaktBarbara Döring
Datum 06.10.2026  08:00 Uhr

Im Zusammenhang mit Spitzensport war in den letzten Jahren immer häufiger von neuroathletischem Training die Rede. Reines Sprinten oder Passspiel gehören etwa im Fußball womöglich bald der Vergangenheit an. Sportler wie der Tennisprofi Alexander Zverev, die Sprinterin Rebekka Haase oder der Basketballspieler LeBron James haben die Methode für sich entdeckt, um ihre Leistungsfähigkeit zu maximieren. Der neue Trainer der deutschen Fußballnationalmannschaft Jürgen Klopp setzt ebenfalls auf Neuroathletik, um Bewegungsabläufe von Spielern auf ein neues Level zu heben. Neuroathletik hält zunehmend Einzug in den Profisport. Dabei könnten auch Laien von der Technik profitieren, wie Professor Dr. Ingo Froböse im Gespräch mit PTA-Forum erläutert.

Geprägt hat den Begriff der Neuroathletik der ehemalige Leistungssportler und Athletiktrainer Lars Liehnhard. Dabei ließ er sich vom neurozentrischen Training, das der US-amerikanische Biologe und Chiropraktiker Dr. Eric Cobb entwickelt hat, inspirieren. Dieses verbindet Erkenntnisse aus der Neurologie mit herkömmlichen Trainingsmethoden. Das Ziel der Neuroathletik ist, Bewegungsabläufe so zu optimieren, dass der Muskel die zur Verfügung stehende Energie möglichst effektiv und zielgerichtet für die Bewegung einsetzen kann und der Sportler so seine persönlichen Bestleistungen erreichen kann.

Eingeschränkte Bewegungsmuster aufspüren und verbessern

Die Methode geht davon aus, dass jede Position des Körpers und jede Bewegung bestimmte Anforderungen an das Nervensystem stellt und die Leistungsfähigkeit der Person davon abhängt, wie gut das Gehirn diesen Anforderungen gerecht werden kann. Demnach hängt die Leistung eines Athleten nicht allein von seiner Ausdauer und Kraft ab, sondern auch von neurophysiologischen Vorgängen, die im Hintergrund ablaufen.

Glaubt das Gehirn etwa, bestimmte Gefahren zu erkennen, reagiert es laut der Theorie mit Schutzreaktionen, die Bewegungsabläufe einschränken und so die Leistung mindern und zu Schmerzen und Verspannungen führen können. Ob das genau so funktioniert, ist allerdings wissenschaftlich noch nicht gesichert.

Das Ziel der Neuroathletik ist es also, das Gehirn so zu trainieren, dass sich die Wahrnehmung verbessert, das Sicherheitsgefühl zunimmt und Bewegungen ohne Beeinträchtigungen ablaufen können. Im Prinzip machen das Sportwissenschaftler, Physiotherapeuten und Spitzensportler schon lange, weiß Froböse. Der Fokus liege bei der Neuroathletik nur mehr auf dem Gehirn: »Beim Training stehen weniger die reine Muskulatur und das Herz-Kreislauf-System im Mittelpunkt, sondern die Wahrnehmungs- und Weiterleitungssysteme«, so der Experte.

Indem man den Körper in ungewohnte Belastungssituationen bringt, soll sich die Wahrnehmung verbessern und die Neuroplastizität erhöhen. Dabei nutzt das Training vor allem die sensorischen Systeme Sehen und Hören, aber auch das Gleichgewicht und die Propriozeption, also die unbewusste Wahrnehmung des Körpers im Raum.

Bevor Sportler mit neuroathletischem Training beginnen, werden ihre Bewegungsmuster analysiert, um ineffiziente und fehlerhafte Bewegungen zu identifizieren. Die verschiedenen sensorischen Systeme werden anschließend mit speziellen, zum Teil bizarr wirkenden Übungen wie Augenrollen oder Zungenkreisen trainiert. Froböse führt ein Beispiel an, das besser nachvollziehbar ist: »Im Fußball trainiert man in einem begrenzten Zeitfenster eine Reaktion, sodass der Sportler nicht mehr die volle Informationszeit hat, um einen Ballschuss zu erkennen. Der Schuss kommt erst später ins Blickfeld, sodass eine schnellere Reaktion notwendig wird.«

TEILEN
Datenschutz
Mehr von Avoxa