Den krönenden Abschluss des Erlebnis- und Gewerkschaftstags bildete ein Besuch des asisi Panorama Berlin »Die Mauer« am Checkpoint Charlie. / © Adexa
Von den Herausforderungen im deutschen Gesundheitssystem über rechtliche Absicherung im Alltag bis hin zu den Möglichkeiten betrieblicher Mitbestimmung – die Veranstaltung machte deutlich, warum kollektives Engagement für Apothekenangestellte heute wichtiger ist denn je. Am 25. April 2026 versammelten sich Adexa-Mitglieder aus ganz Deutschland in Berlin – zu einem Tag, der informierte, sensibilisierte und Mut machte.
Den Auftakt gestalteten Mag. pharm. Raimund Podroschko und Mag. jur. Norbert Valecka vom Verband Angestellter Apotheker Österreichs (VAAOE) – langjährige Partner von Adexa, mit denen die Gewerkschaft seit 2007 eng verbunden ist. Mit einem charmanten Mix aus sprachlichem Humor und Fachwissen nahmen die beiden das Publikum mit in den österreichischen Apothekenalltag: Was ein »Kopfwehpulverl« ist und wie das »-erl« die österreichische Alltagssprache prägt – das und vieles mehr erfuhren die Teilnehmenden bei diesem ebenso heiteren wie gehaltvollen Einstieg in den Tag.
Georg Ehrmann, Gründer und Gesellschafter der von Beust & Coll. Beratungsgesellschaft, zeichnete ein eindrückliches Bild der Machtverhältnisse im deutschen Gesundheitssystem. Dieses gleiche einem »großen, teuren und gut gepflegten Aquarium«, bevölkert von Ärzten, Krankenkassen, Verbänden und weiteren Akteuren, die um ein gewaltiges Volumen konkurrieren: rund 320 Milliarden Euro jährlich, etwa 1,4 Milliarden Euro pro Tag. »Das ist kein Aquarium mehr, das ist ein Haifischbecken«, so Ehrmann pointiert. Am Rand dieses Systems stehe die Politik, deren Rolle es sei, das Gleichgewicht zu sichern – notfalls durch gezielte Eingriffe.
Ein strukturelles Problem dabei: »In diesem System läuft vieles über Krankheit, nicht über Gesundheit.« Kranke Menschen erzeugten Umsätze und rechtfertigten Strukturen, Risiken würden ignoriert oder schöngeredet – ohne echte Reformen werde sich daran nichts ändern, auch nicht durch Sparprogramme. Besonders deutlich werde dies im Apothekenbereich: »Es ist unfassbar, dass in einem System, in dem sich viele die Taschen vollmachen, Menschen so erbärmlich bezahlt werden.« Apotheken seien unverzichtbar für die Versorgung, aber strukturell unterfinanziert – mit Gehältern, die sich teilweise knapp über dem Mindestlohn bewegten.
Positiv hob Ehrmann hervor: Adexa ist längst kein Zuschauer mehr. Die Apothekengewerkschaft sitzt heute mit am Tisch – bei Anhörungen im Bundesgesundheitsministerium, im Gesundheitsausschuss des Bundestages und im direkten Gespräch mit Abgeordneten. Arbeitsbedingungen und Bezahlung in Apotheken seien dadurch Teil der öffentlichen Diskussion geworden. »Es wird nicht mehr nur über Strukturen gesprochen, sondern auch über Menschen«.